Glarnerverein Bern 2010

 

Landsgemeinde
In den vergangenen Jahren wurde an der Glarner Landsgemeinde Geschichte geschrieben. Nach der in der gesamten Schweiz stark beachteten Gemeindestruktur wurde auch das Stimmrechtsalter auf 16 Jahre durch die Landsgemeinde genehmigt. Die direkteste aller Demokratien, die Landsgemeinde, wird nach geschichtlicher Überlieferung bereits seit 1387 abgehalten. Jahr für Jahr wird dieser Anlass auch von vielen Touristen aus der ganzen Welt besucht und bewundert. Eindrücklich das Bild aus der Vogelperspektive, das einen Blick auf den Ring am Zaunplatz in Glarus, dem sogenannten Landsgemeindeplatz, zeigt. Imposant auch den Blick auf Glarus, die kleinste Hauptstadt der Schweiz.

Digitalisierte Bildbearbeitung aus dem "Glarner Jahreskalender 2010" - Fridolin Druck, Schwanden GL
Foto: Albert Schmidt


Das Glarnerland
Gemeinde, Querschnitt und Geschichte

 

Glarus

472m.ü.M.
5600 Einwohner
Homepage: www.glarnerland.ch

Hauptort des Kantons, am Fusse des pyramidenförmigen Vorderglärnisch im Mittelpunkt des Tales gelegen, das 1861 von einem Grossbrand zerstört wurde, wo etwa zwei Drittel des Fleckens (593 Gebäude) eingeäschert hatte, erfolgte der Wiederaufbau in städtischer Art als Karree-Anlage anhand des Bauplanes von Bernhard Simon und Johann Caspar Wolff. Simon und Wolff entwarfen auch verschiedene repräsentative Einzelbauten wie z.B. die Stadtkirche Glarus.Dank der weitsichtigen Planung beim Wiederaufbau kommt dem Stadtbild heute nationale Bedeutung zu. Das vom Brand verschonte Abläschquartier stellt eines der wertvollsten Zeugnisse des frühen Arbeiterwohnbaus in der Schweiz dar. Glarus ist der Sitz der Kantonalen Verwaltung, der Gerichte, des Kantonsspitals, des Zeughauses und der Kantonsschule. Für kulturell Interessierte stehen mit dem Suworow-Museum und dem Kunsthaus weit über die Kantonsgrenze bekannte Gebäude zur Verfügung. Der einmalig schöne Klöntalersee befindet sich ebenfalls auf Stadtgebiet von Glarus. Bekannte Durchführung der jährlichen "Landsgmeind" und im Landeswappen beinhaltendende St. Fridolin auf rotem Grund.

Glarus gilt als Stadt, obwohl es dazu von der Einwohnerzahl her zu klein ist und in der Geschichtsschreibung als Flecken bezeichnet wird. Im Bahnhofgebäude zeigt ein grosses Modell den Flecken Glarus vor dem Brand.n In Glarus gibt es eine Kunsteisbahn, eine Curlinghalle, Leichtathletikanlagen, einen Fussballplatz, einen kleinen Skilift am Stadtrand und im Winter einen langen Schlittelweg von der Schwammhöhe nach Glarus. Das Schwimmbad wurde im Jahre 1922 gebaut und im Winter 1996/97 erneuert. Die Landesbibliothek in der alten Stadtschule beherrbergt auch das Landesarchiv, das unter anderem wertvolle Sammlungen enthält (Kartensammlung Blumer, Nachlass des Astrophysikers Fritz Zwicky, Geografische Fachbibliothek und Sammmlung Prof. Arthur Dürst). Ausserdem findet man im Landesarchiv die 28 Bände umfassende Genealogie von Johann Jakob Kubly-Müller. Sie zeigt sämtliche Glarner Geschlechter von 1600 bis zur Gegenwart in ihrer Abfolge und Verknüpfung. Das Kunsthaus im Volksgarten ist architektonisch bedeutend. Es hat sich in den vergangenen Jahren einen Namen weit über die Kantonsgrenze hinaus gemacht, unter anderem mit Ausstellungen von Helen Chadwick, Alan Charlton oder Peter Lüthi. Daneben öffnet es seine Hallen jedes Jahr für Werke von Glarner Künstlerinnen und Künstlern. Im Untergeschoss befindet sich eine permanente Naturkundeausstellung, unter anderem mit zahlreichen ausgestopften Tieren (zum Beispiel Wolf, Bär, Steinbock).



Die Gemeinden



Braunwald

1256m.ü.M.
406 Einwohner
Homepage der Gemeinde Braunwald: www.ch.ch

Der Kur- und Fremdenverkehrsort liegt auf einer Bergterrasse westlich oberhalb von Linthal und Rüti. 1421 wurde der Begriff Brunwald erstmals schriftlich erfasst. Der Name bedeutet quellen- und waldreiche Gegend. Der vom 12. bis 15. Jahrhundert im Sommer bewohnte Siedlungsplatz Bergeten (ca. 1600 m.ü.M.) am Fusse des Ortstocks (2716 m.ü.M.) zeugt von Schaf-, Ziegen- und Rinderhaltung sowie von der Jagd. Diese Wüstung, im Volksmund Heidenhüttchen genannt, wurde 1971 archäologisch ausgegraben. Ein Hug Vogel wird in einer Urkunde von 1350 als Besitzer von Niederschwändi bezeichnet. Dabei wird berichtet, dass dessen Sohn von einem Schwyzer namens Köder im Euloch ermordet wurde. Braunwald gehörte ursprünglich zum Tagwen Niederlinthal. 1690 und 1718 wurden der südlich des Brummbachs gelegene Teil Linthal, das Gros Rüti und der Rest Diesbach und Betschwanden zugeschieden. Ab 1725 bewohnten einzelne Familien Braunwald ganzjährig. Das 1780 gebaute "Führlihaus" steht seit 1973 unter Heimatschutz.1839 entstand eine Schulgenossenschaft der Dorfschaft. Zwei Jahre später verliessen die Braunwalder Kinder das Betschwander Schulzimmer. Die damals eingerichtete Schule ("Sackhäuschen", heute steht dort das Hotel "Tödiblick") erhielt 1857 ein eigenes Gebäude. 1875 erwarb die im selben Jahr gegründete Waldkorporation Braunwald Waldrechte des Tagwens Rüti. Sie bildete die Urzelle der 1939 geschaffenen Orts-, Bürger- und Wahlgemeinden Braunwald. Mit Rüti zusammen kümmert sich das Dorf heute noch um das Fürsorgewesen. Anlässlich der Erstellung eines Bergweges Rüti-Braunwald wurde 1895 die noch existierende Wegkorporation erstmals einberufen. Die seit 1981 bestehende Entwässerungskorporation hat ihre Wurzeln in der Zeit ums Jahr 1902 (Bau der Braunwaldbahn, BrB, und des Hotels "Bellevue"), als man den gleitenden Untergrund des südlichen Teils der Braunwalder Terrasse bemerkte. Im Raum Grantenboden gibt es nun ein grosses Entwässerungswerk. Dennoch drohte im März 1999 die alte Deponie Braunwalds nach Rüti zu rutschen, welche 1978 geschlossen worden war.Molkenkuren wurden erstmals 1844 angeboten. Aus dem 1856 erbauten Wirtshaus "Niederschlacht" entwickelte sich ein renommiertes Erstklasshotel ("Waldhaus"). 1896-97 entstand das Lungensanatorium (nach 1985 Höhenklinik Braunwald, seit 2003 Teil der Reha-Clinic Zurzach, Baden, Braunwald) auf Initiative der Gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons Glarus. Seitdem ist der Chefarzt der Klinik auch der Dorfdoktor.Nach 1898 gab es im Bauernhaus und Restaurant "Alpenblick" von David Heiz eine Postablage. Ums Jahr 1900 zählte man 155 Einwohnerinnen und Einwohner, welche noch fast ausschliesslich in der Landwirtschaft tätig waren. Der 1902 erbauten Materialseilbahn Rüti-Braunwald folgten 1907 die Eröffnung der Standseilbahn Linthal (Stachelberg)-Braunwald sowie der Hotels "Alpenblick", "Grand Hotel (Bellevue)" und "Alpina". Initiatoren des Bahnprojektes waren Textilfabrikant Albert Bebié und Josef Durrer, Bahnbau-Unternehmer und Gründer des "Grand Hotel". 1908 entstand als erstes Geschäft der Bazar, heute "Kessler Sport". (Letzterer fertigte 2002 das Sportgerät an von Olympiasieger Philipp Schoch im Snowboard-Parallel-Riesenslalom.) Es folgten das Hotel "Tödiblick", die Pension "Koller" und das "Ahorn" sowie in der neueren Zeit das Restaurant "Uhu", das Hotel "Cristal" beim Skischulplatz etc. Ende 1928 begann die erste Wintersaison. (Der Betrieb der BrB in der kalten Jahreszeit wurde eingeführt und das Eisfeld eröffnet.) 1941 gab es den ersten Transport durch den Skilift Hotel "Niederschlacht"-Bödeli. Die Gemeinde umfasste damals bereits 327 Personen.Im selben Jahr erfolgte die Gründung der Diakonischen Schwesternschaft Braunwalds, die bis zum Jahr 2000 das Erholungshaus "Bergfrieden" und die Sonderschule "Flueblüemli führte sowie die "freie Schule" Braunwald trug. Kirchlich ist das Dorf seit der Loslösung von Betschwanden 1941 eine reformierte Kirchgemeinde (1904 baute man eine Bergkirche beim Sanatorium, 1962-64 ein kirchliches Zentrum) beziehungsweise Teil der katholischen Pfarrei Linthal (1950 weihte man eine Kapelle). 1899 hatte Betschwanden den Protestanten auf der Bergterrasse Braunwald das Glöckchen geschenkt, welches 1388 zur Schlacht von Näfels geläutet haben soll. Die touristische Infrastruktur wurde in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stark erweitert: Kurze Zeit vorher hatte man die Sesselbahn Gumen fertiggestellt, 1969 diejenigen zum Seblengrat. 1967 war eine neue BrB-Bergstation mit Post und Verkehrsbüro eingeweiht worden. 1974 kam es zur Pisten-Erschliessung durch die Gondel- (als Ersatz für den Funischlitten) respektive 1991 die Gruppenumlaufbahn Grotzenbühl. 1951 waren erstmals Curlerinnen und Curler in Braunwald im Rink anzutreffen, ein Jahr vor der Gründung des Curling-Clubs. 1978 eröffnete man ein Hallenbad, seit 1982 besteht ein direkter Anschluss der BrB an die SBB. Nach 1997 fuhr die vierte Generation der Standseilbahn. Die älteste betriebene Quersitz-Sesselbahn der Schweiz zum Gumen erhielt 1999 ein neues Förderseil. Im Jahr 2001 jedoch wurde die wirtschaftliche Situation der BrB derart schlecht, dass sie nur noch dank einer Übernahme durch den Kanton gerettet werden konnte.1990 hatten nicht weniger als 80% der in der Gemeinde Erwerbstätigen im Dienstleistungs-Sektor (vorwiegend Tourismus) gearbeitet, während insgesamt 478 Einwohnerinnen und Einwohner gezählt wurden. (Bereits 30 Jahre zuvor hatten fast ebenso viele Leute im Ort gewohnt.) Im Jahr 2000 endete eine 60 Jahre dauernde Ära von Vater und Sohn Jacques Streiff, Hoteliers, im Gemeinderat von Braunwald. Letzterer amtierte dort 22 Jahre lang, davon 15 Jahre als Präsident. Der 1909 ins Leben gerufene Verkehrsverein, der nachmalige Braunwalder Tourismus, wurde auch Ende des 20. Jahrhunderts aufgelöst. Danach kam es zur Gründung des Vereins Netzwerk, dessen Aufgabe es ist, eine Tourismus-Strategie zu entwickeln. Deren wichtigster Grundsatz ist die Unabhängigkeit Braunwalds vom Automobilverkehr. Zudem finden seit 1936 jährlich Musikwochen im Juli statt. 1971-75 legte man einen alpinen Prüfgarten an mit rund 500 Rosenarten. Im Winter sind rund 32 km Skipisten und 17 km Wanderwege präpariert. Ein Klettergarten wurde 1995-2002 an den Südwänden der Eggstöcke (oberhalb Gumen) eingerichtet. Ein Lehrpfad zeigt neben den ökologischen auch geschichtliche und wirtschaftliche Aspekte des Dorfes auf. Das Familienangebot beinhaltet das seit 1994 erste begehbare Märchen der Schweiz; die Geschichte vom Zwerg Bartli schuf nämlich in den 1940er Jahren Lorly Jenny in Braunwald. Nach 1990 bemalten Braunwalder Schulkinder die Dorf-Hydranten mit Zwergenmotiven. Dies ist Teil eines Dorfgestaltungsprogramms, in dessen Rahmen 1999 die Strassenbeleuchtung durch Laternen ersetzt wurde und ein Jahr später Glarner Künstler bei einem Holz-Skulpturen-Wettbewerb die Geschichts- und Sagenwelt des Kantons darstellten. Um die Jahrtausendwende war die Bergterrasse Austragungsort des Glarner-Bündner-Schwingfestes. Der Volksliederchor Braunwald pries damals mit dem "Bruuwaldlied" den Ort.



Betschwanden

600m.ü.M.
176 Einwohner
Homepage: www.betschwanden.ch

Der Ort mit Dorfkern auf dem Schuttkegel des Diesbachs ist auf der rechten Grosstal-Seite besiedelt. Der grösste Teil des Gemeindegebietes liegt im Freiberg Kärpf. In einer auf das Jahr 1240 datierten Urkunde erscheint die Formulierung in Beswando. Im ersten Wortteil steckt wahrscheinlich der Personenname Betto, eine Kurzform zu Baturîh oder Batufrid. Der Begriff „Batu“ seinerseits bedeutet Kampf. Vielleicht geht der Ausdruck aber auf ein gallisches Wort für Birke zurück. Dem Wahltagwen Betschwanden waren vom 16. bis 18. Jahrhundert Diesbach, Hätzingen und Haslen angegliedert. Er zählte 1701 insgesamt 222 männliche evangelische Landleute. Eine Wahlgemeinde bildet heute Betschwanden zusammen mit Diesbach. Die Dorfschaft war ursprünglich nach Glarus kirchgenössig. Die im 14. Jahrhundert im romanischen Stil errichtete und mehrmals umgebaute Kirche wurde 1779–80 gegen Hochwasser geschützt, erhielt 1915 Jugendstil- und Neubarock-Elemente und wurde 1975–77 restauriert und archäologisch erfasst. Mit Hätzingen, Diesbach, Rüti (sowie bis 1868 dem zu Luchsingen gehörenden Weiler Adlenbach) bildet Betschwanden eine seit 1528 reformierte Pfarrgemeinde, in welcher unter anderen 1532–55 Fridolin Brunner, ein Anhänger Zwinglis und Reformator des Landes Glarus, sowie 1866–1906 der Geschichtsschreiber und Sozialreformer Gottfried Heer wirkten. Zu dieser Körperschaft gehörte bis 1942 auch Braunwald. Die Land- und Alpwirtschaft war bis ins 19. Jahrhundert die wichtigste Einnahmequelle: Die Alp Vorder Sand, heute auf Gemeindegebiet Linthal gelegen, war schon vor 1800 im Besitz des Tagwens. Aus dem Jahr 1478 wurde jedoch vermeldet, dass eine Kirchenglocke von Betschwanden zur Anschaffung von Lebensmitteln verkauft worden war. 1510 wurde verbrieft, dass der Wald am Saasberg zum Banngebiet erklärt worden sei. (Dieses Gebiet trägt noch heute den Namen „im Baa“.) Im Jahre 1612 schlossen sich die Dorfleute zu einer Brunnengenossenschaft zusammen. Eine Quelle hatten sie in der Gross-Schrähe gefunden, im Bannwald, wo noch heute die Brunnenstube steht, die das Wasser für den oberen Dorfbrunnen sammelt. 1692 zählte die Einwohnerschaft insgesamt 123 Personen. Die Brunnenkorporation trat später ihre Rechte und Pflichten an den Tagwen ab. 1855 zog die Dorfschaft einen steinernen Brunnentrog von Riedern nach Betschwanden. 1895 begehrte der Tagwen aus den Quellen im Obermarglen Wasser von der Eigentümerin, der Firma W. Schuler in Rüti, für die Dorfwasserversorgung.
Die 1778 erbaute Mühle am Diesbach ist zum Gästehaus der Kirchgemeinde geworden. Dort befindet sich auch ein Mitte des 20. Jahrhunderts in Diesbach ausgegrabener Mahlstein. Aus einer 1843 eröffneten Spinnerei wurde 1910 ein Lagerhaus, aus diesem 1982 wiederum ein Textilchemiebetrieb. Vier Jahre zuvor war die Eröffnung eines regionalen Notschlachthauses erfolgt. 1879 war Betschwanden an das Netz der Nordostbahn angeschlossen worden. Eine Hauptstrassen-Umfahrung hat 1989 das Ortsbild bei der Kirche verändert. In jener Zeit waren zwei Drittel der Erwerbstätigen Wegpendler; die Einwohnerzahl betrug knapp 150. Um 1850 hatte man im Dorf 254 Personen registriert, hundert Jahre später rund 30 Leute mehr.
Die erste schulische Tätigkeit eines Geistlichen in der Kirchgemeinde Betschwanden ist im Jahre 1595 belegt, und zwar betraf dies Ludwig Osenbrey. 1727 erhielt der Pfarrkreis eine Schule. In einem Zimmer des inzwischen abgebrochenen hölzernen Pfarrhauses neben der Kirche lehrten die Pfarrer die Kinder das Schreiben und Lesen. Um 1800 gab es in Rüti, Betschwanden, Dornhaus und Diesbach zwischen 150 und 160 schulfähige Kinder, nur 30 bis 40 von diesen gingen aber regelmässig zum Unterricht. 1844 erstellte die Gemeinde ein eigenes Schulhaus. Nach dem Bau des Schulgebäudes des nördlichen Nachbardorfes 1886 gingen dieses und Betschwanden bis 1963 getrennte Wege. (Einer der bekanntesten Absolventen der Betschwander Schule sowie Konfirmand bei Gottfried Heer war Brigadier Jacques Wichser gewesen (1888–1980).) Dann entschlossen sich die beiden Gemeinden, die Unter- und Oberstufen der Primarschule nach Diesbach zu verlegen. Die Abschlussklassen der Gemeinden von Luchsingen bis Rüti wurden in Betschwanden unterrichtet.
Das dortige Schulhaus musste aber im Jahr 2001 seine Tore schliessen. Grund dafür war der Rückgang der Schülerzahlen im erst 1984 gegründeten Primarschulkreis Diesbach-Betschwanden-Rüti. Betschwanden ist somit die erste Gemeinde im Glarnerland ohne Schulbetrieb. Im schweizerischen Lawinenwinter von 1951 geschah auch in Betschwanden ein Unglück: An jenem 20. Januar brach auf der ganzen Breite des Kneugrathanges eine Lawine los, die nicht nur sieben Ställe und zwei Ferienhäuser zerstörte, sondern auch das Leben der Brüder Heinrich und Rudolf Zweifel auslöschte. Daraufhin brachte man geeignete Lawinenverbauungen an.
Die private Bautätigkeit sorgt seit einigen Jahren für Zuwanderung, wobei die Gemeinde Land zur Verfügung stellt. Von dieser erhielten erstmals im Jahr 2001 vier junge Betschwander Sportler einen Sponsoringbeitrag.



Bilten

438m.ü.M.
1971 Einwohner
Homepage: www.bilten.ch

Bilten ist die nördlichst gelegene Gemeinde des Kantons. Das Strassendorf am Bergfuss beziehungsweise am Rand der Linthebene dehnt sich heute gegen den Linthkanal hin aus. Es besteht aus den Dorfteilen Oberbilten, Rufi und Unterbilten; der Weiler Ussbühl befindet sich an der Grenze zum Kanton Schwyz. Eventuell war Bilten schon in römischer Zeit besiedelt. Eine Statuette des Merkurs aus Bronze kam zwischen Ziegelbrücke und Bilten 1875 beim Bahnbau zum Vorschein. Der Ortsname geht wohl zurück auf romanisch villetta mit den Bedeutungen kleines Landgut, Gutshof. 1178 bestätigte Papst Alexander III. dem Frauenkloster Schänis seine Besitzungen, darunter Güter zu Villitun (Bilten). Fürs Jahr 1345 ist die St. Katharinenkapelle unterhalb des Dorfes bezeugt. Bilten gehörte zum Gaster bis zur Aufnahme ins Land Glarus im Jahr 1415. Drei Jahre zuvor hatte es sich von den dem Stift Schänis zu entrichtenden Grundzinsen losgekauft. Bilten bildete in früher Neuzeit zusammen mit Kerenzen einen Wahltagwen. Seit 1528 war das Dorf mehrheitlich reformiert und von da an nach Niederurnen pfarrgenössig. 1607 weihte es eine eigene Kirche ein, fünf Jahre später kam es zur vollständigen Loslösung von finanziellen Verpflichtungen gegenüber Schänis. 1608 wurde das „Elsenerhaus“ gebaut, dessen Giebelstube 1618 von Heinrich Elsener mit Renaissancegetäfer ausgestattet wurde. Im 18. Jahrhundert scheint Bilten eine Bedeutung als Glarner Zollstation gehabt zu haben. 1762 wurde die Einführung einer Schulsteuer beschlossen. Zu Beginn jenes Jahrhunderts zählte das Dorf 112 erwachsene evangelische Landleute männlichen Geschlechts. 1794 registrierte man in Bilten 149 Oberjährige. Insgesamt lebten dort zu dieser Zeit rund 650 Menschen. Die damals zunehmende Versumpfung der Linthebene förderte Krankheiten. Massnahmen dagegen ergriff etwa der Biltner Tagwensbürger und Kirchenvogt Johann Jakob Heussy (1762-1831). Der kaufmännisch gebildete Heussy war Ratsherr für Bilten, Landvogt und helvetischer Regierungsstatthalter. Die zwischen 1807 und 1827 durchgeführte Linthkorrektion beseitigte dann die Seuchengefahr. Von 1887?1939 sicherte man den Biltner Bach planmässig gegen Ausbrüche. Ein weiteres Verbauungsprojekt wurde 1997 abgeschlossen durch die seit 1985 bestehende Gesamtkorporation für die Wildbäche. Seit 1976 ist zudem unterhalb des Dorfes die Abwasserreinigungsanlage für das Glarnerland sowie für Weesen und Amden in Betrieb. 1839 baute die Gemeinde das erste Schulhaus, 1853 eröffnete sie eine Knaben-Erziehungsanstalt im „Elsenerhaus“, die 1944 ihre Türen schloss. 1961 wurde eine katholische Notkapelle, später ein fester Bau erstellt. 1875 wurde Bilten ins Netz der Nordostbahn integriert. Dennoch stagnierte die Einwohnerzahl (im Jahre 1850 betrug sie knapp 700, 1900 rund 500, 1950 etwa 700). Biltens wirtschaftlicher Aufschwung kam mit dem Bau einer Grossmetzgerei 1958 (1995 geschlossen) und der Dämm- und Verpackungsstofffirma 1964. Diese Entwicklung förderte zudem der Autobahnanschluss 1974. Ende der 1980er-Jahre wohnten in Bilten fast 1800 Personen. Seit 2002 ist Bilten schweizerischer Hauptstandort eines Pet-Flaschen-Herstellers.



