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Der Mensch im Glarnerland
hat Tag für Tag einen Widerstand vor der Haustür: Hartes
Gestein. Es wogen im Garten keine Palmen, Wärme ist gefragt. Die
Karibik ist weit weg, Steelbands treten hier selten auf. An hartem Stein
geschult, an hochgelegenen Alpen und an Geröll - Lateiner wissen:
Glareosus = kiesig -, erkennt der junge Mensch auf dem schmalen Talboden
des Glarnerlandes rasch, dass er für die Traumberufe des Weichlings
und Playboys schlecht geeignet ist. Er muss auf dem Boden bleiben, sonst
landet er auf ihm.
Die Glaner sind wie
Moos, sie sind Erstbesiedler. Wo sich Moos festsetzt, das wissen sie instinktiv,
kann Humus entstehen. Fruchtbarkeit ist gewährleistet. Heute seltener,
früher jedoch sehr konsequent gehandhabt: Jedes Hälmchen auf
dem Kantonsgebiet muss herhalten, muss Futter werden, muss Überleben
garantieren. Das Vieh wurde in "unmögliche" Höhen
getrieben. Die sense schnitt Gras zu Heu noch dort, wo sich Flachländler
- gewohnt zu übertreiben - im überhängenden Gebirge wähnen...
Sparen, haushalten, nichts verkommen lassen, aus allem das Beste machen!
Dass die Kalberwurst (die sich die Glarner heute schweizweit per Express
aus ihrer ersten Heimat zuschicken lassen) Brotmasse enthält - das
ist kein Pakt der Bäcker gegen die Metzger. Das muss und darf so
sein - abgesegnet von der nationalen Lebensmittelverordnung (wehe, wenn
uns da einmal die EG dreinpfuscht...) Geniessen Sie einmal den Anblick,
wie ein EX- oder Noch-Immer-Glarner eine Kalberwurst geniesst... Bestimmt
aber war dies einmal eine Sparmassnahme gewesen. Aus einer Not wurden
Tugenden: Sie macht erfinderisch, kreiert Spezialitäten. So wird
auch aus einem relativ faden mageren Sauermilchkäse, wird ihm nur
das richtige Kräutlein beigemengt, eine Leckerei, nach dem über
vierzig Länder die Hand ausstrecken: Ziger, Schabziger.
So genau weiss niemand,
ob diese Eigenwilligkeit tausend oder nur sechshundert Jahre alt ist.
Sicher ist, dass Sie keinem kurzlebigen Modeprodukt aufsitzen, wenn Sie
essen. Sie nehmen Bewährtes zu sich. Abertausende von Glarnerinnen
und Glarnern waren und sind den angeblich freudigen und unerschöpflichen
neuen Milchprodukten weit voraus.

Geografie
Die Stadt Glarus liegt eingebettet in eine imposante Bergwelt. Der
auf etwa 470 m.ü.M. liegende Hauptort des Linthtales liegt zu Füssen
des pyramidenförmigen rund 2300m hohen Vorderglärnischs. Dieser
wurde 1655 als erster Berg naturgetreu auf Papier gebannt; der Atlantenmaler
Jan Hackaert hat ihn in einer grossartigen Panoramaansicht wiedergegeben.
Zudem diente er im 19. Jahrhundert für Studien zur "Felsenarchitektur".
An ihm, dem zerklüfteten und doch gleichmässigen Bergriesen,
wurden Unterschiede und Analogien der natürlichen und der Kunstarchitektur
erforscht. - Höchster Punkt des Gemeindegebietes ist nicht etwa das
mit seinem schrägen Gletscherfeld bis weit ins Mittelland sichtbare
Vrenelisgärtli, sondern der 2914 m hohe, ebenfalls zum Glärnischmassiv
gehörende Bächistock. Verschiedene
Bergsturzhügel prägen das Stadtbild mit, das sich an den Talfluss,
die Linth, anlehnt. - Auf dem Burghügel thront die St.-Michaels-Kapelle,
auf dem Bergli lädt ein Ausflugsrestaurant zum Verbleiben, auf dem
Iselirain flattern an festlichen Tagen Fahnen, und der Sonnenhügel,
auf dem einst der Galgen als Zeichen dafür stand, dass die Talleute
selbst über Leben und Tod entscheiden konnten, gewährt modernen
Wohnbauten erhöhte Lage. Die
beiden einst für die Ver- und Entsorgung sowie die Industrialisierung
wichtigen Bäche sind kaum sichtbar. Der Giessen - ein Seitenarm der
Linth - und der vom Glärnisch her kommende Oberdorfbach sind eingedohlt
und beeinflussen das Siedlungsbild nicht mehr.
