Glarnerverein Bern 2011

 

Landsgemeinde
In den vergangenen Jahren wurde an der Glarner Landsgemeinde Geschichte geschrieben. Nach der in der gesamten Schweiz stark beachteten Gemeindestruktur wurde auch das Stimmrechtsalter auf 16 Jahre durch die Landsgemeinde genehmigt. Die direkteste aller Demokratien, die Landsgemeinde, wird nach geschichtlicher Überlieferung bereits seit 1387 abgehalten. Jahr für Jahr wird dieser Anlass auch von vielen Touristen aus der ganzen Welt besucht und bewundert. Eindrücklich das Bild aus der Vogelperspektive, das einen Blick auf den Ring am Zaunplatz in Glarus, dem sogenannten Landsgemeindeplatz, zeigt. Imposant auch den Blick auf Glarus, die kleinste Hauptstadt der Schweiz.

Digitalisierte Bildbearbeitung aus dem "Glarner Jahreskalender 2010" - Fridolin Druck, Schwanden GL
Foto: Albert Schmidt


Das Glarnerland
Die Gemeinden, Querschnitt und Geschichte

 

Die Gemeinden



Ausserordentliche Landsgemeinde

Das Initiativkomitee für ein demokratisches, faires und effizientes Glarnerland forderte die Einberufung einer ausserordentlichen Landsgemeinde mit dem Ziel, den Strukturreformentscheid zur Schaffung von drei Gemeinden aufzuheben. Mit den von ihm gesammelten und eingereichten 2279 gültigen Unterschriften ist die Initiative zustande gekommen. Die ausserordentliche Landsgemeinde - die erste seit 155 Jahren – fand am 25. November 2007 statt und bestätigte den Beschluss für die Gemeindereform mit grossem Mehr. Einen Memorialsantrag, der verlangte, gleich den ganzen Kanton in einer Gemeinde zusammenzufassen, empfanden die Glarner als zu radikal und lehnten ihn ab.

Die neuen Gemeinden

Namen und Umfang der neuen Gemeinden sind bereits definiert. Die Zustimmung zur Fusion ist erfolgt, alle Verfahren auf Stufe Kanton und Bund sind abgeschlossen, die Publikation im Bundesblatt (Gemeindename) ist erfolgt.

Als Arbeitstitel fungierten Glarus Süd, Glarus Mitte sowie Glarus Nord. Auch die Bezeichnungen Glarus Hinterland, Glarus Mittelland, Glarus Unterland waren im Gespräch.

 

Glarus Süd

Glarus Süd umfasst das Glarner Hinterland und ist damit in Bezug auf die Fläche zur grössten Gemeinde der ganzen Schweiz geworden. Dieser Gemeinde gehören an:

* das Sernftal mit den ehemaligen Gemeinden Engi, Matt und Elm, auch Kleintal genannt, sowie
* das sogenannte Grosstal, das von der Linth durchflossen wird, welches die heutigen Gemeinden Betschwanden, Braunwald, Haslen (bestehend aus den am 1. Juli 2006 fusionierten Haslen, Leuggelbach und Nidfurn), Linthal, Luchsingen (bestehend aus den schon früher fusionierten Gemeinden Diesbach, Luchsingen und Hätzingen), Mitlödi, Rüti, Schwanden, Schwändi und Sool umfasst und einen Teil der Glarner Alpen, die teils bewirtschaftet werden.

Am 23. April 2009 stimmten die Stimmbürger der betroffenen Gemeinden über das Wappen ab und entschieden sich für den zukünftigen Gemeindenamen Glarus Süd. Als mögliche Namen waren auch Schwanden oder Fryberg in Diskussion.

 

Glarus Nord

Glarus Nord ist der Name der politischen Gemeinde, welche vor allem die Linthebene des Kantons Glarus, den Kerenzerberg und einen Teil des Walensees umfasst. Die neue Gemeinde erstreckt sich über das Gebiet der bis dahin selbstständigen Gemeinden Bilten, Filzbach, Mollis, Mühlehorn, Näfels, Niederurnen, Oberurnen und Obstalden und zählt damit knapp 16'000 Einwohner.

An der Gemeindeversammlung vom 14. Januar 2009 bestimmten die Bürger der Gemeinden den Namen Glarus Nord für die zukünftige Gemeinde, wählten das Gemeindewappen und bevorzugten ein Gemeindeparlament zusätzlich zur direktdemokratischen Gemeindeversammlung. Als Gegenvorschlag stand der Name Linth zur Diskussion, der jedoch von einer Mehrheit abgelehnt wurde.