Diesbach

593m.ü.M.
210 Einwohner
Homepage: www.diesbach.ch

Das Strassendorf am Fuss des Freibergs Kärpf liegt zwischen Hätzingen und Betschwanden. Diesbach wurde zunächst besiedelt auf dem Schuttkegel der Rufirunse; der sich südlicher befindende Weiler Dornhaus auf Ablagerungen des Dies- oder Dornhausbachs. Gesucht wurde dabei auch die Nähe eines Schutzwaldes, worauf noch die Flurbezeichnung "im Baa" (Bannwald) hindeutet. Im 19. Jahrhundert wurden die durch die Dolenrunse getrennten Weiler Diesbach und Dornhaus durch Industrie- und Wohnbauten des Textilunternehmens Legler geprägt. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts intensivierte sich die Besiedlung des Raumes zwischen den alten Dorfteilen. Um 1350 taucht Diesbach in schriftlichen Zeugnissen erstmals auf. Der Name gehört zu einem alten Verb diessen "laut schallen, rauschen". Der Ausdruck für die Siedlung wurde auch mit -ss- geschrieben (wie heute noch Oberdiessbach bei Thun und Diessbach bei Büren an der Aare).Reste eines mittelalterlichen Wohnturms werden am "Bürgli" in Dornhaus vermutet. 1413 stellte Landammann Albrecht Vogel der Genossame Diesbach über verschiedene "richterliche Erkanntnisse" eine Urkunde aus. Dieser Streit wurde mit den im Schriftstück genannten Wilhelm Dietty und Heini Kinnater (beide wahrscheinlich Angehörige der damaligen glarnerischen Führungsgruppe) ausgetragen. Es ging dabei um Boden, im unteren Teil der Allmeind an der Linth, der heute unter anderem als "Michelerlen" bezeichnet wird. Ursprünglich gehörte Diesbach zum grossen Tagwen Nesselowe, von dem sich die Dorfschaft im Spätmittelalter löste.In früher Neuzeit war sie Teil des Wahltagwens Betschwanden (inklusive Hätzingen und Haslen). Sie nahm 1752 den Namen Dornhaus auf. Das Wort ist, noch als Begriff für ein einzelnes Haus, bereits 1657 bezeugt; als Ortsbezeichnung seit 1692. Der Flurname hatte "in den Dornen" (bei den Dorngebüschen) gelautet. Zwischen 1711 und 1835 tätigte der Tagwen viele Güterkäufe. Zudem erwarb er 1836 von fünf Privatleuten die am Übelbach gelegene Alp Diestal. Noch immer besitzt Diesbach überdies Anteile an der Braunwald-Alp. Der Wahlkreis umfasste bis 1989 die Gemeinden Hätzingen, Diesbach-Dornhaus und Betschwanden, danach zudem Nidfurn, Haslen Leuggelbach und Luchsingen. Anfänglich gehörte das Dorf zur Kirche Glarus, eit dem 14. Jahrhundert zu derjenigen Betschwandens. 1528 nahm es mehrheitlich den reformierten Glauben an.Bis um 1800 baute man Hanf an zur Herstellung der halbwollenen Mätze. Im 18. Jahrhundert stellte aber die Baumwollhandspinnerei die bedeutendste Erwerbsquelle dar. 1774 wird auch von einem Schieferbruch unter den Eggbergen im Diestal berichtet. Im selben Jahr baute Jakob Messmer auf Initiative von Rats- und Handelsherr Adam Schiesser das Haus "Zum Sunnezyt" fertig, mit Rokokostukkaturen der Gebrüder Moosbrugger. Unweit davon, in einem 1736 erbauten "Holzstrickhaus", wurde 1782 Thomas Legler geboren. Er nahm als Berufsoffizier an den Feldzügen Napoleons nach Korsika, Elba und Russland teil. Der Kämpfer an der Beresina im Jahr 1812 berichtete, wie er aufgefordert wurde, das Lied "Unser Leben gleicht der Reise" vorzusingen. Diese vier letzten Strophen des Gedichtes "Die Nachtreise" sind - freilich mit einer anderen Melodie - als Beresina-Lied in die Geschichte eingegangen. Legler starb 1835 in Holland.Heute beherbergt das "Thomas-Legler-Haus" ein Museum mit dem Generalthema "Land und Leute im 18. und 19. Jahrhundert, unter Berücksichtigung von Einzelschicksalen". Zu Beginn des 19. Jahrhunderts florierte noch die Heimweberei. Diesbach war damals auch ein Ort der Schneider. In den Jahren 1845-48 jedoch wanderte ein Siebtel der Einwohnerschaft aus Armut nach Amerika (New Glarus) aus. (Die Zahl der Dorfbevölkerung sank von zirka 470 Personen 1837 auf rund 420 in der Mitte jenes Jahrhunderts.) In Diesbach entstand kurz danach das Textilunternehmen Legler; aus dem kleinen Spinnerei- und Webereibetrieb sollte die europaweit tätige Legler Holding AG werden.1875 wanderte ein Teil der Familie nach Italien aus und gründete in Ponte San Pietro bei Bergamo eine Firma, welche bis zu 2500 Personen anstellte. Bereits in den 1860er-Jahren waren 200 Webstühle in den Räumen der Diesbacher Produktionsstätte gestanden. 1888 fanden dort bis zu 235 Personen Arbeit, in der Zeit danach bis zum Ersten Weltkrieg rund 220. 1989 jedoch wurde der Textilbereich in ganz Europa verkauft. Am 30. September 2001 musste die Weberei in Diesbach ihre Tore schliessen.1888 hatten infolge der Industrialisierung 525 Leute im Dorf gewohnt; 1950 476; 1990 nur noch 284 (darunter auch eine kleine Gruppe Tibeterinnen und Tibeter). 1907 hatte der Textilfabrikant Mathias Legler den Bau einer Hütte in Diesbacher Huben initiiert und bezahlt. Er schenkte sie ein Jahr später dem Schweizerischen Alpenclub ("Leglerhütte", 2273m.ü.M.) Der Diesbach ist einer der letzten Wasserfälle im Glarnerland. Die Diesbacherinnen und Diesbacher nennen ihn "Stüber". Der Bach suchte schon 1629 die Dörfer Diesbach und Betschwanden heim. Innert 14 Jahren (1750, 1762 und 1764) verwandelte er jenes Dorf in eine Schutthalde. 1756 bannte man aus Angst vor Lawinenniedergängen einen Wald. Erst ab 1781 wurden bessere Wuhren erstellt. Die Firma Legler begann 1888 mit der Nutzung eines Teils des Wassers oberhalb des Falls; dies war zugleich das erste Elektrizitätswerk des Kantons. 1945 und 1995 bereitete der Bach wieder Ungemach. (Bei der Wasserkatastrophe vom 14./15. Juni 1910 aber hatte die Rufirunse Verwüstungen angerichtet.) Die in den späten 1940er-Jahren erbauten Mauern schützen das Dorf gegen die Ausbrüche des Fliessgewässers.Für das frühe Schulwesen von Diesbach-Dornhaus war die Kirchgemeinde Betschwanden das Dach. Die Bürgerschaft dieses Dorfes errichtete 1844 ein eigenes Schulhaus. Die Kinder von Diesbach wanderten aber zehn weitere Jahre in den ersten Stock des Pfarrhauses neben der Kirche des Nachbardorfes, bis der Tagwen Diesbach das heute noch alte Schulhaus genannte Heim des Ratsherrn Streiff kaufte und im ersten Stock ein grosses Schulzimmer einrichtete. 1886 kam der Bau des heutigen Schulhauses im Feld zustande. Bis 1963 gingen Diesbach und Betschwanden getrennte Wege. Der Wegzug der Textilindustrie zwang die beiden Gemeinden, die Unter- und Oberstufe der Primarschule nach Diesbach zu verlegen. Seit 1984 besteht ein Primarschulkreis zusammen mit Rüti und Betschwanden.Diese drei Gemeinden bilden zusammen mit Linthal seit dem Jahr 2001 überdies die "Feuerwehr Grosstal Süd". Hingegen treten vom Jahr 2004 an Diesbach, Luchsingen und Hätzingen mit ihren insgesamt 1100 Einwohnern als Einheitsgemeinde unter dem Namen politische Gemeinde Luchsingen und neuem gemeinsamem Wappen auf.Beim Hotel "Diesbach" entwickelte sich mit Post, Dorfladen/Milchzentrale, dem Schulhaus und dem 1996 erstellten Gemeindemehrzweckgebäude mit Kleinkinderschule ein neues Zentrum. Die Verbreiterung der Kantonsstrasse 1977/78 führte ebenfalls zu grossen Veränderungen des Dorfbildes. Verschwunden sind unter anderem das Haus des späteren Mitgründers von New Glarus, Richter Dürst, sowie das Geburtshaus von Adam Schiesser. Das Leglerhaus erhielt einen neuen Standplatz. In jüngster Zeit entstanden meist abseits der Hauptstrasse neue Wohnquartiere.



Elm

977m.ü.M.
745 Einwohner
Homepage: www.elm.ch/gemeinde

Die höchstgelegene Talgemeinde des Kantons (982 m.ü.M.) umfasst die Weiler Sulzbach, Schwändi, Müsli, Untertal, Vogelsang, Töniberg, Obmoos, Steinibach und Wald. Sie ist Ausgangspunkt diverser kleinerer Alpenübergänge sowie des Panixerpasses und bietet eine Rundsicht auf die Gruppen des Hausstocks, Vorab und der Sardona. Durch ein Felsenfenster am grossen Tschingelhorn scheint zweimal im Jahr die Sonne (und alle 19 Jahre der Vollmond, so geschehen im Jahr 2001) direkt auf den Kirchturm von Elm.Unweit davon, an der Sandgasse, stand ein Wohnturm von möglicherweise säckingisch-habsburgischen Amtsleuten. Jedenfalls stammt die Mauerpartie des 1557 erbauten Hauses zum Gemsjäger am Weg ins (Elmer) Hinterland aus dem 13. oder frühen 14. Jahrhundert. Erstmals wurde der Ort im Säckinger Urbar genannt. Das Geschlecht der Elmer hingegen ist bereits 1289 in einer Schuldverschreibung der Glarner Landleute gegen Rudolf den Hofstätter in Walenstadt belegt. Es war wohl identisch mit demjenigen der Ulmer aus dem zürcherischen, schaffhausischen und süddeutschen Raum. Verbindungen ins Gebiet nördlich des Bodensees hatte auch Ritter Ludwig von Stadion, der habsburgische Vogt zu Glarus. Dieser besiegelte 1344 einen Vergleich zwischen den Tagwensleuten zu Mollis und jenen zu Elm die Alp Wichlen betreffend. Bei diesem Streit ging es zwar um Weiderechte am wirtschaftlich immer bedeutungsvoller gewordenen Panixerpass (bereits im Habsburger Urbar wird dieser mit dem romanischen Namen Vepch genannt); der Konflikt ist aber in erster Linie im Rahmen eines Herrschaftswandels zu sehen, welcher im 14. und 15. Jahrhundert im gesamten innerschweizerischen Raum beobachtet werden kann. Dass dies ein langwieriger Prozess war, zeigt zum Beispiel die Erhebung in den Adelsstand eines Friedrich Jakob Zentner aus dem Sernftal um 1460. Er hatte sich unter dem habsburgischen Kaiser Friedrich III. ausgezeichnet. Zentners Wappen glich demjenigen der Elmerfamilien (schwarzer Steinbock über rotem Fuchs, später Reh). Es war zudem Vorbild für ein später in Vergessenheit geratenes "Gemeindewappen". Überdies gibt es Hinweise auf die Einwanderung von Walsern in das hintere Sernftal, welche zuerst im 13. und dann im 15. und 16. Jahrhundert erfolgte. So ist der am Panixerweg zu findende Name Jetz walserischen Ursprunges. (Er bedeutet mähbarer Grasfleck.) Zudem waren die Rhyner, Träger des heute meistvertretenen Familiennamens, ursprünglich Walser. Schliesslich existieren weitere romanische Alp- und Flurnamen wie "Camperdun" oder "Ramin". In Früher Neuzeit war Elm ein eigener Tagwen. Ab 1273 war die Dorfschaft nach Matt kirchgenössig. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts sind zwei Kapellen nachgewiesen, jene zu St. Peter in Hintersteinibach und die andere zu St. Wendel bei Schwändi. 1493 ging die päpstliche Erlaubnis ein zum Bau einer Elmer Filialkirche, doch bereits 1528 wurde die Reformation mit einem Bildersturm eingeführt. 1594 kam es zur Loslösung von der Kirche Matt. Tauf-, Ehe- und Sterberegister werden (in dieser Abfolge) seit 1595, 1618 sowie 1670 geführt.Alpwirtschaft (Schafhaltung) ist schon für etwa das Jahr 1000 nachgewiesen, worüber ein Alpmuseum auf Empächli orientiert. Auf Getreideanbau im Mittelalter verweisen eine Zehntenpflicht im Hintersteinibach und eine Mühle im Obmoos. Ausserdem gab es in den Reformationswirren Salzzüge über den Foopass. Im 17. Jahrhundert nahm die Alpsömmerung von Rindern für den Viehexport nach Oberitalien zu (Welschlandhandel), der 1750 in dieser Region seinen Höhepunkt erreichte. (1730 lebten 516 Personen im Dorf, 1789 bereits 765.) Eine Sust war beispielsweise das 1585/86 errichtete Grosshaus mit seiner Renaissance-Stube. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde auch die Baumwollspinnerei in Heimarbeit zum Erwerbszweig.Das Suworowhaus (1671 renoviert, 1772 erweitert) verdankt seinen Namen einer Übernachtung des russischen Generals, bevor dieser am 5. Oktober 1799 mit seinem Heer den Panixerpass überquerte. Im selben Jahr wurde das Zentnerhaus aufgerichtet. Erst ab 1840 war die Gemeinde über eine Fahrstrasse mit dem Grosstal verbunden. 1850 wurden im Dorf 1 051 Personen registriert. In dieser Zeit entstand aber auch die Auswanderer-Siedlung New Elm in den Vereinigten Staaten.1861 setzte am Tschingelberg intensive Gewinnung von Schiefer ein, der zu Schreibtafeln und Griffeln verarbeitet wurde. Unsachgemässer Abbau führte am 11. September 1881 zum Bergsturz, der in drei Schüben 114 Menschen, 83 Gebäude und 90 Hektaren Land begrub sowie das Schieferbergwerk vernichtete. 1927 musste das Schiefergewerbe eingestellt werden. Immerhin wurden bis 1985 in einem Einmannbetrieb Jass- und Schreibtafeln angefertigt (heute Schiefertafelmuseum). Kurz nach dem Bergsturz hatten Elmer Landwirte eine der ersten Viehzuchtgenossenschaften der Schweiz gegründet.Im Jahr 1595 wurde festgehalten, dass der Dorfpfarrer die Kinder unterrichtete. Seit Mitte des 18. Jahrhundert existiert im Dorf eine eigene Schule, seit 1843 ein Schulhaus.Schon 1547 findet das Wichlenbad Erwähnung, dessen Schwefelquelle bis zu seiner Verschüttung 1762 rege benutzt wurde. 1892 entdeckte man "im Gschwend" ein stark eisenhaltiges Wasser; 1896 wurde der Verkehrsverein Sernftal ins Leben gerufen. Das 1898 eröffnete Kurhaus erlebte seine Blüte vor 1914. (Heute ist es das Altersheim der Kleintaler Gemeinden.) Nicht zuletzt wegen dessen Bau errichtete Elm ein Elektrizitätswerk. Die 1929 gegründete Mineralquellen Elm AG ist bis heute der einzige Industriebetrieb der Gemeinde, er wurde 1999 von der Pomdor AG übernommen.Die touristische Erschliessung des Skigebiets am Schabell seit 1973, am Pleus seit 1982 und die Nutzung der Alp Wichlen ab 1978 als Panzerübungsplatz brachten wirtschaftlichen Aufschwung. (Die Sportbahnen Elm AG mit einer Gondelbahn, je einem Sechser- und einem Zweier-Sessellift und mehreren Skiliften, Schlittelbahnen und Wanderwegen bieten in der Wintersaison 90 Angestellten Arbeit.) Damit verknüpft wurden sowohl der Bau einer Umfahrungsstrasse sowie von 1971 bis 1999 eine Gesamtmelioration mit Aufwendungen für 56 Millionen Franken für Alp-Erschliessungsstrassen etc. Nicht umgesetzt wurde indes ein Projekt für einen Panixerpasstunnel. Immense immaterielle und materielle Kosten erwuchsen in der Gemeinde allenthalben nach Naturkatastrophen (so etwa 1840 durch einen Bergsturz in Hintersteinibach, dann aber auch nach den Lawinenwintern von 1935, 1940 und 1999; damals entstanden Schäden in der Höhe von fast fünf Millionen Franken).Für die Erhaltung des Dorfbilds, welches von Holzhäusern geprägt wird, erhielt Elm 1976 eine Auszeichnung des Europarats und 1981 den Wakker-Preis. Hervorzuhebende Bauten sind etwa das Pfarrhaus von 1808, aber auch das Zwicky-Haus (erbaut 1595) und das Haus im Vorderauen (16. Jahrhundert). In den 1960er und 1970er Jahren wurde eine moderne Infrastruktur für Schule, Sport, Gemeindeverwaltung und kulturelle Zwecke geschaffen. Begutachtet werden architektonische Eingriffe ausserhalb der Schutzzonen jeweils von der Stiftung "Pro Elm". Bei einer land- und alpwirtschaftlichen Nutzfläche von 4 600 Hektaren waren 1990 je 40 % der Erwerbstätigen im ersten und dritten Sektor tätig, die Einwohnerzahl betrug 791. Nicht weniger als 4000 Personen hatten am 23. April 1988 im Dorf den Doppel-Olympiasieg von Calgary der Skifahrerin Vreni Schneider gefeiert, es war ein Empfang unter vielen für die Seriensiegerin.