Der Name
"Glarus" wurzelt vermutlich im romanischen "Clarona",
was hell, lichte Stelle im Gelände bedeutet und auf die romanische
Besiedlung verweist. Die Bezeichnung Glärnisch mag den gleichen Ursprung
haben: von "mons Claroniscus" abgeleitet. Die
Gemeindefläche beträgt 6921 ha: 180 ha (2,6%) überbaut,
1750 ha (25,3%) Wald, 2347 ha (33,9%) land- und alpwirtschaftlich nutzbar,
2644 ha (38,2%) Gestein und Wasser. - Sie wird von den Territorien der
glarnerischen Gemeinden Näfels, Riedern, Netstal, Ennenda, Mitlödi,
Schwändi, Schwanden und Luchsingen sowie vom schwyzerischen Muotathal
(das weit über die Pragelpasshöhe ins Klöntal reicht) begrenzt.
Die mittlere
Wohnbevölkerung betrug 1998 rund 5500 Personen (die in etwa 2600
Haushaltungen leben). An der Volkszählung 1990 bekannten sich 51
Prozent zur evangelisch-reformierten und 42,4 Prozent zur römisch-katholischen
Konfession. Rund 2 Prozent bezeichneten sich als mohammedanisch.
Geschichte
Ortsbezeichnungen belegen eine Besiedelung des Linthtales etwa ab
dem 5. Jahrhundert vor Christus;
sie lassen die Anwesenheit von Ligurern, Räten, Kelten und Romanen
erkennen.Laut durch Ausgrabungen gewonnener Erkenntnis stand die erste
Talkirche im 6. Jahrhundert an der Stelle des heutigen Gerichtshauses
in Glarus. Die Siedlung ist demnach viel älter als die meisten Schweizer
Städte ohne römische Wurzeln.Erste urkundliche Erwähnung
findet "Clarona" in einer aus dem 9. Jahrhundert stammenden
Lebensgeschichte der Heiligen Felix und Regula. Diese seien auf ihrer
Flucht nach dem Gemetzel der thebäischen Legion in St-Maurice durch
"wüste Orte der Einöde, die Clarona heisst," gezogen:
nach Zürich, wo sie als Märtyrer den Tod fanden. Der Meierhof,
als Sitz der Verwalter des Frauenklosters Säckingen befand sich in
Glarus, das lange Zeit aus zwei getrennten Siedlungen bestand. Grosse
Teile des Glarnerlandes gehörten bis Ende des 14. Jahrhunderts dieser
Grundherrschaft, von der sich die Talleute loskauften, ihr aber noch bis
1790 einen "ewigen Jahreszins" entrichteten.Auch die ersten
Landsgemeinden mögen hier abgehalten worden sein; die älteste
urkundlich belegte Landsgemeinde, an der sich die Glarner Landessatzungen
gaben, fand 1387 statt. - Der Wert dieser Institution wird auch heutzutage
kaum angezweifelt. Sie findet am 1. Sonntag im Mai auf dem Zaunplatz in
Glarus statt; bei sehr schlechtem Wetter wird sie um eine Woche verschoben.Der
frühe Kirchenbau - die Glarner Kirche war bis ins 13. Jahrhundert
die einzige Pfarrkirche des Tales - und die zentrale Lage bestimmten die
Entwicklung der Siedlung mit, die 1419 von der Landsgemeinde zum Hauptort
bestimmt worden ist. Hier befanden sich die Ratshäuser des Landes,
wurde Recht gesprochen, wurden Leute gefangen gehalten, an den Pranger
gestellt oder gar zur Richtstätte geführt; hier gründete
Huldrych Zwingli - von 1506 bis 1516 Pfarrer von Glarus, das sich nicht
zuletzt wegen dieser Beziehung seiner Reformation anschloss - eine Lateinschule,
und hier wurde 1560 das erste "Spital" als Unterkunft für
arme und "pesthafte" Leute gebaut.Während der Helvetik
war Glarus Hauptort des Kantons Linth (1798-1803).Da nach der Reformation
die Gemeinde konfessionell gemischt blieb, ergab sich eine äusserst