Glarus Mitte

Die Gemeinde Glarus umfasst den Kantonshauptort Glarus sowie das Klöntal und die bisherigen Gemeinden Ennenda, Netstal und Riedern. Die Talschaft wird von der Linth durchflossen und ist umgeben von den Glarner Alpen. Glarus, Netstal und Ennenda werden von der Eisenbahnlinien Rapperswil–Glarus–Linthal und Zürich–Ziegelbrücke–Schwanden bedient. Das Busnetz für die Feinverteilung wurde in den 80er- und 90er-Jahren erweitert. Am 12. Dezember 2008 haben sich die Stimmbürger für ein gemeinsames Wappen entschieden.

Glarus

472m.ü.M.
5600 Einwohner (2003)
Homepage: www.glarnerland.ch

Hauptort des Kantons, am Fusse des pyramidenförmigen Vorderglärnisch im Mittelpunkt des Tales gelegen, das 1861 von einem Grossbrand zerstört wurde, wo etwa zwei Drittel des Fleckens (593 Gebäude) eingeäschert hatte, erfolgte der Wiederaufbau in städtischer Art als Karree-Anlage anhand des Bauplanes von Bernhard Simon und Johann Caspar Wolff. Simon und Wolff entwarfen auch verschiedene repräsentative Einzelbauten wie z.B. die Stadtkirche Glarus.Dank der weitsichtigen Planung beim Wiederaufbau kommt dem Stadtbild heute nationale Bedeutung zu. Das vom Brand verschonte Abläschquartier stellt eines der wertvollsten Zeugnisse des frühen Arbeiterwohnbaus in der Schweiz dar. Glarus ist der Sitz der Kantonalen Verwaltung, der Gerichte, des Kantonsspitals, des Zeughauses und der Kantonsschule. Für kulturell Interessierte stehen mit dem Suworow-Museum und dem Kunsthaus weit über die Kantonsgrenze bekannte Gebäude zur Verfügung. Der einmalig schöne Klöntalersee befindet sich ebenfalls auf Stadtgebiet von Glarus. Bekannte Durchführung der jährlichen "Landsgmeind" und im Landeswappen beinhaltendende St. Fridolin auf rotem Grund.

Glarus gilt als Stadt, obwohl es dazu von der Einwohnerzahl her zu klein ist und in der Geschichtsschreibung als Flecken bezeichnet wird. Im Bahnhofgebäude zeigt ein grosses Modell den Flecken Glarus vor dem Brand.n In Glarus gibt es eine Kunsteisbahn, eine Curlinghalle, Leichtathletikanlagen, einen Fussballplatz, einen kleinen Skilift am Stadtrand und im Winter einen langen Schlittelweg von der Schwammhöhe nach Glarus. Das Schwimmbad wurde im Jahre 1922 gebaut und im Winter 1996/97 erneuert. Die Landesbibliothek in der alten Stadtschule beherrbergt auch das Landesarchiv, das unter anderem wertvolle Sammlungen enthält (Kartensammlung Blumer, Nachlass des Astrophysikers Fritz Zwicky, Geografische Fachbibliothek und Sammmlung Prof. Arthur Dürst). Ausserdem findet man im Landesarchiv die 28 Bände umfassende Genealogie von Johann Jakob Kubly-Müller. Sie zeigt sämtliche Glarner Geschlechter von 1600 bis zur Gegenwart in ihrer Abfolge und Verknüpfung. Das Kunsthaus im Volksgarten ist architektonisch bedeutend. Es hat sich in den vergangenen Jahren einen Namen weit über die Kantonsgrenze hinaus gemacht, unter anderem mit Ausstellungen von Helen Chadwick, Alan Charlton oder Peter Lüthi. Daneben öffnet es seine Hallen jedes Jahr für Werke von Glarner Künstlerinnen und Künstlern. Im Untergeschoss befindet sich eine permanente Naturkundeausstellung, unter anderem mit zahlreichen ausgestopften Tieren (zum Beispiel Wolf, Bär, Steinbock).

 

Querschnitt und Geschichte



Der Mensch im Glarnerland
hat Tag für Tag einen Widerstand vor der Haustür: Hartes Gestein. Es wogen im Garten keine Palmen, Wärme ist gefragt. Die Karibik ist weit weg, Steelbands treten hier selten auf. An hartem Stein geschult, an hochgelegenen Alpen und an Geröll - Lateiner wissen: Glareosus = kiesig -, erkennt der junge Mensch auf dem schmalen Talboden des Glarnerlandes rasch, dass er für die Traumberufe des Weichlings und Playboys schlecht geeignet ist. Er muss auf dem Boden bleiben, sonst landet er auf ihm.