Engi

847m.ü.M.
644 Einwohner
Homepage: www.engi.ch

Das Dorf wurde am Ausgang des die Alp Mühlebach umfassenden Mülibachtals besiedelt. Es besteht aus den Teilen Vorderdorf (früher "hinter dem Bach" genannt), Dörfli und Hinterdorf (zusammen einst "Engi vor dem Bach"). Das 1972 abgerissene Ratsherrenhaus im "Bergen" stammte wohl aus dem 13. Jahrhundert. Mitte des folgenden Jahrhunderts erscheint die Ortsbezeichnung ze engi. Der Gemeindename ist entweder aus einem Ausdruck für eine Flur am Sernf entstanden oder kommt vom Begriff Anger mit der Bedeutung Wiese.Die Dorfschaften Engi und Matt waren Bestandteile des Wahltagwens Matt. Aus dem Jahr 1582 ist ein Mannschaftsrodel samt Bewaffnung erhalten für dieses Gemeinwesen. 1621 wurden überdies die Matter zur Hilfe beim Niedergang der Engilawine verpflichtet. 1738 etwa begrub die Fittern-Lawine das Haus Hans Baumgartners im Grund, wobei zehn Personen umkamen. 1828 wurde die Mühlebachkorporation erwähnt. (Am schlimmsten wütete dieser Bach am 15. Juni 1910.) Der Tagwen kaufte 1843/44 von der Kirchgemeinde sowie von Privaten die Alp Mühlebach für zirka 60 000 Gulden oder etwa 90 000 Franken. Das Kraftwerk der Sernftalbahn (1905-1969) befand sich im "Wyer" in einer ehemaligen Seidenwinde. Nach dem Lawinenwinter 1998/99 war die Gemeinde auf Personal und Gerätschaften der Armee angewiesen. Die Einwohnerschaft Engis gehört seit 1273 zur damals in Matt erbauten Kirche. Im "Mattbrunnen" stand vielleicht später auch ein Frauenklösterchen. 1528 wurde aber die Reformation eingeführt. Auf dem Gut "Friedhof" zwischen Speichen- und Fitternrunse sollte wahrscheinlich in früher Neuzeit eine Kirche erbaut werden. (Erst 1984 kam es zur Weihe einer katholischen Kapelle, nachdem die Messe in einer Kapelle im 1869 von der "Weberei Sernfthal" erworbenen Mädchenheim gehalten worden war.) Die reformierte Kirchgemeinde Matt-Engi besass bis 1832 einen grossen Teil der Hochwälder und war bis Mitte des 20. Jahrhunderts Eigentümerin der meisten Wildheugebiete. 1857 beschloss sie, eine Sparkasse zu gründen, aus der heraus die heutige Ersparniskasse Sernftal entstand.Seit dem Spätmittelalter war die Viehwirtschaft mit Alpsömmerung der wichtigste Erwerbszweig. 1408 ist der Kauf der Gandalp vom Land Glarus als Allmendgebiet der Tagwanlüt [...] ze Engi belegt. Im Alpbrief Mühlebach von 1416 besitzt bemerkenswerterterweise die Kirchgemeinde von Arth 160 Stösse. Die 1460 erwähnte Engibrücke war ein für den Talverkehr wichtiger Übergang; das 1525 nachgewiesene "Wydenhaus" war eine Säumerwirtschaft, wovon heute noch ein Maueranker mit Haken und Ring für Saumtiere zeugt.Schiefer baute man ab spätestens vom 16. Jahrhundert an (bis 1961) am 1833 vom Land übernommenen "Landesplattenberg". (Untersuchungen müssten klären, ob der in der römischen Villa in Kloten gefundene Schiefer aus dem Sernftal stammt.) 1837 waren für dieses Bergwerk über 200 Personen in Engi beschäftigt. Zudem unterhielt von 1858 bis 1906 eine Schieferbaugesellschaft auf der rechten Talseite (Gebiet "Ringgen") einen Schieferbruch. Südlich des Plattenberges, am Schwarzkopf, erfolgte der Abbau des "Sernftaler Marmors" von 1874 bis 1901 in einem Gebiet, welches vom Tagwen Engi verpachtet worden war. An dieses Produkt erinnert noch der schwarze Schild im Dorfwappen. Mitte des 17. Jahrhunderts waren sowohl ein Stampf als auch eine Säge erwähnt worden. Auf der Alp Mühlebach (im Gebiet "Wissmilen"!) grub man bis ins 19. Jahrhundert überdies nach Gips, welcher unter anderem nach Zürich exportiert wurde. 1777 zählte das Dorf 267 männliche Glarner Bürger. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts florierte noch die Baumwoll-Handweberei. Deren Krise sowie die Kartoffelkrankheit führten ab 1845 zu einer Auswanderungswelle, vor allem nach Nord- und Südamerika. 1855 galt Engi als "Bettelgemeinde"; zu dieser Zeit lebten dort rund 1200 Personen. Seit 1847 ist die Textilindustrie nachgewiesen. Damals entstand im "Hinterdorf" eine Weberei. 1857 eröffnete die Firma Trümpy Jgr. & Co. im "Wyer" eine Seidenwinderei, welche 1875 von der elf Jahre zuvor durch Leonhard Blumer gegründeten "Weberei Sernfthal" erworben wurde. (Heute ist dies die in redimensionierter Form bestehende "Weseta Textil AG".) Diese kaufte 1897 überdies das Gelände der 1891 abgebrannten Weberei im Hinterdorf und errichtete hier ein Gebäude für 150 Webstühle. 1920 lebten aufgrund dieser Entwicklung 1259 Leute in Engi. 1972 wurde der Webereibetrieb im Hinterdorf jedoch eingestellt. Seit 1985 nutzt das Gebäude die Techno AG, welche Werbetafeln produziert.1890 baute man auch noch eine Geissgadenstadt in der "Au" auf, welche 120 Ställe und 600 bis 800 Ziegen umfasste; 1971 wurde die Herde aber aufgehoben. Engi ist nun Domizil zweier Transportunternehmen und Standort der Kläranlage des Kleintals. Ende des 20. Jahrhunderts betrug die Einwohnerzahl noch rund 700.Um 1605 versprach das Land der Kirche Matt-Engi ein jährliches Entgelt für die Schule. Bis 1779 war Engi nach Matt schulgenössig; dann gründete es ein eigenes Schullokal an der Rigigasse. Das 1832 auf Initiative des Matter Pfarrers Jakob Heer erstellte Schulhaus ist von kunstgeschichtlichem Wert. 1876 konnte das neue Schulgebäude bezogen werden. Die Kleinkinderschule wurde 1909 gegründet. Mit dem südlichen Nachbardorf bildet die Gemeinde seit 1981 wieder einen Schulkreis. Die touristische Nutzung des Ortes geht mindestens ins Jahr 1581 zurück. Damals fand das Mattlauibad Erwähnung, welches 1762 durch ein "grosses Wasser" verschüttet werden sollte. Als Schwimmbad diente im 20. Jahrhundert für kurze Zeit der Stauweiher, den 1931 die Sernf-Niedernbach Kraftwerke AG fertiggestellt hatte.Zum Plattenberg reiste zu Beginn des 18. Jahrhunderts bereits ein Junker Zoller. 1994 wurde die Stiftung "Landesplattenberg Engi" gegründet mit dem Ziel, das alte Bergwerk mit Führungen, einem Museum sowie einem Lehrpfad für die Öffentlichkeit zu erschliessen. Seit beinahe 300 Jahren ist der Plattenberg ausserdem Gegenstand geologisch-paläontologischer Forschungen über versteinerte, etwa 35 Millionen Jahre alte, Fische, Vögel und Schildkröten. In dieser Wissenschafts-Tradition stehend, beherbergt Engi seit 2003 die naturwissen-
schaftliche Sammlung des Kantons; 1995 bereits war der Ortsgeschichtsverein ins Leben gerufen worden.



Ennenda

487m.ü.M.
2717 Einwohner
Homepage: www.ennenda.ch

Ennenda ist auf der rechten Seite der Linth gegenüber von Glarus am Fuss des Schilt gelegen. Die Dorfgründung erfolgte auf dem Schuttkegel der Ätzgenrunse. Die Gemeinde besteht aus dem fächerförmigen Ennenda mit dem am Abhang liegenden ältesten Dorfteil Oberdorf, dem Weiler Sturmigen, der Dorfschaft Ennetbühls und der Bergsiedlung Ennetberge. 1303-07 werden Obront-Ennant-A und Nydern-Ennant-A erstmals schriftlich erwähnt. Der Ortsname ist ein Hinweis darauf, dass die Bewohner den Talfluss im Mittelalter einfach aha "Wasser, Fluss" nannten. 1554 zählte Ennenda 204 Einwohner; 1701 277 oberjährige männliche evangelische Landleute. 1763 bewohnten das Dorf über 1000 Menschen; im 19. Jahrhundert knapp 2500; nach 1950 rund 3000. In früher Neuzeit bildete Ennenda einen der fünf kleinen Tagwen des Landes. Die Ennendaner waren nach Glarus kirch-, ab 1594 auch schulgenössig. 1528 erfolgte der Übertritt zur Reformation. 1774 wurde die reformierte Kirche, 1775 das Pfarrhaus gebaut. Die Mehrheit der Ennetbühlser blieb bis 1877 bei der Kirche von Glarus.Im Mittelalter wurde wohl weitgehend selbstversorgende Landwirtschaft betrieben. Erst nach Eindämmung der Linth im Verlauf des 16. Jahrhunderts konnte auch der ebene Talboden genutzt werden, vorerst als Allmende. Schon 1417 sind aber an dessen Rand Mühle, Säge, Hanf- und Flachsstampfe bezeugt. 1616 begann Jakob Bellersheim aus Hessen Schiefertische herzustellen. Der Schiefer wurde vor allem in Engi abgebaut. Dank des Aufschwungs dieses Gewerbes waren von Mitte des 17. Jahrhunderts bis etwa 1750 zeitweise fast alle Haushalte an der Herstellung oder am europaweiten Export von Schiefertischen beteiligt. 1670 wurde eine Indigofärberei am Dorfbach bei Ennetbühls errichtet. Als Handelsdorf erlebte Ennenda in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts goldene Jahre. 1750 liess sich die "Wienerhandlung" Jenny-Aebli & Co., eine der grössten Handelsgesellschaften der alten Eidgenossenschaft mit Hauptsitz in Wien, nieder, die Leinwand und Baumwolle nach Österreich, Ungarn, Polen und Russland ausführte. Im gleichen Zeitraum entstanden die "Deutschländerhandlung" der Firma Markus Oertli & Sohn in Riga sowie die "Holländer Handelsgesellschaft" Weber-Aebli & Co. mit Niederlassungen in Amsterdam, London und St. Petersburg. Sie handelten unter anderem mit Ziger, Dörrfrüchten, Tee und Harthölzern. Die langgestreckte Mülizeile wurde Ende des 18. Jahrhunderts erbaut und ist ein Beispiel für die spätere, im ganzen Kanton verbreitete Zeilenbauweise. Nach dem Untergang der Handelsfirmen etablierten sich im 19. Jahrhundert vor allem Stoffdruckereien mit den charakteristischen Tröcknetürmen ("Hänggitürme"). "Im Trümpigen" ist die Zeugdruckerei Daniel Jenny & Co. fast vollständig erhalten geblieben, sie beherbergt heute unter anderem ein Museum für Ingenieur-Baukunst. Einzig ein Kanal erinnert noch daran, dass im Dorf von 1850-1887 der Industriekomplex Freuler stand. 1885 wurde die Feinpappenfabrik Tschudi & Cie. in Ennetbühls gegründet. Auf dem Talboden entstanden neue Wohnquartiere und prächtige Villen. Im 20. Jahrhundert lösten neue Industriezweige die Stoffdruckereien ab (unter anderem im Bereich Teppichherstellung, Metallwaren, Aufzüge, Elektroapparate, Konfiserieprodukte).1786 wurde eine Schule im Pfarrhaus eröffnet, 1832 das erste Schulhaus des Kantons eingeweiht. 1880 folgte der Bau des Gemeindehauses. 1894 erstellte die freie evangelische Gemeinde eine eigene Kapelle und gründete 1917 das Alters- und Pflegeheim Salem (Neubau 1987). 1975 eröffnete das Alterswohnheim Bühli seine Türen. Das intakte Dorfbild ist von nationaler Bedeutung.1922-24 wurde die Strasse in die Ennetberge gebaut. Ein Wildreservat besteht im Gebiet des Ski- und Wanderbergs Schilt. Mächtige Felsblöcke sind Zeugen einstiger Bergstürze. Am Gässlistein erinnert eine Gedenktafel an Jakob Oberholzer, den Erforscher der Glarner Geologie. Der 1918 geborene spätere Basler Geschichts-Professor Herbert Lüthy schrieb in seiner Schülerzeit "Die Bilderhandschrift von Ennenda".



Filzbach

700m.ü.M.
532 Einwohner
Homepage: www.filzbach.ch

Das westlichste Dorf von Kerenzen ist eine Streusiedlung oberhalb der Südseite des Walensees. 1394 wird es Vilentzspach genannt. Das Bestimmungwort dieses Namens geht zurück auf eine kelto-romanische Grundform vilantia, dessen Bedeutung aber nicht bekannt ist. Ein Wachtturm in Vordemwald, am ursprünglichen Passweg über den Kerenzer gelegen, wurde um 15 vor unserer Zeitrechnung erbaut. Um 16 nach Christus war er verlassen. Eine archäologische Ausgrabung datiert aus dem Jahr 1959. Zum Vorschein kamen dabei die ältesten gemörtelten Mauern in der Schweiz, ein Wasserreservoir in der gesamten Grundfläche des Turmes wie auch eine Lagerstätte im östlichen Teil des Kastells. Südlich davon fand man vermutlich Wegreste des alten Passübergangs. Die lateinische Bezeichnung dieses römischen Saumpfades, der einst in vielen Kehren von Weesen her den Walenberg nordwestlich Vordemwald erklommen hatte, lautete wohl via circinata („gewundener Weg“). Er war also namensgebend für die ganze Region und wurde bis zum Bau der Kerenzerbergstrasse zirka 1840 benützt. Der Bildhauer Benvenuto Cellini aus Florenz beispielsweise schilderte 1537 den Weg über den Berg als wahre Schreckensreise. Filzbach war als Teil des Kerenzerbergs bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts im Besitz des Rapperswiler Adels. Das Dorf war nach Schänis, seit dem 14. Jahrhundert nach Obstalden kirchgenössig. Die Reformation wurde 1528 angenommen. Um 1400 ist die sogenannte Hausrechtsgenossame erstmals fassbar: Diese bezweckte die gemeinsame Nutzung, insbesondere von Alpen, durch drei Geschlechter, die westlich des Sallerntobels wohnten. Ab dem 16. Jahrhundert gehörte Filzbach innerhalb von Kerenzen und zusammen mit Bilten dem 15. Tagwen an. 1887 erfolgte die Aufhebung des Verwaltungstagwens Kerenzen: dessen Besitzungen gingen an die Genossamen der einzelnen Kerenzer-Gemeinden. Die selbstversorgende Landwirtschaft dominierte in Filzbach wohl bis ins 17., der Obstbau im 18. Jahrhundert, die Alpwirtschaft bis heute. Landwirtschaftliche Anteile hatte das Gemeinwesen auch am Rieterbezirk in der Linthebene. Im 18. Jahrhundert wurde die Handspinnerei ertragreich. Die 1889 erbaute Seidenweberei musste 1990 geschlossen werden. 1838 weihte man das heutige Primarschulhaus ein. Die Einwohnerzahl betrug Ende des 19. Jahrhundert etwas mehr als 400, 100 Jahre später knapp 500. Einer der berühmtesten Filzbacher war der Gelehrte Jost Winteler (1846–1929), ein Mentor Albert Einsteins. Seit 1926 existiert das Ferienheim „Lihn“ des Blauen Kreuzes. Nach dem Bau der Walenseestrasse 1964 kam es zu einer touristischen Weiterentwicklung: davon zeugen zwei Sesselbahnen, ein Sport- und Kurszentrum Kerenzerberg mit Hallenbad des Zürcherischen Verbandes für Sport. Infolgedessen entstanden seit den 1970er Jahren neue Wohnquartiere im Westen des Dorfes. In der neuesten Zeit wurde in den Regionen Glarnerland (mit dem in der Sache prädestinierten Kerenzerberg) sowie Sarganserland ein Geo-Park aufgebaut. Das heisst, dass die touristischen und wirtschaftlichen Angebote im Bereich des Bergbaus, der Untertagetechnologie und der Geologie in diesem Gebiet ausgebaut wurden.



Hätzingen

583m.ü.M.
345 Einwohner
Homepage der Gemeinde Hätzingen: www.ch.ch

Das Dorf liegt an der Hauptstrasse, auf der rechten Seite des Grosstals zwischen Haslen und Diesbach. Mit Letzterem bildet die Rufirunse eine gemeinsame Grenze. Auf Hätzinger Gemeindegebiet befinden sich auch der Weiler Tschuepis und ein Teil des Freibergs Kärpf.Um 1350 erscheint erstmals der Begriff Hezzinge[n]. Er bedeutet wahrscheinlich Wohnstätte eines Hazzo, was eine Kurzform zu Namen wie Hadu-brand ist. Dieser Ausdruck seinerseits heisst "Kampfschwert" oder "guter Recke".
Das Gemeindewappen zeigt deswegen einen alemannischen Krieger.Im Spätmittelalter gehörte Hätzingen zum Tagwen Nesselowe. Mit Diesbach, Betschwanden und Haslen zusammen stellte es bis zur Wahlkreiseinteilung von 1989 einen Wahltagwen dar.Zuerst war die Dorfschaft nach Glarus, seit dem 14. Jahrhundert nach Betschwanden kirchgenössig. Die Reformation nahm sie 1528 mehrheitlich an.1538 kam es zum Bau des "Grosshauses", eines Lagers für Salz und Korn. Im 18. Jahrhundert bildete die Handspinnerei die dörfliche Haupterwerbsquelle. Im Jahre 1831 gründeten die Brüder Steuervogt Johann Heinrich Hefti (1790-1862) und Ratsherr Fridolin Hefti (1793-1854) die Wolltuchfabrik in Hätzingen unter dem Namen "Gebrüder Hefti", welche bis zu deren Schliessung 1991 grösste Arbeitgeberin war. 1836 war Letzterer im Kanton der erste Besitzer einer Spinnmaschine, und 1856 führte die mechanische Weberei Hätzingen (ebenfalls als Premiere im Glarnerland) die Gasbeleuchtung ein. Im Jahre 1850 kauften die beiden Räumlichkeiten für eine Spinnerei. 1882 trennten sich die Familien Hefti. Oberst H. Hefti-Trümpy zog mit seinen drei Söhnen nach Italien und gründete in Roé (Provinz Brescia) eine Baumwollspinnerei und Zwirnerei. Die Anlagen in Hätzingen wurden vom Stammhaus zurückgekauft und als Spinnerei betrieben. Vier Fabrikantenvillen - erbaut zwischen 1850 und 1907 - verweisen noch immer auf den Reichtum in der Textilindustrie-Zeit. Die Einwohnerzahl der Gemeinde stieg um die Mitte des 19. Jahrhunderts auf 500; hundert Jahre später gar auf 653. Am 3. August 1893 hingegen wurde die Wolltuchfabrik von einem Brandunglück heimgesucht. Bei diesem Ereignis soll die Redewendung "Hätzige böös" geprägt worden sein. Ein "Feuerreiter" habe mit diesem Ruf durch alle Dörfer bis nach Glarus die Feuerwehren alarmiert. Die Textilfabrik übernahm überdies das Patronat bei mehreren Vereinsgründungen:
1862 beim Männerchor, 1884 beim Schützen- und 1895 beim Turnverein. 1861 finanzierte sie sogar die Einführung einer Sekundarschule. Insgesamt 73 Schüler von Leuggelbach bis Linthal machten während sechs Jahren von dieser Bildungsmöglichkeit Gebrauch. Internationale Beachtung fand nach 1950 der Georg-Bilgeri-Wanderpreis im Skilanglauf, den die Tuchfabrik erstmals an einer Schweizer Meisterschaft im 50-km-Lauf in Linthal stiftete. Das Bilgeri-Tuch für den Skisport war damals der Verkaufsschlager der Firma Hefti.Vorübergehend wuchs die Zahl der Mitarbeitenden auf zirka 640 an, wurde dann aber stets kleiner. 1981 sank sie unter 200, nachdem ein Jahr zuvor die Spinnerei geschlossen worden war.Im Jahr 1986 verkaufte man die Tuchfabrik einem türkischen Konzern. Nach nur fünf Jahren kam das Ende, und dann prägten Fabrikruinen das Hätzinger Dorfbild.Der herausragendste Mitarbeiter der Firma Hefti & Co. war Melchior Hefti gewesen (1879 geboren). Von 1903 an stellte er sich über fünfzig Jahre lang als Schlossermeister in den Dienst der Produktionsstätte. Er bekleidete zudem folgende Ämter: 1905-1908 war er Gemeinderat, 1908-1938 Gemeindepräsident, 1910-1920 Landrat (1918 Präsident), 1913-1917 Augenscheinrichter, 1920-1947 Regierungsrat (1932-1938 Landammann) und 1938-1953 Ständerat.1873 hatte sich die Schulgemeinde Hätzingen entschlossen, die Sekundarschule von der Textilfabrik zu übernehmen. Vorerst wurde im 1841 eingeweihten Primarschulhaus unterrichtet, dann im Anbau des Restaurants "Ochsen". (Die erste Hätzinger Schule ist fürs Jahr 1797 bezeugt.) Im Jahre 1890 baute Hätzingen ein Sekundarschulhaus samt Lehrerwohnung (derzeit dient es als Gemeindehaus). 1923 zogen sowohl die Sekundar- als auch die Primarschüler in das neu erstellte jetzige Schulhaus am Südausgang des Dorfes um. 1973 wurde die Sekundarschule mit Linthal zusammengelegt. Seit 1974 werden hier die Primarschüler von Luchsingen und Hätzingen unterrichtet. Die beiden Gemeinden setzten sich 2001 mit einer Petition für die Erhaltung ihrer Poststelle ein. Vom Jahr 2004 an treten diese Körperschaften zusammen mit Diesbach mit ihren insgesamt 1100 Einwohnerinnen und Einwohnern als Einheitsgemeinde unter dem Namen politische Gemeinde Luchsingen und neuem gemeinsamem Wappen auf.Bereits 1471 musste Hätzingen laut Landsgemeindebeschluss mit anderen Talleuten zusammenspannen, um die Höflieggbrücke in Engi zu unterhalten. Die Hätzinger kauften sich erst 1892 von dieser Verpflichtung los. Die Adlenbacherbrücke war bis 1838 der einzige Übergang über die Linth zwischen Hätzingen und Luchsingen gewesen. Eine böse Überraschung erlebte man in jenem Jahr beim Bau einer neuen Linthbrücke. Nachdem das Gerüst beseitigt worden war, stürzte das Gewölbe ein. Man erstellte nun eine hölzerne Brücke, die 1886 durch eine eiserne und 1980 durch eine betonerne ersetzt wurde. Einer Strassenkorrektion weichen musste 1972 das "Rössli". Wahrscheinlich über 200 Jahre existierend, war es eines der ersten Gasthäuser im Dorf gewesen. Seit 2003 stellt die Runsenkorporation Hätzingen die einzige derartige Körperschaft im Gemeindegebiet dar.1989 war fast ein Drittel der 356 Personen zählenden Bevölkerung ausländischer Herkunft. Seit 1973 gibt es in Hätzingen eine Tibeterkolonie. Die Arbeits- und Wohngemeinschaft Linth für Behinderte ist seit 1988 in Hätzingen einquartiert; acht Jahre später bezog die "Wohngruppe Kärpf" ein Haus in der Gemeinde.Im Winter führt im "Loo" die Langlaufloipe "Töditritt" am heutigen Wohn- und Gewerbedorf vorbei.