komplizierte Gemeindeorganisation. Dem Tagwen (inzwischen in der Ortsgemeinde
aufgegangene Bürgergemeinde) gehörten alle Stimmberechtigten,
gleich welcher Konfession, an. Das traf auch auf die gemeine Kirchgemeinde
zu, welcher die mit der Einwohnerschaft von Riedern gemeinsam genutzte
Kirche sowie einiges Vermögen unterstand. Deshalb trennten sich die
Kirchgenossen von Mitlödi, Netstal und Ennenda auch nicht von ihr,
als sie eigene Kirchen gebaut und eigene Kirchgemeinden gegründet
hatten: Es setzte sich die gemeine Kirchgemeinde nicht nur aus Angehörigen
verschiedener Konfessionen, sondern auch aus Aktiv- und Passivkirchgenossen
zusammen, die zudem verschiedenen Gebietskörperschaften angehörten.
- Auch war das Schul- und Fürsorgewesen konfessionell organisiert.
Die verschiedenen Gruppierungen waren gezwungen, zusammenzuarbeiten, Verträge
auszuhandeln, gemeinsame Gremien zu bilden. Der Stand Glarus nahm manche
Entwicklung in der Beziehung der Konfessionen zueinander vorab - und dies
glücklicher- und bezeichnenderweise -, ohne dass es zu offenem Krieg
gekommen wäre.Nachdem Schule und Fürsorge zu Aufgaben der staatlichen
Politik geworden sind und das Simultanverhältnis an der Stadtkirche
1964 mit der Weihe der St.-Fridolins-Kirche untergegangen ist, gibt es
noch folgende selbstständigen Körperschaften: Ortsgemeinde Glarus,
Schulgemeinde Glarus-Riedern, Fürsorgegemeinde Glarus-Riedern, Evang.-Ref.
Kirchgemeinde Glarus-Riedern, Röm.-kath. Kirchgemeinde Glarus-Riedern-Ennenda.Die
Gemeinden Glarus und Riedern bilden einen Landratswahlkreis, der 13 der
80 Glarner Landräte (Legislative) zu wählen hat. Zudem haben
sie in einer Vereinbarung die Zusammenarbeit in Zivilschutz, Feuerwehr,
Vormundschaft, Altersbetreuung, Spitex, Friedhofwesen geregelt.Im 20.
Jahrhundert wurde Glarus vom Industriestandort zum Dienstleistungszentrum.
Die Bevölkerungsentwicklung verläuft vergleichbar mit "echten"
Städten: wies die Volkszählung 1970 noch 6189 Personen aus,
betrug die mittlere Wohnbevölkerung 1998 noch rund 5500 Personen.
Wohnraum wird zum Arbeitsraum; in den Sektoren 2 und 3 bieten 512 Arbeitsstätten
annähernd 4000 Arbeitsplätze an, davon 3300 im Dienstleistungsbereich.
Die einst wichtigen Textilfabriken sind aus dem Ortsbild weitgehend verschwunden.
Grösster Arbeitgeber ist das Kantonsspital, das über 400 Stellen
anbietet.Glarus baute seine Infrastruktur stets aus. Es verfügt über
unerschöpfliche Quellwasserreserven, ein Grundwasserpumpwerk, drei
kleinere Stromproduktionsanlagen, eine Erdgasversorgung, und die Kommunikationsdaten
werden von einer Grossgemeinschaftsantennenanlage bezogen und teils bereits
durch Glaskabel (www.wbg-glarus.ch) verteilt.Das Schulangebot ist hervorragend:
Sitz von Kantonsschule, Diplommittelschule, kaufmännischer Berufsschule,
Pflegeschule. In der Grundstufe wird die Möglichkeit der Einführungsklasse
angeboten sowie ein freiwilliges 10. Schuljahr, ein Werkjahr und eine
Integrationsklasse. Die Schulen von Glarus besuchen rund 1700 Kinder und
Jugendliche. Die Schulgemeinde betreibt einen Kinderhort und je ein privater
Verein eine Kinderkrippe / die Musikschule. Das Freizeit- und Sportangebot
ist ebenfalls vielfältig.