Die Glaner sind wie Moos, sie sind Erstbesiedler. Wo sich Moos festsetzt, das wissen sie instinktiv, kann Humus entstehen. Fruchtbarkeit ist gewährleistet. Heute seltener, früher jedoch sehr konsequent gehandhabt: Jedes Hälmchen auf dem Kantonsgebiet muss herhalten, muss Futter werden, muss Überleben garantieren. Das Vieh wurde in "unmögliche" Höhen getrieben. Die sense schnitt Gras zu Heu noch dort, wo sich Flachländler - gewohnt zu übertreiben - im überhängenden Gebirge wähnen... Sparen, haushalten, nichts verkommen lassen, aus allem das Beste machen! Dass die Kalberwurst (die sich die Glarner heute schweizweit per Express aus ihrer ersten Heimat zuschicken lassen) Brotmasse enthält - das ist kein Pakt der Bäcker gegen die Metzger. Das muss und darf so sein - abgesegnet von der nationalen Lebensmittelverordnung (wehe, wenn uns da einmal die EG dreinpfuscht...) Geniessen Sie einmal den Anblick, wie ein EX- oder Noch-Immer-Glarner eine Kalberwurst geniesst... Bestimmt aber war dies einmal eine Sparmassnahme gewesen. Aus einer Not wurden Tugenden: Sie macht erfinderisch, kreiert Spezialitäten. So wird auch aus einem relativ faden mageren Sauermilchkäse, wird ihm nur das richtige Kräutlein beigemengt, eine Leckerei, nach dem über vierzig Länder die Hand ausstrecken: Ziger, Schabziger.

So genau weiss niemand, ob diese Eigenwilligkeit tausend oder nur sechshundert Jahre alt ist. Sicher ist, dass Sie keinem kurzlebigen Modeprodukt aufsitzen, wenn Sie essen. Sie nehmen Bewährtes zu sich. Abertausende von Glarnerinnen und Glarnern waren und sind den angeblich freudigen und unerschöpflichen neuen Milchprodukten weit voraus.

 

 

Geografie
Die Stadt Glarus liegt eingebettet in eine imposante Bergwelt. Der auf etwa 470 m.ü.M. liegende Hauptort des Linthtales liegt zu Füssen des pyramidenförmigen rund 2300m hohen Vorderglärnischs. Dieser wurde 1655 als erster Berg naturgetreu auf Papier gebannt; der Atlantenmaler Jan Hackaert hat ihn in einer grossartigen Panoramaansicht wiedergegeben. Zudem diente er im 19. Jahrhundert für Studien zur "Felsenarchitektur". An ihm, dem zerklüfteten und doch gleichmässigen Bergriesen, wurden Unterschiede und Analogien der natürlichen und der Kunstarchitektur erforscht. - Höchster Punkt des Gemeindegebietes ist nicht etwa das mit seinem schrägen Gletscherfeld bis weit ins Mittelland sichtbare Vrenelisgärtli, sondern der 2914 m hohe, ebenfalls zum Glärnischmassiv gehörende Bächistock.
Verschiedene Bergsturzhügel prägen das Stadtbild mit, das sich an den Talfluss, die Linth, anlehnt. - Auf dem Burghügel thront die St.-Michaels-Kapelle, auf dem Bergli lädt ein Ausflugsrestaurant zum Verbleiben, auf dem Iselirain flattern an festlichen Tagen Fahnen, und der Sonnenhügel, auf dem einst der Galgen als Zeichen dafür stand, dass die Talleute selbst über Leben und Tod entscheiden konnten, gewährt modernen Wohnbauten erhöhte Lage. Die beiden einst für die Ver- und Entsorgung sowie die Industrialisierung wichtigen Bäche sind kaum sichtbar. Der Giessen - ein Seitenarm der Linth - und der vom Glärnisch her kommende Oberdorfbach sind eingedohlt und beeinflussen das Siedlungsbild nicht mehr.

Der Name "Glarus" wurzelt vermutlich im romanischen "Clarona", was hell, lichte Stelle im Gelände bedeutet und auf die romanische Besiedlung verweist. Die Bezeichnung Glärnisch mag den gleichen Ursprung haben: von "mons Claroniscus" abgeleitet. Die Gemeindefläche beträgt 6921 ha: 180 ha (2,6%) überbaut, 1750 ha (25,3%) Wald, 2347 ha (33,9%) land- und alpwirtschaftlich nutzbar, 2644 ha (38,2%) Gestein und Wasser. - Sie wird von den Territorien der glarnerischen Gemeinden Näfels, Riedern, Netstal, Ennenda, Mitlödi, Schwändi, Schwanden und Luchsingen sowie vom schwyzerischen Muotathal (das weit über die Pragelpasshöhe ins Klöntal reicht) begrenzt. Die mittlere Wohnbevölkerung betrug 1998 rund 5500 Personen (die in etwa 2600 Haushaltungen leben). An der Volkszählung 1990 bekannten sich 51 Prozent zur evangelisch-reformierten und 42,4 Prozent zur römisch-katholischen Konfession. Rund 2 Prozent bezeichneten sich als mohammedanisch.