Haslen

586m.ü.M.
627 Einwohner
Homepage: www.haslen.ch

Das Strassendorf ist auf der rechten Seite des Grosstals im Gebiet des Freiberges Kärpf zwischen Hätzingen und Schwanden gelegen. Es besteht aus den Weilern Leu (früher Nesslau), Oberhaslen, Büel, Zus(s)i(n)gen und Mülibächli. Der Gemeindename bezog sich ursprünglich nur auf denjenigen Teil des heutigen Dorfes, welcher die Nordseite des Schuttkegels des Haslenbachs bedeckt. (Dieser erscheint bereits 1370 als Nes[s]lower bach.) Das Wort entstand aus der Fügung in has(a)lahe, was "am Haselgebüsch" bedeutet und wohl auf den Staudenwald des Schuttkegels verweist. Einen ähnlichen Sachverhalt bezeichnet wahrscheinlich die Begriffszusammensetzung Nessel-Au. (Die Verkürzung zum heutigen Ausdruck Leu ist ein sprachliches Unikum im Glarnerland.) Schliesslich meint vielleicht auch Zussigen die Leute an der Zusse, was ein Name für die Pflanze canodium ist. Haslen war also um 1300 nur Teil des Tagwens Nesselowe.In einer Schuldverschreibung der Glarner Landleute gegen Rudolph den Hofstätter von 1289 tauchte ein Burchhard von Hasle auf. Neuerdings wird in Erwägung gezogen, dass dieser verwandt oder sogar identisch war mit dem Freiherren Burkhard von Schwanden, welcher nach Ägidius Tschudis Schrift "Chronicon Helveticum" bis im Jahre 1298 (unter anderem) im Besitz der Burgen Sola und Benzingen gewesen sein soll. Dies würde die (archäologisch nicht gesicherte) These unterstützen, wonach im "Stüssihaus" in Zusingen Reste eines mittelalterlichen Turmes vorhanden seien. Es war zumindest das Stammhaus des Ende des 14. Jahrhunderts als Ratsmitglied der Stadt Zürich amtierenden Rudolf Stüssi, dessen gleichnamiger Sohn Bürgermeister der Limmatstadt war während des Alten Zürichkrieges. Auf diese Verbindung deutet noch das Hasler Gemeindewappen hin (1939 kreiert): Das schräg geteilte Feld mit den Farben von Zürich versinnbildlicht Zusingen, während der steigende Löwe und der Haselstrauch an die beiden Weiler Leu(!) und Haslen erinnern sollen.Diese drei Siedlungen wurden erst im ausgehenden Mittelalter zu einem Hasler Tagwen (Bürgergemeinde) erhoben. Hierzu trug eine Bestimmung von 1471 bei, dass die von Nesselowe, Zusingen und Hasle sollend machen den Blattenensteg (Mühlibächli-Brücke). 1896 erfolgte die Loslösung von Haslen aus dem Wahlkreis Diesbach. Anfänglich gehörte die Dorfschaft zur Kirche Glarus, seit dem Bau des Schwander Gotteshauses 1349 aber dorthin. (Dabei wurde der Ort Hasla erwähnt.) In Zusingen stand vor der Reformation eine St. Wendelinskapelle. Der angrenzende Wald heisst noch immer Kappeliwald. Seit 1528 ist Haslen mehrheitlich reformiert.Schon im Mittelalter gab es in der Umgebung neben Klein- auch Grossviehzucht. Im Jahre 1370 ist in einem Gerichtsurteil über einen Rechtsstreit betreffend Holzmark unter anderem von denen von Hasle die Rede. Eine Holzgenossenschaft mit Hätzingen, Luchsingen, Leuggelbach und Nidfurn ist 1496 erstmals belegt; zu Waldteilungen kam es 1735 und 1800.Im Jahr 1777 zählte man 137 männliche Glarner Bürger. Eine eigene Schule ist bereits acht Jahre später nachgewiesen. Am 4. Januar 1800 jedoch schrieb Agent Heinrich Hösli aus Haslen, dass in der Gemeinde weder Milch, Anken noch Erdäpfel in den Häusern zu finden seien, und die Leute, insbesondere Kinder, genötigt seien auszuwandern. 1839 wurde ein Schulhaus erbaut. 1873 entstand das heutige Primarschulhaus.Mitte des 19. Jahrhunderts wohnten bereits 787 Personen in der Dorfschaft. Von 1887 bis zirka 1900 wurde die Verbauung des Hasler Bachs realisiert. (Ein Neubau ist zu Beginn des 21. Jahrhunderts im Gang.) Wichtige Aufgaben der Gemeinde blieben überdies die Alp- und Waldpflege (grosse Sturmschäden 1990 und 1999).Seit 1846 existiert eine mechanische Spinnerei und Weberei (1808 war die Gründung der Bartholome Jenny & Co. erfolgt); im Jahre 1868 waren 456 Personen dort beschäftigt. Heute gibt es zudem auf Gemeindegebiet ein Bauunternehmen, ein Kunststeinwerk, verschiedene Gewerbe- und neuerdings Dienstleistungsbetriebe. Dennoch sank die Einwohnerzahl zwischen 1960 und 1989 von 765 auf 531.Auf der Auenalp besteht noch eine Ferienzone mit ganzjährig bewohnten Häusern. Die Alp Ennetsewen erlangte Berühmtheit durch die Landung des Ballonpioniers Eduard Spelterini alias Schweizer (1852-1931) aus Kirchberg-Bazenheid am 1. August 1900. Gleichentags war er von Rigi First an Bord des "Jupiter" mit zwei Passagieren "angelüftet". Höchstleistungen erbrachte auch der Hasler Bürger Albert Zweifel, der um den Beginn der 1980er Jahre viermal Radquer-Weltmeister wurde.



Leuggelbach

561m.ü.M.
181 Einwohner
Homepage der Gemeinde Leuggelbach: www.ch.ch

Die Gemeinde ist vorwiegend an der Hauptstrasse besiedelt. Sie liegt auf der linken Seite des Grosstals zwischen Nidfurn und Luchsingen am Fuss eines vom Leuggelbach gespiesenen Wasserfalls. Im Süden der Gemeinde befindet sich der Weiler Steinigen. Das "Güetli" ebendort stellt das einzige Moorgebiet in der Talebene des Glarnerlands dar.Das Bestimmungswort der Dorf- und Bachnamen geht wohl zurück auf gallisch Leuka, was "die Weisse" bedeutet. Nach den religiösen Vorstellungen der Gallier lebten in Flüssen und Bergwildnissen göttliche weibliche Wesen, die oft als weisse Frau bezeichnet wurden. In den Schriftquellen taucht Löckelbach bereits 1350 auf. Bis 1772 waren die Leuggelbacherinnen und Leuggelbacher nach Schwanden kirchgenössig, dann teilweise nach Luchsingen.Die Dorfschaft war bis ins 19. Jahrhundert ein mit Sonderrechten ausgestatteter Bestandteil des Tagwens Luchsingen-Adlenbach. 1766 ist zudem erstmals urkundlich der Eschentagwen erwähnt, den Leuggelbach zusammen mit Nidfurn und Luchsingen bildet. Erst 1868 verselbständigte sich die Gemeinde auf Grund eines Teilungsvertrages. Seine Eigenständigkeit erlangte Leuggelbach dank der Industrie. Infolgedessen stieg zwischen 1837 und 1870 die Einwohnerzahl von 203 auf 262. Mitte des 19. Jahrhunderts errichtete Daniel Jenny-Oertli am Leuggelbach eine kleine Weberei, die er nach kurzer Zeit wieder aufgab. 1864 kaufte die in Mollis ansässige Firma Gallatin & Cie. das ganze Areal, um eine Druckfabrik aufzubauen. Vier Jahre später arbeiteten bereits 162 Leute in dieser Zeugdruckerei. 1897 gab es eine Trennung der Firmen, in einen westlichen und einen östlichen Fabrikteil. In jenem entstand der Textilver-edelungsbetrieb R. Schlittler & Cie, welcher 1993 seinen Betrieb einstellen musste. Auf dem östlichen Teil des Areals wurde weiterhin Stoff bedruckt, und zwar durch die Firma A. Schindler & Cie. Deren Schliessung erfolgte 1930. Ab 1933 wurde in diesen Gebäulichkeiten eine bis heute bestehende Lack- und Farbenfabrik eingerichtet.Eine SBB-Haltestelle ist seit 1913 vorhanden. Die Linth-Brücke zwischen Leuggelbach und Haslen wurde als Gemeinschaftswerk der beiden Gemeinden im Jahre 1921 fertiggestellt. Eine Veränderungen im Leuggelbacher Dorfbild brachte auch die Korrektion der Hauptstrasse in den 1950er Jahren.Einige Häuser Leuggelbachs erfasste Ende Juni 1953 ein Hochwasser: Der Luchsinger Bächibach überflutete die Allmeind; Steinigerbach und Schwächetenrunse tobten, und der Leuggelbach staute sich. Dieser trat im Mai 1999 wegen eines Dauerregens und der Schneeschmelze über die Ufer. Bereits im vorausgehenden Februar war die Vorbachlawine viermal innert weniger Tage zu Tal gegangen, so dass Leute evakuiert und die Hauptstrasse gesperrt worden waren. Zwei Jahre danach genehmigte die Gemeindeversammlung ein 2.2 Millionen Franken kostendes Verbauungsprojekt gegen die Schwächeten-Lawine.Ein Gemeinde- und Primarschulhaus weihte die Bürgerschaft 1869 ein; der zwischen 1991 und 2001 bestehende Primarschulkreis mit Nidfurn und Haslen wurde in der Folge ersetzt durch die Schulgemeinde Haslen-Leuggelbach-Nidfurn. Diese drei Dörfer besitzen seitdem auch eine gemeinsame Fürsorgegemeinde. Überdies gaben die Stimmbürgerinnen und -bürger Leuggelbachs im Jahr 2001 für die Zusammenlegung von Tagwen und Ortsgemeinde grünes Licht.Erfolgsmeldungen von der 1912 gegründeten Schützengesellschaft waren und sind keine Seltenheit.



Linthal

662m.ü.M.
1145 Einwohner
Homepage: www.linthal.ch

Die Besiedlung erfolgte zunächst auf den Schuttkegeln vom Auen, Durnagel und Ennetlinth und an den Berghängen. Deshalb besteht die flächenmässig grösste Gemeinde des Kantons mit ihren 15 Alpen aus den drei Teilen Matt, Dorf und Ennetlinth sowie der Streusiedlung Auen im Süden. Lintal erscheint 1289 in den Schriftquellen. Der in diesem Begriff steckende Flussname Linth stammt vermutlich vom gallischen lintä (die Mächtige, Biegsame). Im Habsburger Urbar (um 1300) tauchen die Tagwen Nieder- und Oberlinthal auf. 1376 kauften sich einige Linthaler von den Grundzinsen des Klosters Säckingen los. Nach 1415 entstanden aus Niederlinthal die bis 1836 zu einem Wahltagwen vereinigten Tagwen Ennetlinth und Rüti, aus Oberlinthal die Tagwen Dorf und Matt. 1837 schlossen sich Letztere mit Ennetlinth zusammen.1283 ist eine Kapelle nachgewiesen, die spätestens 1319 zur Pfarrkirche erhoben wurde. 1333 ist eine daneben erbaute Schwesternklause bezeugt. 1518 verfasste Pfarrer Heinrich Linggi von Säckingen das Jahrzeitenbuch von Linthal (mit Angaben über die gefallenen Glarner bei der Schlacht von Näfels 1388). Linthal wurde zwar durch die Reformation paritätisch. Die die drei Tagwen umfassende überkonfessionelle Kirchgemeinde blieb aber bis 1869 erhalten. Das Kirchgebäude wurde freilich nach dem Zweiten Kappelerkrieg den Katholiken zugeteilt, während die Evangelischen den Gottesdienst in Betschwanden besuchten. Als diese 1604 in Ennetlinth ein eigenes Gotteshaus bauten, änderte sich an den weltlichen Belangen der gemeinen Kirchgemeinde jedoch nichts. Dieser gehörten nach wie vor fast alle Wälder sowie die Geissweid- und Wildheurechte. 1795 teilte die Kirchgemeinde den Waldbesitz zwischen den drei Tagwen auf. Der Ortsname war erst in diesem Jahr geschaffen worden. 1781 hatte ein Hochwasser die evangelische Kirche zerstört, ein Jahr später erfolgte der Neubau im Tagwen "Dorf".Die Pfarrei bildeten bis 1895 Gemeinden bis Luchsingen. 1905/06 errichtete August Hardegger die heutige katholische Kirche im Tagwen Matt, während die alte am Fusse des nach ihr benannten Kilchenstocks bis auf den Turm abgebrochen, dieser jedoch unter Denkmalschutz gestellt wurde.Die Landwirtschaft stellte bis ins 18. Jahrhundert fast den einzigen Erwerbszweig dar. Im Mittelalter dominierte die Schafzucht. Seit dem 15., vor allem aber im 17. Jahrhundert wurden für den Export bestimmte Rinder auf den Alpen gesömmert. Den Zugang zur Baumgartenalp gewährleistete die berühmte, 1457 gebaute, immer wieder erneuerte, Pantenbrücke. 1530 kam es zum Bau des "Landvogt-Schiesser-Hauses" an der Matt, welches 1974-76 in den alten Zustand versetzt wurde und nun das Dorfmuseum beherbergt. Schon 1634 wurde überdies ein Gebiet oberhalb der Reitimatt " dem Kalchoffen" genannt. 1690-94 wanderten aber viele Linthaler aus (vor allem nach Brandenburg) infolge von Grenzsperrungen und Armut. Dorf und Matt zählten 1701 78 evangelische und 1703 16 katholische Männer. Verdienst brachte seit 1714 die Baumwollhandspinnerei und, ab zirka 1760, die Handweberei, was gegen Ende des 18. Jahrhunderts zu Bevölkerungswachstum führte (1799 bestand die Einwohnerschaft aus 1538 Personen). Um 1770 aber hatte grosse Armut geherrscht; 1777 wohnten im Dorf nicht einmal 1000 Leute.Nach vielen schweren Hochwasser-Schäden (zum Beispiel 1726, 1762 und 1764) schuf die Linthkorrektion 1832-34 die Voraussetzungen für die Ansiedlung von Industrie. Die 1839 von Heinrich Kunz, Uster, eröffnete heutige "Spinnerei Kunz AG Windisch" ist der weltweit modernste Betrieb der Branche, welcher seit 1997 einer italienischen Textilgruppe gehört. Die 1852 von Gebrüdern Becker aus Ennenda gegründete Feinspinnerei und -weberei, seit 1901 Firma Bebié, stellte bis 1998 Strickgarne her. (Nun erwägt die Region Glarner Hinterland-Sernftal, in den Fabrikgebäuden ein Kulturzentrum zu errichten.) Das glarnerische Fabrikgesetz von 1864, das erste in Europa, regte der Linthaler Pfarrer Bernhard Becker an (eine Gedenktafel befindet sich im Kirchgemeindesaal). 1879 wurde Linthal ans Eisenbahnnetz der Nordostbahn angeschlossen. Die Einwohnerzahl war damals auf rund 2300 angestiegen, nachdem sie 1837 noch 1617 betragen hatte. Um die Wende zum 20. Jahrhundert hingegen sank sie wieder auf zirka 1900. Von 1895 bis 1900 kam es zum Bau der Klausenpassstrasse auf Glarnerseite; 1922 wurde der Postautokurs Flüelen-Linthal eröffnet. 1830-1915 herrschte Kurbetrieb im für seine Schwefelquelle berühmten Bad Stachelberg. (Entdeckt wurde die Heilkraft des Wassers vom Glarner Arzt Johann Marti 1768.) Von nationaler Bedeutung ist das 1957-65 errichtete Hochdruckspeicherwerk Linth-Limmern mit dem Limmern-Stausee. Es bringt der Gemeinde zirka 40 Arbeitsplätze und Steuereinnahmen (Wasserzinsen).
Den ökologischen Tribut zollte der nicht mehr existierende Schreyenbachfall, für dessen Wiederbelebung Initiativen ergriffen werden. 1960 registrierte man denn auch die meisten im Dorf lebenden Personen (2645), dreissig Jahre später aber nur noch etwa die Hälfte (1370). Aus der verkehrspolitischen Diskussion verschwunden ist der Tödi-Greina-Basistunnel, der 1960 von den Ostschweizer Kantonen unterstützt wurde.Zwischen 1600 und 1640 wurden die reformierten Kinder von einem Bauernschulmeister unterrichtet. 1799 trat der erste Lehrer seine Stelle an. 1840 weihte Linthal das evangelische Schul- und Pfarrhaus ein (1974 wurde es zum Gemeindehaus umfunktioniert). 1847 konnte das Schulgebäude Auen bezogen werden, dessen Neubau aus dem Jahr 1958 datiert. Seit 1865 besteht im "Dorf" ein Schulhaus, nach 1973 für Sekundar- und Oberschüler aller Gemeinden des Grosstals von Luchsingen an. Das Dorfschulhaus Sand entstand 1889, dessen Neubau 1973/74. 1938 öffnete das Bürger- und Altersheim seine Tore.Das Tödigebiet (der Name geht auf "d'Ödi" [die Öde] zurück) ist geologisch sehr bedeutsam. Beispielsweise fand man bei Untersuchungen 1944/45 im Staugebiet des zukünftigen Limmernsees Saurierknochen. Im Jahr 2000 gelang sogar die Entdeckung der zweitältesten je in der Schweiz aufgespürten Wirbeltierspuren. Die Fussabdrücke in einer Steinplatte des Rötidolomites stammen wahrscheinlich von einer Gruppe Archosaurier, die vor 230 Millionen Jahren gelebt hatte.Linthal musste sich stets mit den Naturgewalten auseinandersetzen. Die Berglialp-Lawine donnerte 1758 zu Tal. Bergsturzgefahr am Kilchenstock führte 1930 zur Evakuierung eines ganzen Dorfteils. Zwischen 1989 und 2003 wurden rund 5.6 Millionen Franken in ein von Bund, Kanton und Tagwensgemeinden getragenes Waldbauprojekt am Kilchenstock investiert. Im Januar und März 1996 stürzten 2 500 000 Kubikmeter Fels vom Zuetribistock auf die Sandalp, worauf innert fünf Jahren für zwölf Millionen Franken ein Ableitstollen für den Sandbach erstellt wurde.Das Dorf ist touristischer Ausgangspunkt des Klausen- und Kistenpasses sowie für Hochgebirgstouren (etwa zum Tödi, dem Dach des Glarnerlandes, 3614 m ü. M., dessen Erstbesteigung 1837 drei Linthaler Gemsjägern gelang). Auf Gemeinde-gebiet befinden sich fünf SAC-Hütten, darunter die Grünhornhütte (2453 m ü. M.) als erste der Schweiz (1863 erbaut). Von 1922-1934 fanden internationale Klausenrennen statt, denen seit den 1990er Jahren mit sogenannten "Memorials" gedacht wird. Mit "Jeeps" als Zugfahrzeuge setzten sich kurz nach dem Zweiten Weltkrieg jeweils Fastnachtsumzüge von Linthal her kommend in Bewegung. Als Sujets für diese Wagen dienten zum Beispiel die amerikanischen Soldaten im Glarner Urlaub mit ihren Uniformen und ihrer Vorliebe für Kaugummi. Seit 1975 erinnert ein jährlich durchgeführter sportlicher "Maarchelauf" auf der Strecke Glarus-Linthal-Urnerboden an den Jahrhunderte lang andauernden Streit um die grosse Alp und die damit verbundene Sage von je einem Urner und Glarner Grenzläufer.Kulturschaffende inspirierte die Gegend im hintersten Linthtal zu ihren Werken. Im Hotel "Tödi" im Tierfehd, 1860 als "Curanstalt und Gasthof Tödi" und Sommerresidenz für die Gäste des Bades Stachelberg eröffnet, vollendete der Wiener Schriftsteller und Satiriker Karl Kraus 1916 sein Drama "Die letzten Tage der Menschheit". In einer nun abgebrochenen Hütte, unmittelbar beim heutigen Hotelgebäude, wurde 1736 der Riese Melchior Thut (2,34 Meter gross) geboren, dessen Leben die Schriftstellerin Eveline Hasler 1988 in ihrem Roman "Der Riese im Baum" nachzeichnete. Der Maler Alexander Soldenhoff (1882-1951) zog sich in den Sommermonaten jeweils in sein Atelier auf dem "Bödeli" zurück.