Industriegeschichte
Die eindrückliche Industriegeschichte des Glarnerlandes ist
mit derjenigen seines Hauptortes eng verbunden. Die Industrie hielt mit
dem Bau der ersten Zeugdruckerei am Oberdorfbach in Glarus 1740 Einzug
ins Tal. Die Druckereien Schuler und Heer, Egidius Trümpy (in welcher
der erste - erfolglose - Streik wegen einer Fabrikglocke ausbrach), Brunner
(heute Sitz der Möbelfabrik und von Gewerbebetrieben) sowie weitere
kleinere Etablissemente und Bleichereien standen an den beiden Bachläufen
und beschäftigten in der Hochblüte in den 1860er-Jahren gegen
2000 Arbeitskräfte. Glarus wuchs explosionsartig. Von 1800 bis zum
Brand 1861 verdoppelte sich seine Einwohnerzahl, sodass die Glarner Behörden
ans Bauen gewohnt waren, als ein Grossteil des alten Fleckens in Schutt
und Asche lag.1859 erreichte die Eisenbahn Glarus, das hierauf in der
Nähe dieser wichtigen Verbindung sogleich ein repräsentatives
Hotel, den Glarnerhof, erbaute und in den 1870er-Jahren den Volksgarten
erstellte. Selbstbewusst nutzte es nach dem verheerenden Brand die Chance,
etwas gänzlich Neues zu schaffen: Das neue Glarus zeigte sich nach
dem Wiederaufbau deutlicher denn je als Kantonshauptort, als Industrie-
und Verwaltungszentrum. - Aus den Ruinen des einstigen ländlichen
Fleckens war eine Stadt hervorgegangen!Und auf dem Zaunplatz, Standort
des Brandherdes, wurde Sozialgeschichte geschrieben. Seit je an das Mitbestimmen
im Staatswesen gewohnt, setzte die Glarner Arbeiterschaft mit Hilfe sozial
gesinnter Ärzte und Pfarrer 1864 ein fortschrittliches Fabrikgesetz
und 1916 die Schaffung der kantonalen Alters- und Invalidenversicherung
durch. Auch das 1925 erlassene Arbeitslosengesetz war das erste seiner
Art.Demgegenüber verdankt der Schweizerische Handels- und Industrieverein,
der "Vorort", der Initiative der Glarner Handelskommission sein
Entstehen.Heute ist Glarus ein Dienstleistungszentrum mit einem Angebot,
das kaum Wünsche offen lässt.

Der
grosse Brand von Glarus
Glarus wurde verschiedentlich von Bränden heimgesucht. Doch
am schlimmsten wütete das Feuer in der Nacht vom Freitag auf den
Samstag, 10./11. Mai 1861, als der Föhn einen in einem schindelgedeckten
Stallgebäude ausgebrochenen Brand zur Katastrophe werden liess und
die Glarner und Glarnerinnen eine "Nacht des Jammers und des Schreckens,
des Elends und der Hülflosigkeit" erdulden mussten.Eine halbe
Stunde nach Brandausbruch stehen mindestens 150 Häuser in Flammen.
Das Feuer kann nicht eingedämmt werden. Von den Schindeldächern
geht ein sprühendes Funkenmeer über die Siedlung hinweg. Überall
bricht Feuer aus. Unaufhaltsam wälzt sich der Feuerball talauswärts,
überrollt die Kirche, entzündet die Grabkreuze auf dem Friedhof.
Erst am Ende der Siedlung kommt er zum Stillstand. Um Mitternacht - etwa
zweieinhalb Stunden nach Brandausbruch - brennen über 600 Gebäude:
ein Feuermeer, dessen Wogen sich mit fürchterlichem Geprassel hoch
aufbäumen. Der Talkessel ist taghell erleuchtet, die Berge scheinen,
blutrot, ebenfalls zu brennen.