Geschichte
Ortsbezeichnungen belegen eine Besiedelung des Linthtales etwa ab dem 5. Jahrhundert vor Christus;
sie lassen die Anwesenheit von Ligurern, Räten, Kelten und Romanen erkennen.Laut durch Ausgrabungen gewonnener Erkenntnis stand die erste Talkirche im 6. Jahrhundert an der Stelle des heutigen Gerichtshauses in Glarus. Die Siedlung ist demnach viel älter als die meisten Schweizer Städte ohne römische Wurzeln.Erste urkundliche Erwähnung findet "Clarona" in einer aus dem 9. Jahrhundert stammenden Lebensgeschichte der Heiligen Felix und Regula. Diese seien auf ihrer Flucht nach dem Gemetzel der thebäischen Legion in St-Maurice durch "wüste Orte der Einöde, die Clarona heisst," gezogen: nach Zürich, wo sie als Märtyrer den Tod fanden. Der Meierhof, als Sitz der Verwalter des Frauenklosters Säckingen befand sich in Glarus, das lange Zeit aus zwei getrennten Siedlungen bestand. Grosse Teile des Glarnerlandes gehörten bis Ende des 14. Jahrhunderts dieser Grundherrschaft, von der sich die Talleute loskauften, ihr aber noch bis 1790 einen "ewigen Jahreszins" entrichteten.Auch die ersten Landsgemeinden mögen hier abgehalten worden sein; die älteste urkundlich belegte Landsgemeinde, an der sich die Glarner Landessatzungen gaben, fand 1387 statt. - Der Wert dieser Institution wird auch heutzutage kaum angezweifelt. Sie findet am 1. Sonntag im Mai auf dem Zaunplatz in Glarus statt; bei sehr schlechtem Wetter wird sie um eine Woche verschoben.Der frühe Kirchenbau - die Glarner Kirche war bis ins 13. Jahrhundert die einzige Pfarrkirche des Tales - und die zentrale Lage bestimmten die Entwicklung der Siedlung mit, die 1419 von der Landsgemeinde zum Hauptort bestimmt worden ist. Hier befanden sich die Ratshäuser des Landes, wurde Recht gesprochen, wurden Leute gefangen gehalten, an den Pranger gestellt oder gar zur Richtstätte geführt; hier gründete Huldrych Zwingli - von 1506 bis 1516 Pfarrer von Glarus, das sich nicht zuletzt wegen dieser Beziehung seiner Reformation anschloss - eine Lateinschule, und hier wurde 1560 das erste "Spital" als Unterkunft für arme und "pesthafte" Leute gebaut.Während der Helvetik war Glarus Hauptort des Kantons Linth (1798-1803).Da nach der Reformation die Gemeinde konfessionell gemischt blieb, ergab sich eine äusserst komplizierte Gemeindeorganisation. Dem Tagwen (inzwischen in der Ortsgemeinde aufgegangene Bürgergemeinde) gehörten alle Stimmberechtigten, gleich welcher Konfession, an. Das traf auch auf die gemeine Kirchgemeinde zu, welcher die mit der Einwohnerschaft von Riedern gemeinsam genutzte Kirche sowie einiges Vermögen unterstand. Deshalb trennten sich die Kirchgenossen von Mitlödi, Netstal und Ennenda auch nicht von ihr, als sie eigene Kirchen gebaut und eigene Kirchgemeinden gegründet hatten: Es setzte sich die gemeine Kirchgemeinde nicht nur aus Angehörigen verschiedener Konfessionen, sondern auch aus Aktiv- und Passivkirchgenossen zusammen, die zudem verschiedenen Gebietskörperschaften angehörten. - Auch war das Schul- und Fürsorgewesen konfessionell organisiert. Die verschiedenen Gruppierungen waren gezwungen, zusammenzuarbeiten, Verträge auszuhandeln, gemeinsame Gremien zu bilden. Der Stand Glarus nahm manche Entwicklung in der Beziehung der Konfessionen zueinander vorab - und dies glücklicher- und bezeichnenderweise -, ohne dass es zu offenem Krieg gekommen wäre.Nachdem Schule und Fürsorge zu Aufgaben der staatlichen Politik geworden sind und das Simultanverhältnis an der Stadtkirche 1964 mit der Weihe der St.-Fridolins-Kirche untergegangen ist, gibt es noch folgende selbstständigen Körperschaften: Ortsgemeinde Glarus, Schulgemeinde Glarus-Riedern, Fürsorgegemeinde Glarus-Riedern, Evang.-Ref. Kirchgemeinde Glarus-Riedern, Röm.-kath. Kirchgemeinde Glarus-Riedern-Ennenda.Die Gemeinden Glarus und Riedern bilden einen Landratswahlkreis, der 13 der 80 Glarner Landräte (Legislative) zu wählen hat. Zudem haben sie in einer Vereinbarung die Zusammenarbeit in Zivilschutz, Feuerwehr, Vormundschaft, Altersbetreuung, Spitex, Friedhofwesen geregelt.Im 20. Jahrhundert wurde Glarus vom Industriestandort zum Dienstleistungszentrum. Die Bevölkerungsentwicklung verläuft vergleichbar mit "echten" Städten: wies die Volkszählung 1970 noch 6189 Personen aus, betrug die mittlere Wohnbevölkerung 1998 noch rund 5500 Personen. Wohnraum wird zum Arbeitsraum; in den Sektoren 2 und 3 bieten 512 Arbeitsstätten annähernd 4000 Arbeitsplätze an, davon 3300 im Dienstleistungsbereich. Die einst wichtigen Textilfabriken sind aus dem Ortsbild weitgehend verschwunden. Grösster Arbeitgeber ist das Kantonsspital, das über 400 Stellen anbietet.Glarus baute seine Infrastruktur stets aus. Es verfügt über unerschöpfliche Quellwasserreserven, ein Grundwasserpumpwerk, drei kleinere Stromproduktionsanlagen, eine Erdgasversorgung, und die Kommunikationsdaten werden von einer Grossgemeinschaftsantennenanlage bezogen und teils bereits durch Glaskabel (www.wbg-glarus.ch) verteilt.Das Schulangebot ist hervorragend: Sitz von Kantonsschule, Diplommittelschule, kaufmännischer Berufsschule, Pflegeschule. In der Grundstufe wird die Möglichkeit der Einführungsklasse angeboten sowie ein freiwilliges 10. Schuljahr, ein Werkjahr und eine Integrationsklasse. Die Schulen von Glarus besuchen rund 1700 Kinder und Jugendliche. Die Schulgemeinde betreibt einen Kinderhort und je ein privater Verein eine Kinderkrippe / die Musikschule. Das Freizeit- und Sportangebot ist ebenfalls vielfältig.