Luchsingen

572m.ü.M.
603 Einwohner
Homepage der Gemeinde Luchsingen: www.ch.ch

Das Dorf liegt auf der linken Seite des Grosstals, auf dem Schuttkegel des Bächi- oder Luchsingerbaches und unter dem Felsmassiv des Glärnisch mit dem Bächistock (2914 m.ü.M.). Zur Gemeinde gehören der Weiler Adlenbach und die Ferienhaussiedlung Schlatt, welche durch eine Sesselbahn mit dem Tal verbunden ist.Im Jahr 1274 findet der Name Luchsingen erstmals in den Schriftquellen Erwähnung: Ein Werner von Luchsingen tritt als Zeuge in Glarus auf. Der Begriff für den Ort wird nicht mehr in Beziehung gebracht mit dem Wappentier, dem Luchs, viel eher ist er entstanden als Bezeichnung einer Heimstätte, wo ein Lux (Vorname) wohnte. In der Säckingerzeit ist Luchsingen eine der reichsten Dorfschaften des Tals. Es besitzt noch immer eine der schönsten Allmenden des Kantons, die Alp Bächi.In früher Neuzeit hatte Adlenbach einige Sonderrechte innerhalb des Tagwens Luchsingen. Diese frühere Bezeichnung des Luchsingerbachs (so benannt ab 1518) hat sich demnach als Ortsname erhalten. Dieser weist wohl auf einen oder mehrere adlige Besitzesansprecher in der Gegend hin, welche im Hochmittelalter gelebt hatten. 1868 wurde der Tagwen Luchsingen-Adlenbach neu konstituiert. Die beiden Sterne im heutigen Wappen verweisen auf die zwei vereinigten Tagwen.Luchsingen bildet mit Nidfurn und Leuggelbach zudem den sogenannten Eschentagwen. Kennzeichnend für diesen ist die sich von Leuggelbach bis Luchsingen erstreckende Allmeind. Das Wort Esch bedeutet Saatfeld beziehungsweise Flur. Somit lagen hier wohl einst die nach einem Rotationssystem bestellten Saatfelder der angrenzenden Genossamen.Das Dorf Luchsingen war zuerst nach Glarus, seit 1349 nach Schwanden kirchgenössig; Adlenbach gehörte vom 14. Jahrhundert bis 1868 zur Kirchgemeinde Betschwanden. Die Reformation setzte sich 1528 im Dorf mehrheitlich durch. 1752 kam es zum Bau einer eigenen Kirche.Im 16. und 17. Jahrhundert wurde eine Schwefelquelle in der Bächibachschlucht für ein Heilbad genutzt. Im "Altbad" hatte, schon bevor ein Badhaus bestand, eine von der Genossame Luchsingen betreute primitive Badeeinrichtung existiert, die aus einer Zelle und einem kleinen Gemäuer am Bach bestand. (Die Luchsinger zeigten sie am Umzug zur 600-Jahr-Feier des Kantons Glarus 1952.) Heute gibt der Fels noch zirka einen Liter Schwefelwasser pro Minute heraus.Im 18. Jahrhundert bildete die Handspinnerei den Haupterwerbszweig der Luchsingerinnen und Luchsinger. Die im 19. Jahrhundert eingeführte Industrie konnte sich hier nicht behaupten; so die Spinnerei und Weberei Jenny (existierend 1828/1843-1938) und die Kartonfabrik Tschudi (1880-1970). Jene wurde wegen ihrer günstigen Wasserkräfte von der Stadt Glarus gekauft, welche 1941/43 ein Elektrizitätswerk erstellte. (Auch Seilbahn Luchsingen-Brunnenberg gehört seit 1948 den Werkbetrieben Glarus.) Die Wasserversorgung der Einwohnerschaft gewährleistet die Gemeinde Luchsingen seit dem Jahr 1904. Registriert wurden 1837 im Dorf 608 Personen. (1989 waren es nur unwesentlich mehr Leute, nämlich 615, nachdem es in der Mitte des 20. Jahrhunderts 768 gewesen waren.) 1839 wurde eine neue Landstrasse gebaut, welche das Dorf verkehrsmässig erstmals erschloss, weil sie nicht mehr über Haslen führte.In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert begründete Luchsingen eine Dorfschule. Der erste Dorfpfarrer, der Diesbacher Johann Ulrich Legler, fungierte auch als Lehrer. 1841 errichtete die Gemeinde ein Primarschulhaus, welches seit 1975 für die Realschülerinnen und -schüler auch von Braunwald, Linthal, Rüti, Betschwanden, Diesbach und Hätzingen dient. Umgekehrt gehen seitdem die Luchsinger Kinder nach Hätzingen in die Schule. Im Jahr 1976 wurde überdies die Glarner Werkstätte für Behinderte eingerichtet.1936 baute man eine katholischen Kirche vor allem für die Gastarbeiter der Umgebung. Sie bildet heute mit Schwanden und Linthal eine gemeinsame katholische Pfarrei. Luchsingen bewältigt zum Teil kommunale Aufgaben mit Hätzingen zusammen: so das Schulwesen, die Feuerwehr sowie die Pflege von Wald und Alpen. Vom Jahr 2004 an treten diese Körperschaften zusammen mit Diesbach mit ihren insgesamt 1100 Einwohnerinnen und Einwohnern als Einheitsgemeinde unter dem Namen politische Gemeinde Luchsingen und neuem gemeinsamem Wappen auf. Verbindend wirkten in dieser Umgebung u.a. seit Jahrhunderten immer wieder Naturkatastrophen. Durch eine grosse Lawine aus der Zeit um 1600, an die noch eine Aufschrift am Kopf gegenüber der Brändrunse erinnert, wurde wahrscheinlich auch die kleine Badstube zerstört. Der Bächibach wütetete beispielsweise in den Jahren 1662 und 1664, als die Adlenbacher zu den Fenstern hinaus fliehen mussten. Ende Juni 1953 überflutete er die Allmeind, und im August 2002 brach der Rusenbach aus und richtete Schäden an Kulturland dies- und jenseits der Gemeindegrenze mit Diesbach an. Im Jahr darauf wurde die Runsenkorporation Luchsingen gegründet, welche neu das ganze Gemeindegebiet umfasste.Neu geschaffener attraktiver Wohnraum lockte in den letzten Jahren Zuzüger an. Adlenbach besitzt zudem die besterhaltene Gruppe von Holzhäusern im Kanton, die 1972 unter eidgenössischen und kantonalen Schutz gestellt wurde. Die ältesten Gebäude stammen aus dem 16., die neuesten aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts. Im Sommer sind die Bächialp und der Oberlegisee beliebte Ausflugsziele, welche aus dem Tal oder von Braunwald her zu erreichen sind. In schneereichen Wintern führt vom Skigebiet Bächital her eine Route zum Schlattberg und weiter hinunter bis ins Tal.



Matt

853m.ü.M.
370 Einwohner
Homepage der Gemeinde Matt: www.ch.ch

Das Dorf entstand auf dem Schuttkegel des Krauchbaches am Eingang zum Krauchtal. Besiedelt sind in erster Linie die Weiler Brummbach, Stalden und Weissenberg (Wissenberg[e], 1250-1500 m.ü.M., seit 1967 durch eine Luftseilbahn erschlossen).1273 erscheint ein damaliges Gut als Mattun in einer Urkunde. Der Ortsname bedeutet ursprünglich Wiese. Zwischen 1261 und 1273 - mit Erlaubnis der Äbtissin von Säckingen beziehungsweise von deren Vögten, den Habsburgern, - erfolgte der Bau einer Kapelle, die 1273 zur Pfarrkirche des Tales erhoben wurde. Der Zehnte im Sernftal war 1276 nicht nur umstritten zwischen Ritter Heinrich von Schwanden und dem Meier Diethelm von Windeck, sondern auch zwischen dem Stift Säckingen und der aufstrebenden habsburgischen Landesherrschaft. Das heutige Gotteshaus stammt wahrscheinlich aus dem Jahr 1497; in dessen Innerem befindet sich eine bedeutende spätgotische Holzdecke. 1528 gab es einen Bildersturm während der Amtszeit (1527-1530) des Zwinglifreunds Fridolin Brunner. Seit der Frühen Neuzeit dient die Kirche den Reformierten von Matt und Engi. 1532 besass sie eine Alp im Krauchtal (1843 an den Tagwen verkauft).Die Dorfschaft litt immer wieder unter den Zerstörungen des Sernfs. Mit dem Grosstal wurde sie erst 1828 durch eine Strasse verbunden; 1977 erhielt sie eine Umfahrung. Von Mitte des 19. Jahrhunderts bis 2001 (Eingliederung in die Ortsgemeinde) war der Tagwen Matt Eigentümer der Alpen Krauchtal, Egg und Riseten. Im Gebiet der Alp Vorderegg ("Leitplangge") vernichtete 1954 ein Windwurf 110 Hektaren Wald, einen Viertel der nutzbaren Waldfläche der Gemeinde; vier Jahre später nahm diese die Aufforstung für drei Millionen Franken in Angriff. Zudem erstellte man zu den Alpen Egg und Riseten zwischen 1976 und 1988 Fahrwege. Weitere Erschliessungsprojekte ins Krauchtal, den Boligen- sowie den Haggenwald wurden 1992 auf 5,2 Millionen Franken budgetiert. Nach Hochwasser-Schäden durch den Berglibach 1997 wurde ausserdem eine Verbauung dieses Fliessgewässers projektiert.Im Jahr 1923 bekam Matt neue Installationen für die Wasserversorgung; 1976 dann geschah dies für den Weissenberg. Elektrisches Licht brennt in der Gemeinde seit 1917. Damals lieferte die Spinnerei Spälty den Strom (Elektrizitätswerk-Krauchbach), ab 1931 bezog ihn die Matter Einwohnerschaft von Schwanden. Heute betreibt diese zusammen mit dem Bund ein Elektrizitätswerk im Truppenlager. Abgelehnt wurden hingegen sowohl ein Endlager für radioaktive Abfälle als auch ein Panzerschiessplatz im Krauchtal (1986). Der Sitz der Gemeindeverwaltung ist seit 1985 die "Alte Post".Sowohl Egg und Riseten als auch das Krauchtal - die grösste Alp des Glarnerlandes - werden seit dem Mittelalter (Eintragungen finden sich im Säckinger Urbar von 1350) landwirtschaftlich genutzt; heute dominiert dort die Milchproduktion. Auf der Schönbüelfurggel (2206 m), welche die Grenze zu St. Gallen bildet, hindert während der Alpzeit ein Zaun die über 1000-köpfige Flumser Schafherde daran, im Krauchtal zu weiden. (Im Juli 1986 war es deswegen hier zu einem "Ziegenkrieg" gekommen.) Anfangs des 16. Jahrhunderts wanderte eine Walserfamilie Studer aus Alagna (Val Sesia im Piemont) als Steinmetzen im Sernftal und anderen Orts im Land ein, wo sie den Beinamen Murer erhielt. (Ein Uli Murer begründete wohl den Stamm der Matter Stauffacher, welche seit Beginn des 17. Jahrhunderts mit diesem Namen erscheinen.) 1767 sind Säge, Mühle und Stampf bezeugt. 1777 wohnten im Dorf 257 männliche Glarner Bürger. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts war Matt, wie Engi, übervölkert und wurde von einer Auswanderungswelle erfasst. Zu dieser Zeit lebten in der Gemeinde 659 Leute. 1868 kam es zur Gründung der Spinnerei Spälty (bis 1967, jetzt als Truppenunterkunft für maximal 500 Soldaten und für Ferienlager dienend). Im Steinbruch nördlich von Matt wurden von 1912 bis 1972 Pflaster- und Randsteine hergestellt. (In der Blütezeit beschäftigte das Unternehmen 90 Arbeiter.) In Matt ist jetzt eine Baufirma domiziliert. Neben den herkömmlichen Alp-, Bach- und Strassenkorporationen existiert seit 1982 eine Wohnbaugenossenschaft. Schulunterricht ist schon im 17. Jahrhundert nachgewiesen; im 18. und 19. Jahrhundert führten manche Pfarrer Privatschulen (zum Beispiel Jakob Steinmüller, Pfarrer in Matt von 1748 bis 1782, und Jakob Heer, 1832 Gründer des glarnerischen Schulvereins). In der Gemeinde zum Unterricht ging des Letzteren Sohn, Oswald (1809-1883), später ein Naturforscher von internationalem Rang. (Ein Bildnis von Oswald Heer schmückt das Chorfenster der Kirche, und am nebenstehenden Pfarrhaus erinnert eine Granittafel an ihn. Ausserdem steht eine Büste von ihm im Britischen Museum in London.) 1834 wurde in Matt das erste Schulhaus erbaut. 1861 ist der Ort Sitz der Sernftaler Sekundarschule, heute schulisches Zentrum der gesamten Oberstufe des Tales, während die meisten Primarschüler von Matt die Schule in Engi besuchen. 1990 wurde eine neue Mehrzweckhalle, 2002 ein Sporthartplatz eingeweiht.Von dieser Infrastruktur profitieren nicht zuletzt der Turnverein (seit 1921 bestehend), die Damenriege (1960) und der Sportclub (1985), aber auch der Frauen- und Töchterchor (1914) und die Matter Dorfmusik (1990). Einen eigenen Schiessstand betreibt der Schützenverein (1958 aus den Militär- und Feldschützenvereinen entstanden).Ein Anbau der "Alten Post" beherbergt nun ein Touristenlager. Den Brauch des "Schybenflüügens" thematisiert das Gemeindewappen. Am Fastnachtsabend werden von einem Berghang aus mit langen Haselstöcken brennende, viereckige Holzscheiben durch die Luft ins Tal geschleudert. Etwas Tourismus gibt es am Weissenberg (sonnenreichster Ort im Kanton), im Winter zum Beispiel dank Skitouren-Strecken und einem Schlittelweg ins Dorf hinunter. Auf der Berglialp bietet neuerdings ein Senn Wellness-Ferien mit Älplerspeisen und Molkenbädern an. 1989 wurden 405 Einwohnerinnen und Einwohner gezählt. Seit 1981 berichtet über diese und andere dörfliche Begebenheiten die "Matter Poscht".



Mitlödi

504m.ü.M.
1030 Einwohner
Homepage: www.mitloedi.ch

Die Geschichte von Mitlödi war bis zum beginnenden 20. Jahrhundert bestimmt von der Lage des Dorfes her, dem südexponierten sonnigen Hang, mitten in der Öde, mitten zwischen den verheerenden Runsen, auf derselben prähistorischen Bergsturzmasse wie Schwändi und Sool. Die Hanslirunse floss noch 1625 durch die Geissgasse, die Verbauung der Guppenrunse wurde nach schweren, immer wiederkehrenden Verwüstungen 1904 abgeschlossen. Entscheidend für die Siedlung war vor allem auch das Trink- und Tränkwasser, sowie zu einem späteren Zeitpunkt dann die Lage an der Brücke. Zudem wird das Dorf durch die Linth entzweigeschnitten und zerfällt in den Dorfteil Ennetlinth rechts des Flusses und das eigentliche Dorf.Auf einer Anhöhe nördlich von Sool liegt die Ruine der Burg Sola. Sie wurde im späten 12. und frühen 13. Jahrhundert bewohnt und war um 1250 wohl schon verlassen. Nach Ägidius Tschudis Schrift "Chronicon Helveticum" dagegen fiel sie, als Besitz des Freiherren Burkhard von Schwanden, mit der Burg zu Benzingen im Jahre 1298 durch Österreich. Gemäss dem Habsburger Urbar (um 1300 geschrieben) gab es an der Stelle des heutigen Dorfes drei kleine Weiler: Obermitlödi (vielleicht Schwändi), Niedermitlödi und Horgenberg. Die Klostertreppe erinnert noch an Zeiten vor 1395,
da dem Kloster Säckingen und der Herrschaft Habsburg Abgaben zu leisten waren (vier Malter Hafer und ein Malter Gerste, ein rint, so es gat, wenigstens sieben Schafe und Geld).Mitte des 15. Jahrhunderts stellte die Gemeinde den einzigen Landammann ihrer Geschichte, Konrad Rietler. Und 1527 war Mitlödi einmal Landsgemeindeort. Es war nach Glarus kirchgenössig und ab 1528 mehrheitlich reformiert.Pfeiler der Dorfgemeinschaft waren sicher schon früh die Allmeinden. Bei der ständigen Bedrohung durch die Runsen und durch das Hochwasser der Linth musste der genossenschaftliche (korporative) Aufbau besonders stark sein. Als älteste Allmeindrechte gelten der Tagwentschachen und der Fadenwald. Zwischen 1603 und 1785 wurden sieben weitere Allmeinden angekauft. Bis 1769 besass Mitödi Waldungen, Geissweid- und Wildheurechte mit Sool und Schwändi gemeinsam. Dies drückt sich noch heute im Wahltagwen aus, der alle drei Gemeinden umfasst, während Mitlödi selbst einen Verwaltungstagwen darstellt. Wichtig für die Gemeinde war der Kirchenbau 1725. Die 230 evangelischen Tagwenbürger haben damals den 40 minderberechtigten Hintersassen das Recht eingeräumt, im Kirchen-, Schul- und Armenwesen mitzuentscheiden. Die Katholiken blieben bis 1895 bei der Pfarrei Glarus, nachher wurden sie Schwanden zugeschieden. (Seit 1951 haben sie eine Kapelle in Mitlödi.)Zu wirtschaftlichem Aufschwung führten in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts Tischexport, Wattemacherei bzw. -handel und das Baumwollverlagswesen.Hans Ulrich Grubenmann setzte 1752 nach einem Brand der Kirche den schlanken Helm auf, und sieben Jahre später baute einer seiner Meister das mit Reichsadler und Rütlischwur bemalte Haus für Schiffmeister Fridolin Wild. Eine weitere Verschönerung des Dorfes brachte 1773 der Kirchen- oder Schäflibrunnen, der 1939 zum Dorfwappen geworden ist.1761 kam es zur Stiftung eines Schulguts. Für den evangelischen Teil bestand von 1771 an eine eigene Schule, die 1859 auch katholische Kinder aufnahm. Um 1800 existierte vorübergehend eine katholische Schule. Ein schlimmes Jahr war 1799, als Franzosen und Kaiserliche sich in und um Mitlödi ein eigentliches Treffen lieferten. Der Durchzug Suworows markierte diese Zeit nochmals. Die schrecklichen Jahre nach dem Krieg, ohne Arbeit und Verdienst und bei schwierigsten klimatischen Bedingungen bis 1816/17 zwangen dazu, die Verarmung mit ganz neuen Mitteln zu bekämpfen. Solche Lernprozesse liefen nicht konfliktfrei ab, wie etwa Streitigkeiten zwischen der Gemeinde und dem evangelischen Pfarrer Andreas Tschudi (im Amt 1801-1808) belegen. Einige schöne Empirehäuser von Handelsleuten zeigen, dass sich die Verhältnisse schon um 1830 gewandelt hatten. Überhaupt verlor das Dorf in dieser Zeit sein bäuerliches Aussehen. Auch das 1841 grosszügig gebaute und demonstrativ gelegene alte Schulhaus dokumentiert den neuen Wohlstand und den Eifer der Gemeinde, nicht nachstehen zu wollen. Mitte des Jahrhunderts war die Einwohnerzahl auf rund 650 gestiegen. Doch 1856/57 erst nahm die Yasmasdruckerei Trümpy ihre Arbeit auf und bot schon nach 10 Jahren 390 Arbeiterinnen und Arbeitern Verdienst. Nach 1893 wandelte sich das Unternehmen zur Seidendruckerei, die es - nicht ohne schwere Einbrüche nach 1930 - bis heute geblieben ist. Freilich wurde in jüngster Zeit geschickt diversifiziert. Das eindrückliche Fabrikantenschlösschen Waldegg, am Weg nach Sool, zeugt von der Macht und dem Selbstverständnis der Fabrikherren um 1900. In den letzten Jahrzehnten sind weitere Industriebetriebe nach Mitlödi gekommen, die Protochemie für pharmazeutische und kosmetische Produkte, eine Werkzeug- und Maschinenfabrik, eine Speisefettfabrik, eine Fabrik, die Radios fertigt. Auch führt seit 1999 eine Erdgasleitung bis Mitlödi. Neue Überbauungen im Hinterdorf werden dafür sorgen, dass die Gemeinde mit ihren etwa 1000 Einwohnern nicht um die Zukunft besorgt sein muss.