Der Widerschein
wird in Ravensburg, Basel, Neuenburg wahrgenommen.Feuerwehren (www.ffgl.ch)
aus dem ganzen Kanton eilen zu Fuss in aller Eile herbei. Der Telegraphist
sendet, solange dies möglich ist, Hilferufe aus. Feuerwehren werden
in Rekordfahrten mit der Bahn nach Glarus geführt. Am Morgen sind
über 30 Spritzen und 2000 Mann im Einsatz. Es gelingt ihnen, die
sie bis zur Erschöpfung kämpfen, die den Flecken umspannenden
Fabriken sowie die südlichen und westlichen Wohnquartiere zu halten.Am
Morgen sind zwei Drittel der Stadt, rund 600 Gebäude, eingeäschert,
eine Geisterstadt, um die herum die Obdachlosen (2257 Personen, 47% der
Bevölkerung) lagern. Ein Bild des Jammers. Fünf Personen kamen
ums Leben, weitere drei sterben bald an den Folgen des Brandes.Die Brandstätte
misst etwa 570 auf 450 Meter. Der Schaden wird auf die damals immense
Summe von über 10 Millionen Franken geschätzt.Das Unglück
zieht Neugierige an. Am Sonntag strömen über 10 000 von ihnen
herbei, um sich von der Grösse der Brandstätte ein Bild machen
zu können. Manche, "und nicht nur Frauen", brechen ob dem
erschütternden Blick in Tränen aus.Die Brandursache konnte nie
ermittelt werden.
Städtebauliches
Ereignis
Der Wiederaufbau erfolgt nach dem grossen Brand von 1861 unglaublich
schnell.
- 14. Mai (drei Tage nach dem Brand). Zustimmung der im Angesicht der
rauchenden Trümmer auf dem Zaunplatz tagenden Gemeindeversammlung
zum Gesetz über den Wiederaufbau von Glarus; es sieht den Wiederaufbau
auf dem untergegangenen Teil in planmässiger und geordneter Weise
nach rationellem Bauplan vor, ersucht die Landesbehörden um ein Expropriationsgesetz,
erteilt unbedingte Vollmacht und unbedingten Kredit an den erweiterten
Gemeinderat und hält Bauvorschriften fest.
- 15. Mai. Auftrag an Johann Caspar Wolff und Bernhard Simon für
das Ausarbeiten des Bauplanes; Ernennen einer Baukommission
- 16. Mai. Der Landrat berät das Enteignungsgesetz.
- 18. Mai. Die Bahnverlängerung zum Baumateriallagerplatz ist im
Bau.
- 20. Mai. Die Landsgemeinde (unter dem Beisein tausender von Zuschauern)
genehmigt das Expropriationsgesetz im Grundsatz und bewilligt Kredite
für den Wiederaufbau der Landesgebäude (Rats-, Gerichts-, Salzhaus).
- 23. Mai. Beginn trigonometrische Vermessung, Errichten Katasterplan
des alten Eigentums.
- 12. Juni. Der Landrat erlässt das Enteignungsgesetz; eine fünfköpfige
Kommission entscheidet endgültig über Streitigkeiten wegen der
Neuzuteilung des Eigentums.
- Ende Juni. Der Katasterplan liegt vor; 600 Parzellen sind abgesteckt.
- 18. Juli. Der Entwurf des Wiederaufbauplans ist ausgearbeitet. Er gibt
die städtisch anmutende Karreebauweise vor, weist den Bächen
neue, eingedohlte Betten zu, fordert das Abtragen eines Bergsturzhügels,
sieht für Kirche und Friedhof einen neuen Standort vor. Obschon hart
bestritten, wird er nach fünftägigem Auflegen akzeptiert.
- Ende August. Die Detailpläne der Karrees sind erstellt.
- 11. September. Das Reglement über die Räumung der Brandstätte
tritt in Kraft.
- 17. September. 261 Bauplätze sind zugeteilt. Es mussten - die Rekursfrist
betrug drei Tage - 84 Rekurse untergeordneter Art behandelt werden. In
132 Fällen kam das Expropriationsgesetz zur Anwendung.
Die Fünferkommission fällte 103 Urteile.