Industriegeschichte
Die eindrückliche Industriegeschichte des Glarnerlandes ist mit derjenigen seines Hauptortes eng verbunden. Die Industrie hielt mit dem Bau der ersten Zeugdruckerei am Oberdorfbach in Glarus 1740 Einzug ins Tal. Die Druckereien Schuler und Heer, Egidius Trümpy (in welcher der erste - erfolglose - Streik wegen einer Fabrikglocke ausbrach), Brunner (heute Sitz der Möbelfabrik und von Gewerbebetrieben) sowie weitere kleinere Etablissemente und Bleichereien standen an den beiden Bachläufen und beschäftigten in der Hochblüte in den 1860er-Jahren gegen 2000 Arbeitskräfte. Glarus wuchs explosionsartig. Von 1800 bis zum Brand 1861 verdoppelte sich seine Einwohnerzahl, sodass die Glarner Behörden ans Bauen gewohnt waren, als ein Grossteil des alten Fleckens in Schutt und Asche lag.1859 erreichte die Eisenbahn Glarus, das hierauf in der Nähe dieser wichtigen Verbindung sogleich ein repräsentatives Hotel, den Glarnerhof, erbaute und in den 1870er-Jahren den Volksgarten erstellte. Selbstbewusst nutzte es nach dem verheerenden Brand die Chance, etwas gänzlich Neues zu schaffen: Das neue Glarus zeigte sich nach dem Wiederaufbau deutlicher denn je als Kantonshauptort, als Industrie- und Verwaltungszentrum. - Aus den Ruinen des einstigen ländlichen Fleckens war eine Stadt hervorgegangen!Und auf dem Zaunplatz, Standort des Brandherdes, wurde Sozialgeschichte geschrieben. Seit je an das Mitbestimmen im Staatswesen gewohnt, setzte die Glarner Arbeiterschaft mit Hilfe sozial gesinnter Ärzte und Pfarrer 1864 ein fortschrittliches Fabrikgesetz und 1916 die Schaffung der kantonalen Alters- und Invalidenversicherung durch. Auch das 1925 erlassene Arbeitslosengesetz war das erste seiner Art.Demgegenüber verdankt der Schweizerische Handels- und Industrieverein, der "Vorort", der Initiative der Glarner Handelskommission sein Entstehen.Heute ist Glarus ein Dienstleistungszentrum mit einem Angebot, das kaum Wünsche offen lässt.