Mollis

460m.ü.M.
2984 Einwohner
Homepage: www.mollis.ch

Das Dorf Mollis liegt auf dem Rüfischuttkegel gegenüber von Näfels; das Gemeindegebiet reicht im Süden bis zum Schlattbach unterhalb Netstal, im Norden bis zum Linthkanal bei Weesen, umfasst fast das ganze Westufer des Walensees mit Rieterbezirk in der Linthebene, den Weiler Beglingen am Kerenzerberg und die Alp Mullern. 1288 wurde Mollis erstmals schriftlich erwähnt. Die Einwohnerschaft des Dorfes vergrösserte sich stetig (im Jahr 1554 lebten dort 440 Personen, 1701 1150, 1799 1654, 1900 1912 und 1989 2982).Das Gebiet wurde wohl schon in römischer, sicher in alemannischer Zeit besiedelt. Das romanische Wort Mollis bedeutet Sumpfland. Römische Münzen wurden 1765 gefunden. Reste eines gallo-römischen Tempels auf "Hüttenböschen" am Westufer des Walensees datierten Archäologen anfangs der 1960er-Jahre in die Zeit um 100 nach Chistus. Die Anlage wurde bis ins 4. Jahrhundert benutzt.Teile einer Letzimauer bei Beglingen stammten aus der Zeit der Schlacht bei Näfels (1388), wie archäologische Sondierungen 1981 zeigten. Unweit der Letzi, im "Chappelen", wird die noch 1796 sichtbar gewesene St.-Michaels-Kapelle vermutet. Im Dorf baute man 1280 eine Kapelle, welche 1319 zur Kirche erhoben wurde. 1444 löste sich Mollis von der Kirche Glarus ab: die neue Kirchgemeinde umfasste dabei auch Näfels und Oberurnen. Fridolin Brunner, 1523 bis 1525 Dorfpfarrer, leitete die Reformation ein, welche 1529 angenommen wurde.Mollis war in früher Neuzeit ein Wahl- und Wirtschaftstagwen. Am Walenberg (im 16. Jahrhundert) und an der Rüfi (von 1600 bis ins 19. Jahrhundert) gab es Bäder. Zwischen 1714 und 1789 führte die Baumwollhandspinnerei, ab 1760 die Handweberei zu Wohlstand. 1761 baute Hans Ulrich Grubenmann die heutige Kirche. Beim Einbau einer zweiten Empore 1837/38 brachte man nach Plänen von Karl Ferdinand Ehrenberg Gedenktafeln an für die 55 auf dem Molliser Friedhof bestatteten Gefallenen der Schlacht bei Näfels. Zwischen 1600 und 1850 waren 94 Molliser als Offiziere in fremden Diensten, im 17. und 18. Jahrhundert übten zahlreiche Molliser, insbesondere die Zwicky, Schmid und Schindler, Landesämter aus.Mollis galt daher während der Helvetik als "Aristokratennest". Von 1798 bis 1803 erlebte Mollis viele Kriegshandlungen und Einquartierungen fremder Truppen. 1811 wurde nach vierjähriger Bauzeit der Escherkanal fertiggestellt.Die liberale Kantonsverfassung von 1836 war zur Hauptsache ein Werk des Molliser Staatsmannes Dietrich Schindler. Industrialisierung und Verkehrsaufkommen folgten: Die Kerenzerbergstrasse wurde 1836 bis 1851 gebaut, 1859 schloss sich Mollis ans Bahnnetz an; Textilfabriken entstanden, vor allem Stoffdruckereien (im Feld). 1987 quartierte sich auf diesem Gelände eine Textilhandelsfirma ein. Eine Spinnerei in der Allmend existierte von 1860 bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts. (Die Allmende ist seit 1941 ein Militärflugplatz.) Lange Tradition hatten in Mollis die "Zigerriibenen". Im Jordan zeugt davon nur noch ein "Riibischei". Überlebt haben hingegen eine Pinselfabrik und ein Betrieb für elektrische Kleinapparate. Daneben wurden seit dem 18. Jahrhundert die Steinbrüche an der Linthbrücke und im Haltengut betrieben. Im Gäsi entstand im letzten Jahrhundert ein Naherholungsgebiet.Der erste Schulhausbau erfolgte 1852. Bereits 1846 hatte man eine Mädchenerziehungsanstalt gegründet (später Kinder- und Jugendheim). Im 1784 vom Architekten und Ratsherrn Conrad Schindler erbauten palastartigen Haltli war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Töchterinstitut untergebracht, seit 1912 die Erziehungsanstalt für Schwachbegabte (heute Sonderschulheim). Das Dorfbild ist von nationaler Bedeutung und wurde 1975 durch den Europarat ausgezeichnet. Viele Herrensitze der Schindler, Schmid und Zwicky stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert, unter anderen das "Zwickyhaus" von 1621 (dessen Renovation war 1932 Anlass zur Gründung des Glarner Heimatschutzes), das "Dekanenhaus" von 1700, das "Schindlerhaus" ("Försterhaus") um 1720, das "Neuhaus" um 1750, der "Fabrikhof" (erbaut von Conrad Schindler) um 1785, der "Hof" von 1787 (ebenfalls von Architekt Schindler entworfen), welcher seit 1976 das Ortsmuseum beherbergt. Im "Hertenacker" steht das Wohnhaus des ersten eidgenössischen Fabrikinspektors Fridolin Schuler und beim "Steinackerplatz", auf dem bis 1935 Gemeindeversammlungen stattfanden, das Geburtshaus des Humanisten Heinrich Loriti (Glarean). Daneben befindet sich der "Glarean-Brunnen" (erbaut 1985). Auf dem Molliser Friedhof begraben ist Fritz Zwicky (1898-1974), einer der bedeutendsten Astrophysiker des 20. Jahrhunderts.



Mühlehorn

428m.ü.M.
440 Einwohner
Homepage: www.muehlehorn.ch

Das östlichste zu Kerenzen gehörende Dorf, liegt am Südufer des Walensees, auf dem Schwemmkegel („Horn“) des Meerenbachs. Zu Mühlehorn gehören die Weiler Vortobel, Tiefenwinkel und Mühletal an der nordöstlichen Kantonsgrenze. 1551 wurde Mülihorn erstmals in schriftlicher Form erwähnt. Wohl im 15. Jahrhundert kam es in glarnerischen Besitz und blieb bis 1885/87 Mitglied des Verwaltungstagwens Kerenzen. Es gehörte hingegen bis 1806 zu Obstalden. Als geeigneter Anlegeplatz wurde es wahrscheinlich zuerst von Fischern und Schiffleuten bewohnt. 1575 wurde erstmals ein Mühlenbesitzer erwähnt. Die im 18. Jahrhundert erbaute Hammerschmiede renovierte man 1966 und eröffnete sie 1971 wieder. Sie ist eine der ältesten noch betriebenen Schmieden der Schweiz und steht zur Besichtigung offen. 1760 kam es zur Gründung einer eigenen reformierten Kirchgemeinde. Die Kirche von 1761 war ein Werk von Hans Jacob Messmer, der zum Umkreis des Baumeisters Hans Ulrich Grubenmann gehörte. Im 19. Jahrhundert existierten in Mühlehorn zahlreiche Gewerbe, zum Beispiel die Müllerei, die Schiffahrt, der Holzhandel und die Viehzucht. Die drei im Helvetischen Kataster von 1801 verzeichneten, vom Meerenbach getriebenen Mühlen sind längst umgewandelt oder stillgelegt worden. Auch die 1878 erbaute Walzmühle der Gebrüder Heussi brannte 1907 bis auf die Grundmauern nieder, wurde 1908 neu aufgebaut, diente ab 1973 noch als Lagerhaus und wurde 1980 erneut ein Raub der Flammen. Zwischen 1837 und 1840 errichtete Mühlehorn das erste, 1912 das heutige Primarschulhaus. Um die Wende zum 20. Jahrhundert betrug die Einwohnerzahl rund 550. 1859 wurde die Gemeinde ans Netz der Vereinigten Schweizerbahnen angeschlossen. Zwischen Mühlehorn und Mülital (Obstalden) wurde bis 1924 Zementmergel abgebaut und in einer Fabrik am selben Ort verarbeitet. Im November dieses Jahres fand der Abbau ein jähes Ende, als bei zwei Felsstürzen das Bahngleis sowie die Zementfabrik verschüttet wurden. Der Zürcher Geologe Albert Heim empfahl, die Eisenbahnstrecke in einen Tunnel zu verlegen. Von anderer Seite wurde angeregt, in diesem Fall das bisherige Bahntrassee in eine Strasse umzuwandeln. Beides wurde 39 Jahre später mit der Eröffnung der Walenseestrasse Wirklichkeit. Auf einem Teil der alten Bahnlinienführung kam dann der Veloweg zu liegen. Heute besitzt Mühlehorn zudem einen eigenen Autobahnanschluss. Das Dorf bewohnten Ende des 20. Jahrhunderts rund 500 Personen, nachdem 1960 fast 700 Leute registriert worden waren. Grösster Arbeitgeber ist eine Firma für Webmaschinenzubehör. Im Sommer ist ein Strandbad in Betrieb. In den kurzen Tagen des Jahres ist der Sonnenstrahl aus dem Mürtschenloch von Hüttenbergen (Obstalden) bis nach Mühlehorn zu sehen.



Näfels

437m.ü.M.
3980 Einwohner
Homepage: www.naefels.ch

Das Dorf Näfels lag grösstenteils auf dem Rücken eines nacheiszeitlichen Bergsturzes zwischen den Bergbächen Rauti und Tränki. Dazu kamen die Streusiedlung Näfelser Berg und das Oberseetal. Erst nachdem zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Linthkorrektion durch Hans Conrad Escher die Überschwemmungen gebannt hatte, dehnte sich das Dorf in der Talsohle aus.Funde römischer Münzen machte man in dieser Gegend im 19. Jahrhundert. Der Name Näfels (lateinisch novale bedeutet Neubruch), ist ein Zeugnis für eine kelto- bzw. rätoromanische Urbarisierung des Landes. Auf der Burg zu Näfels amteten 1240 Fridericus und Udalricus de Nevels. Damit ist erstmals urkundlich der Name Näfels genannt. Ab der zweiten Hälfte des 13. Jahrhundert gerieten diese "kleinen" Freiherren in Konflikt mit der habsburgischen Landesherrschaft. 1351 zerstörten eidgenössische Krieger die Burg. Von der in dieser Zeit erbauten Letzi sind im westlichen Teil Fragmente erhalten. Das Aufkommen von Viehzucht und -handel in der innerschweizer Region, zu welcher Glarus im 14. Jahrhundert immer stärkere Kontakte pflegte, hatte die Abgrenzung von Weiderechten zur Folge. Zum Andenken an die 1388 gegen ein österreichisches Ritterheer gewonnene Schlacht bei Näfels wurde 1389 in der Umgebung der heutigen Kirche eine Kapelle gestiftet, und vermutlich im selben Jahr erging der Erlass eines jährlichen Bittgangs, die sogenannte Näfelser Fahrt, heute entlang von elf Gedenksteinen führend. Bis 1419 war in Näfels jeden Sonntag Warenmarkt. Ein Alpbrief von 1476, 1617 erneuert, regelte die Alpsömmerung von Schafen, Schweinen, Rindern und Pferden im Oberseetal. Allmählich vereinigten sich die beiden Tagwen Obern- und Niedernnevels zum Tagwen Näfels.Die Ortschaft lehnte die Reformation ab, bildete 1532 mit Oberurnen eine eigene, katholische Kirchgemeinde, und eine 1523 erbaute Kapelle wurde 1534 zur Pfarrkirche geweiht. Immer besser wird für diese Zeit fassbar, dass sich in Näfels eine katholische Oberschicht etabliert hatte, aus der bis zum 19. Jahrhundert rund 300 hochrangige Offiziere in fremden Kriegsdiensten hervorgingen. Insbesondere die Familien Freuler, Reding, Müller, Hauser und Gallati bauten hier feudale Herrensitze und sakrale Stätten. So stiftete Gardeoberst Kaspar Gallati im Jahre 1612 die Friedhofkapelle. Der Freulerpalast 48 erbauen-im Dorfzentrum, den sein Enkel, Oberst Kaspar Freuler, von 1642 liess, ist mit seiner Innenausstattung einer der bedeutendsten Herrensitze des 17. Jahrhunderts in der Schweiz. Seit 1946 beherbergt er auch das Museum des Landes Glarus. 1604 wurde das Haus "An der Letz" als markantes Giebelhaus erbaut. Es war Wohnsitz des ersten Schweizer Generals Franz Niklaus von Bachmann, dem Wiederentdecker des "Schweizerkreuzes" als Feldzeichen. Das Haus wurde 1909 von Ida von Müller zur Aufnahme von Waisenkindern bestimmt und der Gemeinde geschenkt. In der Nähe des 100 Jahre jüngeren Freulerpalastes hatte Fridolin Tolder um 1550 ein gemauertes Gebäude erstellt.Demgegenüber wurde die barocke Pfarrkirche St. Hilarius an der Stelle eines spätgotischen Baues von 81 erbaut. Von 1623 bis 1837 tagte 49 Mal-1523 nach Plänen von Jakob Singer 1778 die katholische Landsgemeinde in Näfels. Auf dem einstigen Burghügel betrieben 77-die altgläubigen Glarner, zum Missfallen der reformierten Landsleute, 1675 die Errichtung des Kapuzinerklosters Mariaburg.Im 18. Jahrhundert kamen die Milchwirtschaft und die Baumwollhandspinnerei auf; 1768 entstand eine Indiennefabrik. Im Jahr 1777 zählte man 533 Näfelser Männer. Die Industrialisierung setzte sich allmählich durch: 1823 wurde eine Spinnerei, 1833 die erste, 1850 eine weitere Zeugdruckerei, 1856 eine Metallgiesserei eröffnet. Um die Jahrhundertmitte lebten im Dorf knapp 2000 Personen. Am 22. August 1837 führte der Widerstand von Näfels gegen die neue, konfessionelle Unterschiede nicht mehr berücksichtigende Kantonsverfassung zu einer Besetzung des Dorfs durch drei glarnerische Kompanien.1831 eröffnete das Kapuzinerkloster ein Knaben-Untergymnasium, später geführt als Sekundarschule mit fakultativem Lateinunterricht. 1984 musste die Klosterschule aufgegeben werden. (1986 traten die Kapuziner das Kloster an die Franziskaner ab.) Die Dorfschule wurde von 1840 an im Freulerpalast untergebracht und erhielt 1877 ein eigenes Schulhaus. Der 1840 durch die Gemeinde erworbene Freulerpalast beherbergte von 1846 an auch ein Armen- und Betagtenheim. 1937 kam es zum Neubau eines Altersheims; 1984 nahm ein regionales Alters- und Pflegeheim seinen Betrieb auf.Ebenfalls im Freulerpalast wurde 1890 das erste Gemeinde-Elektrizitätswerk des Kantons eingerichtet. Heute besitzt Näfels das Wasser des Obersees sowie des Brändbachs nutzende Anlagen. Im Tal jenes Sees entstand zudem um 1911 das Wildbanngebiet "Rauti-Tros"; auch in diesem Bergtal befindet sich das Naturreservat "Boggenmoos" (Hochmoor).Die Einwohnerzahl stieg im Verlaufe des 20. Jahrhunderts von rund 2900 auf etwa 3800. Im Jahr 1957 wählte die Maschinenfabrik Netstal Näfels als Standort. Hinzu kommen heute unter anderem die Textilwerke Fritz Landolt AG. 1975 wurde das Sportzentrum Glarner Unterland eingeweiht. Eine lange Tradition besitzt nicht zuletzt die Näfelser Fasnacht.



Netstal

464m.ü.M.
2833 Einwohner
Homepage: www.netstal.ch

Netstal ist auf der linken Talseite besiedelt. Zudem ist das Dorf beidseits des vom Klöntal herkommenden Löntsch gelegen. Das Dorfbild wird geprägt durch vier Hügel, Zeugen eines prähistorischen Bergsturzes vom Glärnisch. Eine erste Spur menschlichen Daseins in dieser Gegend belegt eine Pfeilspitze aus Feuerstein, welche der Jungsteinzeit (6000 bis 1800 v. Chr.) zuzuordnen ist.Netstal wird 1289 erstmals urkundlich erwähnt. Ob der heutige Dorfname aus dem "Stall des Bauern Net" abgeleitet werden kann, auf das althochdeutsche Wort "Netz" (mit der Bedeutung Quelle) zurückgeht oder anderen Ursprungs ist, lässt sich nicht belegen. "Netzstal" hiess zunächst nur der Weiler, dessen wenige Häuser sich um einen der Bergsturzhügel duckten. Die Burgstelle auf dem Oberen Bühl, ehemals wohl Sitz der Herren von Netstal, wurde gegen 1300 verlassen; auf der 25 m hohen Bürglen befinden sich Reste eines mittelalterlichen Refugiums, das spätestens um 1350 aufgegeben wurde.Im Tagwen Netstal sind bis zum 16. Jahrhundert Siedlungen wie Leuzingen, Löntschen und ein Teil des verschwundenen Tagwen Turserron aufgegangen. Zur Gemeinde wurde auch bis um 1900 das Klöntal als zugehörig betrachtet.Netstal war von Alters her nach Glarus kirchgenössig. 1421 stiftete einer der reichsten Eidgenossen seiner Zeit, alt Landammann Mathias Netstaler, eine Kapelle. Noch heute erinnert das Gemeindewappen an dasjenige der früheren Familie Netstaler, aber es gibt darin jetzt statt einen drei Sterne, welche die drei der Gemeinde angegliederten Weiler versinnbildlichen. Erst 1777 erfolgte die Ablösung des Wahlrechtes durch die Gemeinde. 1876 wurde Netstal zur selbständigen katholischen Kirchgemeinde erhoben. Das jetzige Gotteshaus weihte man 1935 ein.1697 wurde eine erste protestantische Kirche auf dem Platz des derzeitigen Friedhofes erbaut. 1810/13 kam es zum Bau des heutigen Gotteshauses durch die Kirchgenossen im Frondienst.Zwischen 1624 und 1837 tagten die katholische Landsgemeinde 77 Mal im Erlen, an der Grenze zu Näfels, und der katholische Rat des Landes Glarus bis 1742 im heute noch bestehenden Gasthaus "Raben", dann bis 1798 im jetzigen Restaurant "Zum alten Rathaus". Auffallend ist auch das "Stählihaus", eine der wenigen Riegelbauten im Kanton, welches 1728 aufgerichtet wurde.Im 16. Jahrhundert zählte man in der Dorfbevölkerung rund 500 Seelen. Durch das Auftreten der Pest in den Jahren 1611 und 1629 wurde sie stark dezimiert. Teuerungen und Hungersnöte zwangen die Netstaler zu Diensten in fremden Heeren und zur Auswanderung in alle Welt. Immerhin begünstigte die Wasserkraft im 16. Jahrhundert das Entstehen von Gewerbe. 1548 erscheint in den Schriftquellen die erste Mühle, 1651 erstmalig eine Zigermühle. Als Erster hatte Heinrich Weber-Walcher (1654-1722) am unteren Dorfbach eine Papiermühle betrieben. In dieser Zeit handelte man vermehrt mit Brenn- und Bauholz aus dem Klöntal. Aus der während des Sommers von Netstalern in Frankreich ausgeübten Wattemacherei entwickelte sich auch ein ausgedehnter Strohhuthandel.Während der Helvetik war Netstal dem Distrikt Glarus zugeteilt worden. Das Dorf erlitt 1798/1799 grosse Schäden durch kriegerische Ereignisse. Eine russische Kanonenkugel sowie die Aufschrift "1799" am Restaurant "Sternen" erinnern an die heftigen Kämpfe zwischen Franzosen und Russen in und um Netstal.Die Industrialisierung im 19. Jahrhundert betraf besonders den Bereich Textilien. 1856 erfolgten zudem die Gründung der nachmaligen Netstal Maschinen AG, heute mit Hauptsitz in Näfels, sowie 1859 der Anschluss ans Eisenbahnnetz. Zwischen 1820 und 1875 wanderten viele Netstaler Fachleute, vor allem Käser, nach Russland aus.Um die Wende zum 20. Jahrhundert gab es die noch heute existierenden Fabriken für Papier, für Metall- und Plastikwaren ("Stöckli", seit 1878), für Kalk ("Chalchi", seit 1900) und Zahnräder ("Sauter, Bachmann", seit 1922). Viele Fabrikantenvillen sind Zeugen dieser Entwicklung. Die Einwohnerzahl Netstals verdoppelte sich beinahe zwischen 1799 und 1870 (Anstieg von 1350 auf 2600 Personen). Ein Museum dokumentiert (seit 1981) unter anderem den Bau des Löntschwerks (1905-1908) mit dem Staudamm im Klöntal. Seit 1862 bis zu dessen Fertigstellung hatte man dort in grossem Stile Eis gewonnen.Bereits 1725 wurde in einem Bauernhaus erstmals ein Schulzimmer eingerichtet, 1737 der erste Schulmeister gewählt. Am 6. Juni 1877 weihten die Netstaler ein gemeindeeigenes Schulhaus ein, dem 1936 ein Sekundar- und 1959 ein Primarschulhaus angegliedert wurden. Seit 1867 besteht auch ein Kindergarten. Am 15. Dezember 1941 ereignete sich unterhalb Netstals ein Minenwerferunglück, bei dem vier Wehrmänner aus der Stabskompanie des kantonalen Bataillons 85 ihr Leben verloren. Ein Gedenkstein, an dem eine Glarner Ehrenkompanie alljährlich an der Näfelser Fahrt einen Kranz niederlegt, erinnert an diese Tragödie. Den legendären Glarner Anführer der Schlacht bei Näfels, Mathias Ambühl, verewigt eine Tafel am "Ambühlhaus". Unweit von diesem brannte 1952 das Netstaler Casino ab. Ein Gewerbe- und Einkaufszentrum eröffnete man 1995 an Stelle einer erst Ende der 1970er Jahre erstellten Textilfabrik.