- 18. Oktober. Das detaillreiche Baureglement ist erlassen.
- Ende 1861. Drei Häuser sind unter Dach.
- 1863. 288 Häuser mit 518 Wohnungen, 62 Ökonomiegebäude,
8 öffentliche Gebäude sowie verschiedene Gewerbe- und Industriebauten
sind bezogen, weitere 100 Bauplätze noch zur Verfügung, das
Gaswerk Glarus gegründet (öffentliche Gasbeleuchtung), die Grundbücher
neu erstellt.
- 1864. Es wird ein Finanzplan zur Tilgung der grossen Schuldenlast aufgestellt:
neue und höhere Gebühren, Holzverkauf, Sitzgeld für Niedergelassene,
Auflage für Tagwensgenossen, Liegenschafts-, Alp- und Waldverkäufe.
Der Kanton hebt den Salzpreis und die Versicherungsprämien an und
zieht eine ausserordentliche Vermögens- und Kopfsteuer ein. - Auf
den am 12. Mai 1861 erfolgten Hilfsaufruf gingen Gaben aus der ganzen
Welt ein: Nahrungsmittel, Kleider, Werkzeuge, Betten, Bettwäsche,
über 2,5 Millionen Franken; Aufräumtrupps arbeiteten gratis.
Das Hülfskomitee schreibt im Rechenschaftsbericht: "Die über
uns hereingebrochene Not war gross, die teilnehmende Liebe aber grenzenlos."

Leben
Fridolin wacht über Land und LeuteDas Glarnerwappen zeigt als
einziges Kantonswappen einen Menschen: Den heiligen Fridolin mit dem Wanderstab
und der Bibel. Die Legende besagt, wie Fridolin - der Gründer des
Klosters Säckingen - zu Grundbesitz im Glarnerland kam. Zwei Brüder,
Urso und Landolf, besassen zahlreiche Güter. Urso schenkte sein Land
Fridolin. Doch nach dem Tode seines Bruders riss Landolf alle Güter
an sich. Um sein Recht zu beweisen, rief Fridolin den toten Urso als Zeugen
vor Gericht. Der beim Anblick des bekannten Zeugen zutiefst erschrockene
Landolf überliess die Güter des Urso und seine eigenen dazu.
Deshalb wacht Fridolin als Schutzheiliger im Wappen über das Glarnerland
und seine Leute.Näfelser FahrtAn jedem ersten Donnerstag im April
gedenken die Glarner des 1388 errungenen Sieges über die Habsburger
in der Schlacht bei Näfels. Der kantonale Feiertag wird mit einer
Prozession, einer staatsmännischen Ansprache und einem Gottesdienst
begangen.
Glarner
Textilindustrie
Im Jahr 1740 erbaute Landmajor Fridolin Streiff die erste sogenannte
Zeugdruckerei (Baumwolldruck). Dieser Industriezweig erlebte 120 Jahre
später seine Blütezeit. Ueber 23 Druckfabriken beschäftigten
6000 Mitarbeiter. Die Produkte wurden weltweit exportiert, besonders in
den Balkan, nach Kleinasien, Hinterindien und Afrika.
Glarner
Stoffdruck
Der wirtschaftliche Aufschwung durch die Textilindustrie und den
Handel verhalf den Glarnern zu steigendem Wohlstand. Die buntbedruckten
Stoffe und die Glarner Tüechli stammen aus dieser Zeit. Auch sie
haben den guten Ruf der Glarner besiegelt. Nach mehr als zweihundert Jahren
sind die Tüechli als typisch glarnerische Spezialität noch heute
gefragt.Aus- und WeiterbildungDie Kantonsschule Glarus führt ein
Kurz- und Langzeitgymnasium mit eidgenössischer Matura und eine Diplommittelschule.