Der grosse Brand von Glarus
Glarus wurde verschiedentlich von Bränden heimgesucht. Doch am schlimmsten wütete das Feuer in der Nacht vom Freitag auf den Samstag, 10./11. Mai 1861, als der Föhn einen in einem schindelgedeckten Stallgebäude ausgebrochenen Brand zur Katastrophe werden liess und die Glarner und Glarnerinnen eine "Nacht des Jammers und des Schreckens, des Elends und der Hülflosigkeit" erdulden mussten.Eine halbe Stunde nach Brandausbruch stehen mindestens 150 Häuser in Flammen. Das Feuer kann nicht eingedämmt werden. Von den Schindeldächern geht ein sprühendes Funkenmeer über die Siedlung hinweg. Überall bricht Feuer aus. Unaufhaltsam wälzt sich der Feuerball talauswärts, überrollt die Kirche, entzündet die Grabkreuze auf dem Friedhof. Erst am Ende der Siedlung kommt er zum Stillstand. Um Mitternacht - etwa zweieinhalb Stunden nach Brandausbruch - brennen über 600 Gebäude: ein Feuermeer, dessen Wogen sich mit fürchterlichem Geprassel hoch aufbäumen. Der Talkessel ist taghell erleuchtet, die Berge scheinen, blutrot, ebenfalls zu brennen.

Der Widerschein wird in Ravensburg, Basel, Neuenburg wahrgenommen.Feuerwehren (www.ffgl.ch) aus dem ganzen Kanton eilen zu Fuss in aller Eile herbei. Der Telegraphist sendet, solange dies möglich ist, Hilferufe aus. Feuerwehren werden in Rekordfahrten mit der Bahn nach Glarus geführt. Am Morgen sind über 30 Spritzen und 2000 Mann im Einsatz. Es gelingt ihnen, die sie bis zur Erschöpfung kämpfen, die den Flecken umspannenden Fabriken sowie die südlichen und westlichen Wohnquartiere zu halten.Am Morgen sind zwei Drittel der Stadt, rund 600 Gebäude, eingeäschert, eine Geisterstadt, um die herum die Obdachlosen (2257 Personen, 47% der Bevölkerung) lagern. Ein Bild des Jammers. Fünf Personen kamen ums Leben, weitere drei sterben bald an den Folgen des Brandes.Die Brandstätte misst etwa 570 auf 450 Meter. Der Schaden wird auf die damals immense Summe von über 10 Millionen Franken geschätzt.Das Unglück zieht Neugierige an. Am Sonntag strömen über 10 000 von ihnen herbei, um sich von der Grösse der Brandstätte ein Bild machen zu können. Manche, "und nicht nur Frauen", brechen ob dem erschütternden Blick in Tränen aus.Die Brandursache konnte nie ermittelt werden.