Nidfurn

540m.ü.M.
244 Einwohner
Homepage: www.nidfurn.ch

Die Gemeinde befindet sich südlich von Schwanden auf der linken Talseite an der Hauptstrasse. Im Habsurger Urbar (um 1300) erscheint der Ortsname erstmals als ze Nitfúre. Im selben Verzeichnis werden die zwei getrennten Tagwen Nidfurn und Obfurn aufgeführt. Den Flurnamen "Fur" (mit der Bedeutung Abhang) gibt es noch südöstlich von Nidfurn neben der Hasler Oberrüti. Ist hier das abgegangene Obfurn zu suchen? Anlässlich der Lostrennung Schwandens von der Kirche Glarus um 1350 erscheinen beide Ortschaften als Villae oder Dörfer. Seitdem gehört Nidfurn zur Schwander Kirche und ist von 1528 an mehrheitlich reformiert.Politisch bildete Nidfurn in früher Neuzeit mit Luchsingen und dem heutigen Leuggelbach einen Bestandteil des sogenannten Eschentagwens; wirtschaftlich aber ist es von jeher eine Bürgergemeinde mit gesonderter Tagwensrechnung und eigener Allmeind. Im Mittelalter stellte der Ort eines der ertragreichsten Glarner Güter dar. Vorwiegend wurden Schafe und Ziegen gehalten. Letztere kamen als Erwebszweig etwas später auf; dies blieben sie dafür bis ins 20. Jahrhundert. Zudem blühte die Rinderzucht. Die Milchwirtschaft betrieben die Nidfurner im 18. Jahrhundert intensiver. Im Jahr 1496 ist eine Holzgenossenschaft mit den Nachbarorten erstmals belegt; zu Waldteilungen kam es 1735 und 1882. Eine Bleicherei war zwischen 1660 und etwa 1850 der einzige Gewerbebetrieb. Die Baumwollhandspinnerei florierte von 1714 bis zirka 1770. Das ländliche Dorfbild prägen noch immer stattliche "Blumerhäuser", zum Beispiel die "Hoschet" (vor 1500 aufgerichtet) und das "Bleichehaus" (um 1640) mit bäuerlichem Barocksaal. Deren Erbauer gehörten zur Führungsgruppe sowohl des alten Landes Glarus als auch der Eidgenossenschaft. (Das Wappen der Blumer, dasjenige der Böniger und der Schmid konstituieren das jetzige Nidfurner Gemeindewappen.) Zu Beginn des 18. Jahrhunderts gab es im Dorf 127 evangelische Männer. Seit 1780 existiert in Nidfurn eine eigene Schule, 1835 erfolgte der Bau eines Schulhauses; 1991 wurde der Primarschulkreis Nidfurn-Haslen-Leuggelbach gegründet. Einen Wahlkreis bei Landratswahlen bildet Nidfurn mit den Gemeinden Leuggelbach, Luchsingen, Haslen, Hätzingen, Diesbach und Betschwanden. 1879 kam es zum Anschluss der Gemeinde ans Eisenbahnnetz der Nordostbahn. Trotzdem verringerte sich zwischen den Jahren 1850 und 1888 die Bevölkerungszahl von über 600 auf knapp 400. Nidfurn besass bis in jüngster Vergangenheit keinen Industriebetrieb. Hingegen arbeiteten um 1980 zirka 60% der Erwerbstätigen in auswärtigen industriellen Produktionsstätten. Von 1960 bis 1990 sank die Zahl der Nidfurnerinnen und Nidfurner von 382 auf 275. Die heutige Wohnbauförderung trägt aber zunehmend Früchte. Nichts anhaben vermochte der Gemeinde der Absturz eines Kalksteins vom Geisser am 17. Mai 1985.



Niederurnen

435m.ü.M.
3701 Einwohner
Homepage: www.niederurnen.ch

Das Industriedorf Niederurnen liegt im Glarner Unterland, am Ausgang des Niederurner- oder Alpentals. Es ist mit der selbständigen Gemeinde Oberurnen zusammengewachsen, mit dem es in früher Neuzeit einen Wahltagwen gebildet hatte. Durch die Autobahn A3 wird Niederurnen von der Industriesiedlung Ziegelbrücke getrennt, welche aber auch zur Ortschaft gehört.Vielleicht schon im 11. Jahrhundert wurde der Ort Niter Urnnen genannt. Der Name Uranae stammt aus dem Lateinischen: Villa orana bedeutet Landgut am Bort, am Rande, hier wohl bezogen auf die Linthebene.Beim Bau des Linthkanals fand man ein keltisches Bronzeschwert. Niederurnen gehörte im Hochmittelalter zur Grundherrschaft des Klosters Schänis; der ursprünglich wohl weiter südlich verlaufende Dorfbach bildete die insbesondere von den Habsburgern beanspruchte "Grenze" zwischen Glarus und dem Niederamt genannten Gaster. 1265 fand erstmals die Burg Oberwindegg Erwähnung. Deren Besitz war um 1300 unter "kleineren" Adligen sehr umstritten. Zum Beispiel erwähnen Schriftquellen zum Jahr 1302 einen Rudolf den Sümer als amman ze Glarus und in dem nidern ampte. Im selben Jahr war aber auch ein Konrad von Schalchen im Zürcher Oberland (vielleicht identisch mit einem Ritter von Glarus!) als Ammann zu Windegg belegt und wenig später tauchte ein Hartmann Meier von Windegg auf. Zudem war 1306 Bilgeri von Wagenberg (bei Winterthur) "österreichischer Amtmann" zu Glarus. Sassen alle diese praktisch gleichzeitig erscheinenden Leute wirklich auf verschiedenen Burgen (vom Namen her kommen ja nur diejenigen von Ober- und Niederwindegg bei Schänis in Frage)? Hingegen handelte es sich bei dieser Häufung von Amtsträgern wohl lediglich um konkurrierende Besitzansprüche der "grossen" Herrschaften, welche über die nötigen Schreibstuben verfügten, um überhaupt Urkunden produzieren zu können. Im Laufe des 13. und zu Beginn des 14. Jahrhunderts buhlten demnach um diesen seit langem wichtigen Standort nicht nur die weltlichen Herrschaften Kyburg, Rapperswil, Habsburg oder Werdenberg, sondern auch Klöster, zum Beispiel Wettingen(!), Einsiedeln, Schänis oder Säckingen.1386 zerstörten die Glarner die Burg und Niederurnen wurde von diesen annektiert.Die Niederurner Reformierten entfernten 1528 aus der St. Verenakapelle Bilder und Altäre; die kirchliche Trennung von Schänis wurde 1605 abgeschlossen. 1659 kam es zur Erweiterung der Kapelle zur Kirche.Die Nähe zur schiffbaren Linth begünstigte wohl sehr früh den Handel. Die zunehmende Alpsömmerung von Grossvieh führte zwischen 1540 und 1550 zur Gründung der Alpgenossenschaft, 1667 zu derjenigen der Alt-Schatzkorporation, 1756 zur solchen der Neuen Evangelischen Schatzkorporation. Die Einwohnerzahl stieg in dieser Zeitspanne von 200 (ums Jahr 1550) über 530 (1701) auf 770 (1799). Um 1640 ist der heute grösste Glarner Rebberg unterhalb der Ruine Oberwindegg erstmals belegt. Im 17. Jahrhundert gab es zahlreiche Gewerbe dank genügend Wasserkraft und der Blüte des bis ins 20. Jahrhundert benutzten Mineralbads. Bereits 1657 hatte Rudolf Gwerb in einem Flugblatt das heilsamme Wasser- und Gesund-Bad zu Nider-Urnen gepriesen. Aus der Mitte des 18. Jahrhunderts stammt die 1991 restaurierte ehemalige Seidenbandweberei, die "Bandfabrik". Durch die Linthkorrektion gewann die Gemeinde viel Kultur-, Bau- und Industrieland. Um 1830 erfolgten die Gründung der ersten Stoffdruckerei von den Brüdern Johann Melchior und Balthasar Steinmann und 1898 deren Schliessung unter dem Namen Gebrüder Fr. & A. Tschudy; 1903 begann die Asbestzementfabrikation in denselben Räumen. Das Unternehmen entwickelte sich zur Eternit AG (heute mit asbestfreien Produkten). 1834 war in Ziegelbrücke die für ganz Niederurnen wichtige Spinnerei und Weberei Fritz + Caspar Jenny AG entstanden.1838 bauten die Niederurner das erste Schulhaus, weitere Schulhausbauten folgten 1910 und 1964. Zwischen diesen Eckdaten unterschied sich die Anzahl der Niederurnerinnen und Niederurner um mehr als das Zweifache: im Jahr 1850 betrug sie rund 1500, 1960 fast 3400. 1875 wurde die Gemeinde ans Eisenbahnnetz der Nordostbahn angeschlossen. 1886 verheerte der Dorfbach aufs schlimmste die Ortschaft; Bach-Verbauungen datieren aus den Jahren 1888-92. 1904 wurde das Elektrizitätswerk am Dorfbach in Betrieb genommen. Sorgen brachten wieder die Zeiten des Ersten und Zweiten Weltkrieges mit den dazwischen liegenden Krisenjahren, als auch der nicht meliorierte Boden in der Linthebene Ackerland werden musste. Eine erste Ortsplanung kurz nach dem Zweiten Weltkrieg lenkte die Entwicklung neuer Wohnquartiere und Gewerbezonen. 1937 weihte man die katholische Kirche ein, 1956 löste sich Niederurnen von der Mutterkirche Oberurnen: es entstand die katholische Kirchgemeinde Niederurnen-Bilten. Die Gemeindeversammlungen finden im Gemeindesaal "Jakobsblick" statt, den Fabrikant Caspar Jenny in den 1950er Jahren der Öffentlichkeit geschenkt hat. (Den Namen verdankt das Gebäude dem ersten Niederurner Regierungsrat Jakob Schlittler.) 1973 nahm die kantonale Kehrichtverbrennungsanlage ihren Betrieb auf, 1975 ein Fernmeldezentrum mit regionalen Aufgaben, 1978 das Altersheim. In der seit den 1980er-Jahren bestehenden Niederurner Autobahnraststätte befindet sich unter anderem die Tourismus-Informationsstelle für das Glarnerland.



Oberurnen

430m.ü.M.
1837 Einwohner
Homepage: www.oberurnen.ch

Oberurnen ist heute ein Industriedorf im Glarner Unterland, und ist mit dem nördlich gelegenen Niederurnen zusammengewachsen. Oberurnens ältester Dorfteil liegt auf dem Schuttkegel der Rüfirunse. Der Ort wurde 1340 erstmals urkundlich erwähnt als Obern Urannen. Der Name Uranae stammt aus dem Lateinischen: Villa orana bedeutet Landgut am Bort, am Rande, hier wohl bezogen auf die Linthebene. Im Habsburger Urbar (um 1300 entstanden) wird als einer der glarnerischen Tagwen jener von "Brunnen" erwähnt, der vermutlich mit Oberurnen identisch ist. Der Name leitet sich von der heute noch als Brunnenfluss bezeichneten Fortsetzung des Rautibaches ab. Die Vorburg, heute besterhaltene Burgruine des Kantons, errichteten vermutlich die Habsburger Ende 13., Anfang 14. Jahrhundert; 1369 war sie einem (österreichisch gesinnten?) Rudolf Stucki verpfändet, spätestens im 15. Jahrhundert verlassen.Oberurnen beteiligte sich nach 1280 am Bau der Molliser Kapelle, welche 1319 zur Kirche auch für Näfels und Oberurnen erhoben wurde. Da diese beiden Gemeinden die Reformation ablehnten, bildeten sie 1532 eine eigene, katholische Kirchgemeinde. 1592 errichtete diese die wertvoll ausgestattete Nothelfer-
kapelle.1704 verteilte die Gemeinde die Schwänditalalpen im Oberurner Berggebiet auf drei Alpkorporationen, zu denen sich die Bürger von Oberurnen wohl zur Steigerung des Ertrags zusammenschlossen. Ein Jahr zuvor hatte man insgesamt 91 katholische männliche "oberjährige" Landleute registriert. 1839 kaufte die Gemeinde die Sonnenalp.Zur Industrialisierung kam es kurz nach der zwischen 1807 und 1827 durchgeführten Linthkorrektion: Eine Spinnerei wurde 1833, eine Baumwolldruckerei 1836 eingerichtet. Letztere wurde nach 1890 durch eine Seidenweberei abgelöst, die 1974 einging und deren zum Abbruch freigegebene Räumlichkeiten 2003 Rettungstruppen der Armee sprengten. 1875 wurde Oberurnen ans Eisenbahnnetz der Nordostbahn angeschlossen. 1887 erfolgte die Gründung des Gesenkschmiedewerk Schraner AG, 1906 die Inbetriebnahme des Elektrizitätswerks. Zwischen den Jahren 1850 und 1900 stieg die Einwohnerzahl nur unwesentlich von rund 700 auf zirka 860.Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das erste Dorfschulhaus fertiggestellt. Im Jahr 1860 war der Bau des Schulhauses im Schwändital für Schüler aus dem Oberurner und Näfelser Berggebiet beendet, 1964 derjenige eines weiteren Schulhauses. Eine heilpädagogische Tagesschule existiert seit 1969.1868 hatte sich Oberurnen von der Kirchgemeinde Näfels getrennt und eine eigene Kirche eingeweiht. 1976 schliesslich wurde ein Mehrzweckgemeindehaus eröffnet. Im Dorf wohnten in dieser Zeit rund 1700 Personen, wogegen um 1950 hier knapp 1200 Leute gelebt hatten.



Obstalden

685m.ü.M.
447 Einwohner
Homepage: www.obstalden.ch

Das mittlere Dorf von Kerenzen besteht aus den Weilern Mülital, Voglingen, Nidstalden, Stocken und Walenguflen. Die Schriftquellen erwähnen Obstalden erstmals 1325. Der Flurname Stalden bedeutet "steiler Weg, Bort, Abhang". Bis ins 14. Jahrhundert war das Dorf nach Schänis kirchgenössig. Die eigene, um 1300 erbaute, Kirche ist in einer mit dem Jahr 1444 datierten Urkunde erwähnt. Wandmalereien stammen aus dem 14. und 15. Jahrhundert, eine umfassende Restaurierung mit teilweiser Wiederherstellung der mittelalterlichen Fresken geschah in den Jahren 1977-1980. Die Reformation setzte sich in Obstalden 1528 durch, der Loskauf von Schänis erfolgte 1593. Um 1700 wurde unter dem Obstalder Pfarrer Johann Melchior Zwicki das "Höfli" unterhalb der Kirche erbaut; dessen Frau Dorothes führte eine Wirtschaft. Kurz darauf floh ein Amtsnachfolger Zwickis, Johann Peter Stähli, wegen einer angedrohten Vaterschaftsklage nach England. Unter anderem reichte er bei der britischen Regierung ein Gesuch zum Bau einer Schweizer Kirche in London ein.Um 1400 wird die sogenannte Heimkuhgenossame erstmals fassbar: sie bezweckte die gemeinsame Nutzung vor allem von Allmendwiesen durch östlich des Sallerntobels Wohnende; 1806 wurden diese Besitzungen zwischen Obstalden und Mühlehorn aufgeteilt. Im 17. und 18. Jahrhundert bildeten sich zudem sogenannte Alte und Neue Alpgenossame, in denen sich Einwohner zur Nutzung von Alpweiden zusammenschlossen. Im 17. Jahrhundert betrieb man Eisen-, aber vor allem Kupfer- und Silberabbau im Mürtschengebiet, welcher in den Jahren 1848-64 und 1916-20 wieder aufgenommen und intensiviert wurde. Im 18. Jahrhundert war die Handspinnerei weitverbreitet. Zwischen 1890 und 1960 pendelte die Einwohnerzahl um 500, im Jahr 1989 betrug sie nur noch knapp 400. 1881/82 bauten die Obstalder das heutige Primarschulhaus, 1961 das Sekundarschulhaus, das seit 1973 Realschule des Oberstufenschulkreises Kerenzen-Mollis ist.Obstalden war zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein angesehener Luftkurort. Eine Attraktion geblieben ist das Stockloch, ein Felsenfenster im Mürtschenstock, durch welches zweimal pro Jahr die Sonne und manchmal der Mond scheint. Auf dem Friedhof von Obstalden ist der 1962 verstorbene Prinz Rachid Osman aus Konstantinopel begraben. Auf dessen Grabplatte steht: "[Er war] Mitglied der türkischen Kaiserfamilie und letzter Vertreter des osmanischen Grossreichs".



Riedern

515m.ü.M.
643 Einwohner
Homepage: www.riedern.ch

Die flächenmässig kleinste Gemeinde des Kantons liegt auf einem Schuttkegel eines prähistorischen Bergsturzes aus dem Gebiet östlich des Deyenstockes ("Blanken"). Im Lauf der Jahrtausende formte der Löntsch in den Schuttmassen eine Rinne, welche das Fliessgewässer zum heutigen "Buchholz" bei Glarus und zur Linth leitete. Bei der "Bärschirüti" durchbrach dann indes der Bach sein linkes Ufer, und es entstand dessen neues Bett über das "Kohlgrüebli" sowie durch Riedern.Aus dem Jahr 1350 stammt die erste schriftliche Überlieferung des Namens Riedern. Der Begriff deutet darauf hin, dass das Kulturland durch Reutungen entstanden war. Hierauf verweist zudem der bereits im Habsburger und Säckinger Urbar genannte Tagwen Turreson, aus dem unter anderem die Dorfschaft hervorging. Das Wort für diesen Weiler trägt die Bedeutung Baumstrunk, was seit 1939 das Gemeindewappen mit dem "Stubben" zum Ausdruck bringt. (Die beiden sechsstrahligen Sterne stellen die Tagwen Riedern und Durschen dar.)Wohl seit dem 15. Jahrhundert zum Ort Glarus gezählt und dorthin kirchgenössig, bildete Riedern dennoch eine eigene Genossame. Sie war seit der Reformation paritätisch, jedoch mehrheitlich evangelischen Glaubens, und löste sich wahrscheinlich im Rahmen von Streitigkeiten um Weiderechte zwischen 1543 und 1630 von Glarus ab. Noch 1560 zählte aber Gilg Tschudis Häuserrodel zehn Einheiten auf Riedern und eine in der Lärchen zum Tagwen Glarus "ussert" dem Dorf. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts trat jedoch Netstal Rechte über die Weiler Bruch, Au und Durschen an Riedern ab. Trotz der Trennung bildeten Letzteres und Glarus in früher Neuzeit einen Wahltagwen, stellten im Militärwesen gemeinsame Mannschaften und gehörten in kirchlichen und schulischen Angelegenheiten zusammen. Folgerichtig wurde 1862 die Kirchgemeinde Glarus-Riedern aus der Taufe gehoben.Überdies nahmen Grundbesitzer der beiden Gemeinwesen (sowie von Netstal) Einsitz in der Brunnenkorporation, welche 1607 in einem Dokument erstmals genannt wurde. Dieses kam etwa 1793 zur Anwendung, als Johann Marti, der Entdecker der Stachelberger Heilquelle, von Brunnenvogt Rudolf Zwicky beschuldigt wurde, von einem Rinnsal verbotenerweise ein "Röhrli Wasser" in das "Lusthäusli" des Arztes genommen zu haben. (Notabene handelte es sich dabei um das noch existierende "Suworowhäuschen" zwischen Glarus und Netstal; ein weiteres Nachtlager des russischen Generals befindet sich an der Klöntalerstrasse.) Erst 1959 gingen Rechte und Pflichten der Brunnenkorporation an die Ortsgemeinde über. Diese bewilligte 1971 einen Kredit für Kanalisationsarbeiten, das Wassernetz sowie für Kabelrohre für das Elektrizitätswerk und das Fernsehen. 1985 konnte ein Mehrzweckgebäude mit Gemeindehaus bezogen werden. Sieben Jahre danach erhielt Riedern ein neues Dorfzentrum, 1993 einen Gemeindesaal. 1996 fusionierte die Feuerwehr mit Glarus. Seit dem Jahr 2002 besteht zudem das Sozialamt der beiden Nachbargemeinden. Riedern sorgt schliesslich für den Unterhalt der alten (mit "Gletschermühlen") und neuen 40 m langen Tobelbrücke über den Löntsch.Von öffentlichen Aufgaben profitierte seit dem 16. Jahrhundert das Handwerk: 1595 sind Kübelmacher bezeugt; im späten 18. und im 19. Jahrhundert das Steinmetzgewerbe. Salomon Simmen und Jakob Stüssi verarbeiteten Riedener Bergsturzfelsen zu Brunnenbetten, welche dann - auf unterlegten Tannen - von bis zu 60 Männern in die verschiedenen Dörfer gezogen wurden. (1777 zählte man in Riedern total 102 männliche Landleute.)Gleichzeitig führte ein Rudolf Heer unter anderem in Riedern die Handspinnerei ein. Einer seiner Söhne, Johannes (1792-1856), entschloss sich um die Mitte der 1830er Jahre, in der Lerche neben einer Weberei eine Stoffdruckerei zu betreiben, die er aber bald darauf nach Glarus ins Pressi-Quartier verlegte. Ein langjähriger Mitarbeiter in Vater Heers Betrieb, Jakob Spälty (1775-1875!), gründete mit seinen zwei Söhnen die Firma Jakob und Gabriel Spälty, welche 1837 im Lerchen die mechanische Spinnerei lancierte. Die Fabrik nutzte dafür den Löntsch, der unterhalb Riederns gestaut worden war. Er lieferte in den Blütezeiten des Unternehmens Wasserkraft für 11 000 Spindeln; daneben wurde auf 340 Webstühlen produziert. Zwischen 1850 und 1888 verdoppelte sich die Bevölkerungszahl Riederns beinahe; sie stieg von 341 auf 642. Anfangs der 1940er Jahre betrug sie noch knapp 500. Nach 1943 war Gabriel Spälty-Bally der Vertreter der fünften Inhabergeneration. Gabriel Spälty-Leemann aus Netstal erwarb im Jahre 1954 die Baumwollweberei Riedern AG. Danach existierte am herkömmlichen Geschäftssitz nur noch eine Spinnerei, während in den neuen Gebäuden Webmaschinen betrieben wurden. Im Jahre 1981 jedoch wurde die Weberei stillgelegt. Danach mieteten sich in der früheren Fabrik der Spälty & Cie. AG verschiedene Firmen ein. 1989 zählte man in der Gemeinde sogar mehr als 650 Einwohnerinnen und Einwohner.Eine Weberei wurde ausserdem 1867 im Gebiet Auli von Landrat J. H. Leuzinger-Sigrist aus Netstal erbaut. Im Maximum wurden dort 170 Arbeiter angeworben. Am 26. August 1910 indes brannte die Fabrik nieder und wurde daraufhin nicht mehr aufgebaut. Dasselbe Schicksal ereilten die Räumlichkeiten einer grossen Bleiche und Weberei, welche Schlossermeister Matheus Staub (1812-1888) in den Jahren 1855-57 sowie 1866 am Löntsch errichtet hatte. 1912 erfolgte die Fusion der Firma mit der von den ehemaligen Inhabern der zerstörten Auli-Weberei neu gegründeten Baumwollweberei (nach 1956 Teil der Firma Spälty & Cie. AG Netstal) und Bleicherei (seit 1955 das Gebäude einer Armee-Basisapotheke) Riedern AG. Die stillgelegten, später zum Teil bewohnten, Bauten an der Klöntalerstrasse wurden am 26. Oktober 1955 ein Raub der Flammen, wobei es vier Todesopfer gab.Erst 1872 erfolgte der Bau des Schulhauses, das vier Jahre später von der Schulgemeinde Glarus-Riedern übernommen wurde.Zur Postversorgung diente ab 1866 ein Briefkasten, der am Gasthaus "Tell" (eröffnet 1826) befestigt war. Jakob Stüssi war dort Wirt und Posthalter von 1901 bis 1944.Weitere lokale und nationale Berühmtheiten aus Politik und Sport brachte Riedern hervor. 1952 und 1959 wurde Fritz Stüssi-Ries mit dem Karabiner Armeegewehr-Schweizermeister. Als erster Glarner Langläufer hielt 1967 Fritz Stüssi, Mitglied des Skiclubs Riedern, Einzug in die Nationalmannschaft und vertrat im folgenden Jahr die Schweiz an den Olympischen Spielen in Grenoble. Ebenfalls 1968 starb der frühere Landammann und Ständerat Heinrich Heer. Er hatte mit Rudolf Stüssi, ebenfalls Riedener Bürger, viele Jahre lang den Stand Glarus in der kleinen Kammer in Bern vertreten - wohl ein Unikum für eine kleine Gemeinde. Riederns erster Regierungsrat wurde 1974 Emil Fischli-Grab. 1976 nahm Hansruedi Süssli an der Olympiade in Innsbruck im Biathlon-Einzellauf teil, zwei Jahre später errang er den Schweizermeister-Titel in dieser Sportart. Die Sportschützen waren 1983 in der Nationalliga A. In den zwei darauffolgenden Jahren wurde Markus Hauser Schweizermeister im militärischen Fünfkampf. An Winter-Armeemeisterschaften hatte bereits Röbi Bernold in den 1960er Jahren insgesamt dreimal Gold geholt. 1988 ging Balz Stüssi-Rickenbacher nach 17 Jahren als Gemeindepräsident und 41 Jahren als Lehrer in Pension. 1995 wurde der spätere Regierungsrat Röbi Marti erster Landratspräsident aus der Gemeinde. Überragt werden aber diese Personen vom französischen Bürgerkönig Louis Philipp, der von oberhalb der Büttenenwand aus mit steinerner Miene dem Geschehen im Tal zuschaut…