Im ganzen Kanton können über 100 verschiedene Berufe erlernt
werden. Die dazugehörenden Ausbildungsplätze sind an der Kaufmännischen
Berufsschule in Glarus und an der Gewerblichen Berufsschule in Ziegelbrücke
vorhanden. Ein umfassendes
Kulturangebot
Das kulturelle Geschehen ist vielfältig. Es gibt regelmässig
Jazz-, Pop-, klassische und volkstümliche Konzerte, Kunstausstellungen
in mehreren Galerien, Gastspiele von Theatergruppen und feste Einrichtungen
wie zum Beispiel die Glarner Konzert- und Theatergesellschaft oder die
zahlreichen Vereine. Das Glarner Kunsthaus, das Museum des Landes Glarus
und lokale Museen sorgen für ein umfassendes kulturelles Angebot.
Daneben gibt es auch zwei Kinos und in Glarus das Kultur- und Vereinszentrum
Glarus, wo regelmässig Veranstaltungen stattfinden. Aktuelle Veranstaltungen
finden Sie in der Glarneragenda.Das Glarner Kammerorchester, ein vorwiegend
aus Laienmusikern bestehendes Streichorchester, prägt mit seinen
Sinfoniekonzerten, seinen Oratorienaufführungen und sonstigen diversen
musikalischen Veranstaltungen seit Jahrzehnten das Glarner Musikleben
aktiv mit.Ein zentrales kulturelles Ereignis ist die Musikwoche in Braunwald,
die einmal im Jahr musikalische Darbietungen präsentiert.Zahlreiche
Glarner Kulturschaffende sind über die Kantonsgrenzen hinaus bekannt:
Die Schriftsteller Emil Zopfi, Perikles Monioudis, Tim Krohn (Präsident
des Schweizerischen SchriftstellerInnenverbandes), Jan Krohn, Walter Hauser,
Fridolin Jakober, Eveline Hasler und viele mehr.Bekannt sind auch verschiedene
Glarner Musiker: Betty Legler, Louis Menar, Hermann Bühler, Markus
Mägä Hauser, Jürg Wickihalder, Daniel Zbinden, Peter Brandenberger
oder die Pop-Bands Starfish und Contrast Family.Im Bereich der Malerei
und Fotographie sind unter anderen Hanspeter Hofmann, Lill Tschudi, Syl
Bamert, Erika Sidler, Christina Gallati, Andrea Iten und Fridolin Walcher
zu erwähnen.Tradition und BrauchtumSo offen die Glarner für
Neues sind, so wenig verzichten sie auf die alten Bräuche und Traditionen.
Sie feiern das Schybäfleugä in Matt, den alten Brauch zur Fasnachtszeit,
oder die St. Niklaus-Umzüge, die in den ersten Dezembertagen im ganzen
Glarnerland stattfinden. Kulinarische SpezialitätenKennzeichen glarnerischer
Gastfreundschaft sind verschiedene kulinarische Spezialitäten.

Glarner
Pastete
Hundertmal wird der Blätterteig eingeschlagen und gerollt. Die
eine Hälfte der Füllung ist feinstes Zwetschgenmus, die andere
süss und aus geriebenen Mandeln - ein Geheimrezept.Glarner ChalberwurstZum
richtigen Landsgemeinde-Schmaus gehören gekochte Dörrzwetschgen,
Kartoffelstock und die Chalberwurst an einer goldigweissen Buttersauce
mit Zwiebeln. Nur im Glarnerland wird die traditionelle Chalberwurst hergestellt
.
Glarner
Schabziger
Seit Jahrhunderten gehört der Schabziger zu den traditionellen
Glarner Spezialitäten. Noch heute wird der mit Zigerkleepulver gewürzte
magere Sauermilchkäse nach überliefertem Rezept hergestellt.
Mit Ziger verpflegte man schon im 15. Jahrhundert die Soldaten. Die begehrte
Spezialität wurde im Jahre 1310 zum ersten Mal im Säckinger
Rodel erwähnt. Zinsen an das Kloster mussten damals nämlich
in Form von Ziger bezahlt werden.Zu den schmackhaften Gerichten mit Schabziger
zählen die Ziger Höreli, das Glarner Fondue, Forellen nach Glarner
Art oder die Rotweinbirne an Zigerrahmsauce.
Übersichtliches
Glarnerland

Glarnerland
Tourismus
Stand 2011
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