Städtebauliches Ereignis
Der Wiederaufbau erfolgt nach dem grossen Brand von 1861 unglaublich schnell.
- 14. Mai (drei Tage nach dem Brand). Zustimmung der im Angesicht der rauchenden Trümmer auf dem Zaunplatz tagenden Gemeindeversammlung zum Gesetz über den Wiederaufbau von Glarus; es sieht den Wiederaufbau auf dem untergegangenen Teil in planmässiger und geordneter Weise nach rationellem Bauplan vor, ersucht die Landesbehörden um ein Expropriationsgesetz, erteilt unbedingte Vollmacht und unbedingten Kredit an den erweiterten Gemeinderat und hält Bauvorschriften fest.
- 15. Mai. Auftrag an Johann Caspar Wolff und Bernhard Simon für das Ausarbeiten des Bauplanes; Ernennen einer Baukommission
- 16. Mai. Der Landrat berät das Enteignungsgesetz.
- 18. Mai. Die Bahnverlängerung zum Baumateriallagerplatz ist im Bau.
- 20. Mai. Die Landsgemeinde (unter dem Beisein tausender von Zuschauern) genehmigt das Expropriationsgesetz im Grundsatz und bewilligt Kredite für den Wiederaufbau der Landesgebäude (Rats-, Gerichts-, Salzhaus).
- 23. Mai. Beginn trigonometrische Vermessung, Errichten Katasterplan des alten Eigentums.
- 12. Juni. Der Landrat erlässt das Enteignungsgesetz; eine fünfköpfige Kommission entscheidet endgültig über Streitigkeiten wegen der Neuzuteilung des Eigentums.
- Ende Juni. Der Katasterplan liegt vor; 600 Parzellen sind abgesteckt.
- 18. Juli. Der Entwurf des Wiederaufbauplans ist ausgearbeitet. Er gibt die städtisch anmutende Karreebauweise vor, weist den Bächen neue, eingedohlte Betten zu, fordert das Abtragen eines Bergsturzhügels, sieht für Kirche und Friedhof einen neuen Standort vor. Obschon hart bestritten, wird er nach fünftägigem Auflegen akzeptiert.
- Ende August. Die Detailpläne der Karrees sind erstellt.
- 11. September. Das Reglement über die Räumung der Brandstätte tritt in Kraft.
- 17. September. 261 Bauplätze sind zugeteilt. Es mussten - die Rekursfrist betrug drei Tage - 84 Rekurse untergeordneter Art behandelt werden. In 132 Fällen kam das Expropriationsgesetz zur Anwendung.
Die Fünferkommission fällte 103 Urteile.
- 18. Oktober. Das detaillreiche Baureglement ist erlassen.
- Ende 1861. Drei Häuser sind unter Dach.
- 1863. 288 Häuser mit 518 Wohnungen, 62 Ökonomiegebäude, 8 öffentliche Gebäude sowie verschiedene Gewerbe- und Industriebauten sind bezogen, weitere 100 Bauplätze noch zur Verfügung, das Gaswerk Glarus gegründet (öffentliche Gasbeleuchtung), die Grundbücher neu erstellt.
- 1864. Es wird ein Finanzplan zur Tilgung der grossen Schuldenlast aufgestellt: neue und höhere Gebühren, Holzverkauf, Sitzgeld für Niedergelassene, Auflage für Tagwensgenossen, Liegenschafts-, Alp- und Waldverkäufe. Der Kanton hebt den Salzpreis und die Versicherungsprämien an und zieht eine ausserordentliche Vermögens- und Kopfsteuer ein. - Auf den am 12. Mai 1861 erfolgten Hilfsaufruf gingen Gaben aus der ganzen Welt ein: Nahrungsmittel, Kleider, Werkzeuge, Betten, Bettwäsche, über 2,5 Millionen Franken; Aufräumtrupps arbeiteten gratis. Das Hülfskomitee schreibt im Rechenschaftsbericht: "Die über uns hereingebrochene Not war gross, die teilnehmende Liebe aber grenzenlos."

Leben
Fridolin wacht über Land und LeuteDas Glarnerwappen zeigt als einziges Kantonswappen einen Menschen: Den heiligen Fridolin mit dem Wanderstab und der Bibel. Die Legende besagt, wie Fridolin - der Gründer des Klosters Säckingen - zu Grundbesitz im Glarnerland kam. Zwei Brüder, Urso und Landolf, besassen zahlreiche Güter. Urso schenkte sein Land Fridolin. Doch nach dem Tode seines Bruders riss Landolf alle Güter an sich. Um sein Recht zu beweisen, rief Fridolin den toten Urso als Zeugen vor Gericht. Der beim Anblick des bekannten Zeugen zutiefst erschrockene Landolf überliess die Güter des Urso und seine eigenen dazu. Deshalb wacht Fridolin als Schutzheiliger im Wappen über das Glarnerland und seine Leute.Näfelser FahrtAn jedem ersten Donnerstag im April gedenken die Glarner des 1388 errungenen Sieges über die Habsburger in der Schlacht bei Näfels. Der kantonale Feiertag wird mit einer Prozession, einer staatsmännischen Ansprache und einem Gottesdienst begangen.

Glarner Textilindustrie
Im Jahr 1740 erbaute Landmajor Fridolin Streiff die erste sogenannte Zeugdruckerei (Baumwolldruck). Dieser Industriezweig erlebte 120 Jahre später seine Blütezeit. Ueber 23 Druckfabriken beschäftigten 6000 Mitarbeiter. Die Produkte wurden weltweit exportiert, besonders in den Balkan, nach Kleinasien, Hinterindien und Afrika.

Glarner Stoffdruck
Der wirtschaftliche Aufschwung durch die Textilindustrie und den Handel verhalf den Glarnern zu steigendem Wohlstand. Die buntbedruckten Stoffe und die Glarner Tüechli stammen aus dieser Zeit. Auch sie haben den guten Ruf der Glarner besiegelt. Nach mehr als zweihundert Jahren sind die Tüechli als typisch glarnerische Spezialität noch heute gefragt.Aus- und WeiterbildungDie Kantonsschule Glarus führt ein Kurz- und Langzeitgymnasium mit eidgenössischer Matura und eine Diplommittelschule. Im ganzen Kanton können über 100 verschiedene Berufe erlernt werden. Die dazugehörenden Ausbildungsplätze sind an der Kaufmännischen Berufsschule in Glarus und an der Gewerblichen Berufsschule in Ziegelbrücke vorhanden. Ein umfassendes

Kulturangebot
Das kulturelle Geschehen ist vielfältig. Es gibt regelmässig Jazz-, Pop-, klassische und volkstümliche Konzerte, Kunstausstellungen in mehreren Galerien, Gastspiele von Theatergruppen und feste Einrichtungen wie zum Beispiel die Glarner Konzert- und Theatergesellschaft oder die zahlreichen Vereine. Das Glarner Kunsthaus, das Museum des Landes Glarus und lokale Museen sorgen für ein umfassendes kulturelles Angebot. Daneben gibt es auch zwei Kinos und in Glarus das Kultur- und Vereinszentrum Glarus, wo regelmässig Veranstaltungen stattfinden. Aktuelle Veranstaltungen finden Sie in der Glarneragenda.Das Glarner Kammerorchester, ein vorwiegend aus Laienmusikern bestehendes Streichorchester, prägt mit seinen Sinfoniekonzerten, seinen Oratorienaufführungen und sonstigen diversen musikalischen Veranstaltungen seit Jahrzehnten das Glarner Musikleben aktiv mit.Ein zentrales kulturelles Ereignis ist die Musikwoche in Braunwald, die einmal im Jahr musikalische Darbietungen präsentiert.Zahlreiche Glarner Kulturschaffende sind über die Kantonsgrenzen hinaus bekannt: Die Schriftsteller Emil Zopfi, Perikles Monioudis, Tim Krohn (Präsident des Schweizerischen SchriftstellerInnenverbandes), Jan Krohn, Walter Hauser, Fridolin Jakober, Eveline Hasler und viele mehr.Bekannt sind auch verschiedene Glarner Musiker: Betty Legler, Louis Menar, Hermann Bühler, Markus Mägä Hauser, Jürg Wickihalder, Daniel Zbinden, Peter Brandenberger oder die Pop-Bands Starfish und Contrast Family.Im Bereich der Malerei und Fotographie sind unter anderen Hanspeter Hofmann, Lill Tschudi, Syl Bamert, Erika Sidler, Christina Gallati, Andrea Iten und Fridolin Walcher zu erwähnen.Tradition und BrauchtumSo offen die Glarner für Neues sind, so wenig verzichten sie auf die alten Bräuche und Traditionen. Sie feiern das Schybäfleugä in Matt, den alten Brauch zur Fasnachtszeit, oder die St. Niklaus-Umzüge, die in den ersten Dezembertagen im ganzen Glarnerland stattfinden. Kulinarische SpezialitätenKennzeichen glarnerischer Gastfreundschaft sind verschiedene kulinarische Spezialitäten.

Glarner Pastete
Hundertmal wird der Blätterteig eingeschlagen und gerollt. Die eine Hälfte der Füllung ist feinstes Zwetschgenmus, die andere süss und aus geriebenen Mandeln - ein Geheimrezept.Glarner ChalberwurstZum richtigen Landsgemeinde-Schmaus gehören gekochte Dörrzwetschgen, Kartoffelstock und die Chalberwurst an einer goldigweissen Buttersauce mit Zwiebeln. Nur im Glarnerland wird die traditionelle Chalberwurst hergestellt .

Glarner Schabziger
Seit Jahrhunderten gehört der Schabziger zu den traditionellen Glarner Spezialitäten. Noch heute wird der mit Zigerkleepulver gewürzte magere Sauermilchkäse nach überliefertem Rezept hergestellt. Mit Ziger verpflegte man schon im 15. Jahrhundert die Soldaten. Die begehrte Spezialität wurde im Jahre 1310 zum ersten Mal im Säckinger Rodel erwähnt. Zinsen an das Kloster mussten damals nämlich in Form von Ziger bezahlt werden.Zu den schmackhaften Gerichten mit Schabziger zählen die Ziger Höreli, das Glarner Fondue, Forellen nach Glarner Art oder die Rotweinbirne an Zigerrahmsauce.

Übersichtliches Glarnerland

 

Glarnerland Tourismus
Stand 2011

 

Mit freundlicher Genehmigung: Glarnerland Tourismus, Glarus

 

 

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