Rüti

625m.ü.M.
422 Einwohner
Homepage der Gemeinde Rüti: www.ch.ch

Das historische Strassen- und Brückendorf im hinteren Grosstal liegt auf der rechten Seite der Linth und nördlich des Durnagel. Um 1340 erscheint der Name Rüti erstmals in schriftlicher Form. Er bedeutet Rodung beziehungsweise urbar gemachtes Land.Bis 1836 bildete Rüti mit dem Linthaler Ennetlinth einen Wahltagwen. Die Verbindung ergab sich durch die hier stehende, 1388 erstmals erwähnte, älteste Linthbrücke des Glarnerlandes. Überreste eines mittelalterlichen Wohnturms wurden am Haus "Spielhof" am gleichnamigen Platz gefunden. Erst 1939 kam es zur Trennung vom ehemaligen grossen Alpgebiet Braunwald. Mit diesem sowie mit Linthal ist Rüti Teil eines Landratswahlkreises.Die Dorfschaft gehörte ursprünglich zur Kirche Glarus, seit zirka 1300 zu derjenigen Betschwandens; sie schloss sich 1528 der Reformation an.Die Land- und Alpwirtschaft war bis ins 19. Jahrhundert die wichtigste Einnahmequelle Rütis. Die Einwohnerzahl betrug Ende des 17. Jahrhunderts rund 250. Danach kam die Baumwollhandspinnerei auf. Ihr Niedergang und die Bevölkerungsvermehrung hingegen führten um 1770 zur Verarmung. 1837 zählte man aber über 800 Rütenerinnen und Rütener. Die 1846 von den Herren Becker und Milt im Sätliboden eröffnete Baumwollspinnerei war zwischen 1979 und 2002 in griechischem Besitz, danach musste sie ihre Produktion als letzter Industriebetrieb im Dorf einstellen. 1856 hatten die Gründer die Wasserrechte an der Linth und am Marglenbach gekauft. (Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stellte die Gemeinde Rüti das Gesuch, aus den Marglenquellen Wasser zu fassen.) Seit jenem Jahr befand sich in einem Haus neben der Fabrik auch die "industrielle Versorgungsanstalt", ein Heim für bedürftige Knaben und Mädchen ab neun Jahren. Unter der Leitung von katholischen Schwestern wurden die Kinder bei zwölf Stunden Fabrikarbeit pro Tag erzogen. An zwei Halbtagen pro Woche unterrichtete überdies der Pfarrer von Linthal den Arbeiter-Nachwuchs in schulischen und religiösen Belangen. 1897 übernahm die neue Firma Schuler dieses Kosthaus. Dessen Schicksal war Ende der 1970er Jahre besiegelt, nachdem das Unternehmen erneut den Besitzer gewechselt hatte. In der 1850 von den Gebrüdern Hefti aus Hätzingen errichteten ehemaligen Wollweberei im Tschächli wurden zwischen 1982 und 2002 für die Automobilindustrie Kunststoff-Fäden zu Strukturgarn verarbeitet. Die zwei Textilfabriken zogen um 1900 viele ausländische Arbeitnehmer an. (Noch heute weist die Gemeinde mit etwa 35% den höchsten Ausländeranteil im Kanton auf.) 1980 arbeiteten vier Fünftel der Erwerbstätigen im Industrie-Sektor. Im Jahr 1930 liessen sich über 1000 Personen amtlich registrieren, 1941 nur noch 670, 1990 504. Seit Mitte der 1990er Jahre verschlimmert sich die Finanzlage der Gemeinde, welche auf Hilfe von aussen angewiesen ist.Nicht nur Kosten verursachten zerstörerische Naturgewalten im Verlauf der Dorfgeschichte. Fünf Rütener Holzer kamen am 5. Februar 1891 ums Leben, als sie in der Schüttirunsgegend von einer Staublawine mitgerissen wurden, welche sich am Saasberg gelöst hatte. Auf dem Friedhof von Betschwanden erinnert ein Grabstein an dieses Unglück.Keine Menschenleben forderte indes die Durnagel-Katastrophe vom 24. August 1944. Der Bergbach überschwemmte nach einem Gewitter die Ebene zwischen Rüti und Linthal mit einer halben Million Kubikmeter Schutt. Wald, Felder und Wiesen wurden dabei zerstört, Maschinensäle der Firma Schuler und Wohnstuben überflutet sowie die Eisenbahnlinie unterbrochen. Heute ist der Durnagel gezähmt. Von 1947 bis 1992 verbaute man den Bach mit 82 Sperren und sechzigtausend Tonnen Beton.Weniger gravierend waren die Schäden durch die Hochwasser der Schüttenrunse (zum Beispiel 1953 und 1983). Demgegenüber verursachten die Rutschung "Bätschen" von Braunwald her und Murgänge in der Wüechtenrunse Ende Februar 1999 grosse Verwüstungen, insbesondere in der Nähe der alten Brücke. Eine Sanierung derselben wurde im Jahr 2001 beschlossen.Heute führt die Hauptstrasse ausserhalb des Dorfkernes vorbei. Die dortigen Blockbauten mit ihren reich verzierten Dachpfetten geniessen den Schutz des Bundes. Das Anfang des 16. Jahrhunderts erbaute Haus "Spielhof" birgt in seinem Innern eine spätgotische, geschnitzte Decke, welche unter anderem ein Fridolinswappen zeigt. An diesem Ort wurde die Gerichtsbarkeit ausgeübt und der Wegzoll erhoben.Der Spielhof-Platz diente in früher Neuzeit dem militärischen Spiel und der Präsentation der Waffen fürs ganze hintere Glarnerland. Die Wichtigkeit dieser Stätte dokumentiert der Umstand, dass im 17. Jahrhundert eine Schiessanlage auf Landeskosten im Dorf unterhalten wurde. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts verschwand der Personenname Kloter. Dieser war bereits seit 1395 im Tal Glarus nachgewiesen worden und bezeichnete wahrscheinlich Angehörige der ländlichen Führungsgruppe, welche mit dem zürcherischen Raum in Verbindung stand. 1692 lebten elf Personen dieses Namens in Rüti. Der Ausdruck Klotersegg für ein Waldgebiet an der Priesternrunse erinnert daran, ebenso der sogenannte Kloterstein unter dem Saasberg. Dort sind der Name Jacob Kloter und die Jahreszahl 1656 eingeritzt. 1823 wurde in Rüti zum ersten Mal Schule gehalten; als Schullokal diente die Stube im "Brugghaus". 1834 erhielt das Dorf ein eigenes Schulhaus. Zehn Jahre später wurde Fridolin Vögeli zum Schulmeister gewählt. Dieser amtete während mehr als vier Jahrzehnten und war der Begründer einer Lehrerdynastie gleichen Namens. In den 1920er Jahren wurde das Schulhaus erweitert und erhielt das heutige Aussehen. (Die Sekundarschüler besuchen die 1865 gegründete Unterrichtsstätte in Linthal.)1990 stellte die Gemeinde eine Mehrzweckhalle fertig, was das Vereinsleben Rütis fördert. Es gibt einen gemischten Chor (1999 wurde 125 Jahre Chorgesang gefeiert), einen erfolgreichen Schützenverein, einen Judo-Club, den FC Rüti (mit eigenem Fussballplatz), die regionale Feuerwehr, Sanitäts- und Frauengruppen, einen Ski- (mit Skilift in der Gemeinde) sowie einen Motorradclub und so weiter. Die Vereinigung "Pro Rüti" wurde 1982 gegründet und integriert rund 60 Ferienhausbesitzer in die Gemeinde.



Schwändi

701m.ü.M.
397 Einwohner
Homepage: www.schwaendi.ch

Das Bergdorf Schwändi liegt auf der Abbruchmasse eines prähistorischen Bergsturzes zwischen Guppen- und Hanslirunsen am Fuss des Vorderglärnisch. Die Gemeinde besteht aus Ober- und Unterschwändi sowie dem Weiler Lassi(n)gen. Im Habsburger Urbar (ums Jahr 1300 verfasst) erscheint erstmals der Name Obermitlödi, welches sich zu Schwändi entwickelt haben dürfte. Mitte des 14. Jahrhunderts wird Swendi erstmals schriftlich genannt. Das Wort bedeutet Stelle, wo ausgereutet wurde. Im Ertragsverzeichnis (Urbar) der Kirche Schwanden von 1523 figurieren unter dem Vermerk "auf Schwändi" die heute noch existierenden Flurnamen Wingällen, im Grund, Schupfen, Flecken, Schiben, Spicher, Bort, Faden und Schlatt. Daneben enthält das Schriftstück die nicht mehr gebräuchlichen Namen Niderdorf, Brenndli, Nellenbühl, Stilacker, Zägen und Baumgarten. Ursprünglich war die Ortschaft nach Glarus, seit 1349 nach Schwanden kirchgenössig. 1528 trat sie wohl mehrheitlich zum reformierten Glauben über.Seit der frühen Neuzeit bildet Schwändi mit Mitlödi und Sool zusammen einen Wahltagwen. Schwändi hatte zudem bis 1769 mit diesen Dörfern gemeinsamen Land-, vor allem Waldbesitz. 1701 beheimatete es 22 evangelische erwachsene Männer, Mitte desselben Jahrhunderts 164 Personen. Kurz vor 1800 lebten bereits über 530 Menschen auf der "Sonnenterrasse". Wohl vom Hochmittelalter an dominierte die Kleinviehzucht, die nach dem Aufkommen der Baumwollhandspinnerei zu Beginn des 18. Jahrhunderts nebenbei betrieben wurde. Auch im 19. Jahrhundert waren Ziegenhaltung und Wildheuen für die vorwiegend ausserhalb der Gemeinde als Textilarbeiter beschäftigten Einwohner Schwändis ein wichtiger Nebenerwerb. Die Gesamtzahl der in Schwändi Ansässigen war 1860 auf beinahe 850 angestiegen. Die akute Wohnungsnot zu dieser Zeit führte zum Bau der Reihenhäuser im Schibli und Neuhaus.Seit 1785 ist eine Schule im Ort nachgewiesen. 1835 beendete man dann den Bau des Primarschulhauses. Schwändi war die Heimat des Dichters Caspar Schiesser (1812-1839).Grosse Armut herrschte zu Beginn und in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Gemeinde hat ausser dem Wald keine Ressourcen. Zudem verursachen seit jeher Murgänge und Lawinen gewaltige Schäden. 1845 entstand dennoch die Strasse nach Schwanden. (Seit 1960 gibt es einen Busbetrieb dorthin.) Im Jahr 1870 wurde die Strasse nach Glarus eröffnet.Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es im Dorf Skirennen. Schwändi etablierte sich auch als Kurort und zählte sieben Hotels und Gasthäuser mit vier Sälen. 1933 kam es zum Bau eines kleinen Schwimmbades durch Freiwillige. In den 1980er und 1990er Jahren registrierte man in Schwändi zahlreiche Neuzuzüger; die Einwohnerzahl vergrösserte sich deshalb in diesem Zeitraum von 276 auf über 400. Eine Naturerscheinung tritt jährlich am 24. Februar ein; dann steigt die Sonne morgens um acht Uhr im "Loch", dem tiefen Einschnitt zwischen Foo- und Gandstock, empor und scheint dann ununterbrochen bis 15.30 Uhr.Erst seit der schweizerischen Landesausstellung 1939 verfügt Schwändi über ein Wappen. Dessen Schöpferin Ida Tschudi berief sich wohl auf ihren Namensvetter Ägidius, den grossen Glarner Chronisten des 16. Jahrhunderts. Für ihn stammte die Zürcher Ratsherren-Familie Schwend, welche um 1300 in Urkunden belegt ist, aus Schwändi. Schon diese Angehörigen der städtischen Führungsgruppe trugen zwei Rosen mit den gekreuzten Stielen im Wappen, genauso wie Jahrhunderte später das Dorf im Glarnerland. Bei der Auswahl des Sujets nicht zum Zug kamen demnach die sieben alten Bürgergeschlechter Baumgartner, Jenni, Knobel, Schiesser, Schindler, Störi und Zimmermann.Ebenfalls in der Tradition von Gilg Tschudi stehend, verwies Professor Andreas Baumgartner (1844-1936), der als Bürger von Schwändi in der Gemeinde aufgewachsen war, 1926 auf die Überlieferung seiner Vorfahren, dass eine Burg einst oberhalb "Schupfen" am Weg ins "Dicken" gestanden hätte. Grabungen waren jedoch unterblieben und in einem "Aufruf an die Glarnerischen Burgenfreunde" (1928) kamen dessen Verfasser zur Ansicht, dass auf Grund aller Abwägungen, die für oder gegen eine Burg auf Schwändi sprechen, dort nie eine solche gestanden habe.



Schwanden

521m.ü.M.
2583 Einwohner
Homepage: www.schwanden.ch

Das Dorf am Zusammenfluss von Linth und Sernf ist das Zentrum des Glarner Hinterlands. Der Weiler Thon, auf der erhöhten Westseite des Ortes gelegen und in der alten Siedlungsstruktur erhalten geblieben, war bis 1876 eine selbständige Dorfschaft. Südlich von Schwanden erhebt sich der 1548 als ältestes Jagdbanngebiet der Schweiz eingerichtete Freiberg Kärpf. Im Westen erstreckt sich das Gemeindegebiet über die Guppenalp bis zum Vrenelisgärtli (2903 m.ü.M.) Spärliche Funde aus der Umgebung stammen aus keltischer und römischer Zeit. Der Name des Dorfes hat aber seinen Ursprung wohl im althochdeutschen swanta, was soviel heisst wie zum Verschwinden bringen. Ähnlich wie die Bezeichnungen der Dorfteile Rüti oder Grüt führt das Wort Schwanden auf das Waldroden zurück. Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes stellt vielleicht eine Urkunde dar, die mit der Jahrzahl 1240 datiert worden war. Ein Henricus de Swando erscheint darin als Zeuge. Seine freiherrliche Familie beanspruchte wahrscheinlich die Burg Benzingen, die auf der Moräne am nördlichen Dorfeingang stand. Jedenfalls wurde sie im 13. Jahrhundert erbaut und schon nach wenigen Jahrzehnten verlassen. Nach Ägidius Tschudis Schrift "Chronicon Helveticum" fiel die Burg zu Benzingen, als Besitz des Freiherren Burkhard von Schwanden, mit der Burg "Sola" bei Mitlödi im Jahre 1298 durch Österreich. 1304 führte ausgerechnet ein Freiherr Burkhard von Schwanden in seinem Siegel einen stehenden Schwan. Haben wir hier den Ursprung des Gemeindewappens vor uns? Jedenfalls trugen andere Angehörige desselben Adelsclans mit nachweislich engen Kontakten zum Tal der Linth zwei Schwanenhälse als Helmzier, so die Rapperswiler Grafen. Aus der gleichen Zeit stammt der gemauerte Teil des ältesten noch erhaltenen Hauses, des "Turehuus" im Thon.Schwanden war vom Ende des 15. bis zum 18. Jahrhundert ein sogenannter grosser Tagwen. Eine Brunnenfigur mit erhobener Schwurhand erinnert in der "Landsgemeindehoschet" daran, dass hier 1448-1623 meist (manchmal auch im Däniberg) die ordentlichen Landsgemeinden und 1623-1837 jene der Reformierten tagten, jeweils eine Woche vor den gemeinsamen in Glarus. Um 1757 wurde in Schwanden der Pulverturm (heute ein Ortsmuseum) für den reformierten Landesteil erbaut, ein Zeichen aufflackernder konfessioneller Auseinandersetzungen. Früher zur Kirche von Glarus gehörig, bauten die Schwander 1349 eine eigene Kirche, die vorerst Filiale von Glarus war. Ab 1528 wurde sie paritätisch genutzt, die Messe jedoch 1558 abgeschafft. Zur evangelischen Kirchgemeinde Schwanden gehören seit früher Neuzeit die dem Wahltagwen Mitlödi angegliederten Dörfer Sool und Schwändi, ferner das dem Wahltagwen Betschwanden zugeteilte Haslen (inklusive Leu und Zusingen), weiter Nidfurn sowie bis zur Ablösung im Jahre 1752 Luchsingen. Die Brüder Jacob und Hans Ulrich Grubenmann erweiterten die Kirche 1753 beträchtlich. 1895 weihten die Katholiken ihr neu errichtetes Gotteshaus, welche sie 1973 durch einen Neubau ersetzten. Unmittelbar südlich der reformierten Kirche muss der ursprüngliche Dorfkern gelegen haben. Der älteste Blockbau der Gemeinde und des Kantons aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts mit prächtigen Wandmalereien ist heute im "Rysläuferhus" (jetzt ein Museum) am Weibelplatz zu bewundern. Die fremden Kriegsdienste spielten eine wichtige Rolle für das Dorf, daneben die Produktion und der Export von Waffen, sowie der Handel mit Tee oder Ziger.Die Viehwirtschaft hatte bereits im 14. Jahrhundert zunehmend an Bedeutung gewonnen. Pferde und Kühe wurden in Schwanden gezüchtet und nach Zürich sowie später vor allem nach Oberitalien verkauft. Zahlreiche grosse Steinhäuser zeugen vom Reichtum, den der Handel und die Reisläuferei der neuen Schwander Führungsgruppe des ausgehenden Mittelalters brachte: Das Rothaus (in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts entstanden), das Hoschethaus (1545) oder das obere Blumerhaus (1558). 1525 wurde am Guppen ein Eisenbergwerk eröffnet, das man aber nach etwa 30 Jahren wieder aufgab. Im 17. Jahrhundert woben die Einwohner von Schwanden vor allem halbwollene Tücher, sogenannte Mäzzen, stellten Schiefertische und -tafeln her und handelten mit wollenen Strümpfen und Mützen. Eine Färberei entstand 1680. Im Jahr 1701 zählte man 278 evangelische Schwander Männer. 1740 führte Peter Blumer die Baumwollspinnerei im Verlagssystem ein. Rund 25 Jahre später lebten bereits rund 1150 Personen im Dorf. In Schwanden und Sool lieferten sich 1799 die zurückziehenden Russen und Österreicher unter General Suworow heftige Gefechte mit nachstossenden Franzosen.Nach kriegsbedingten Krisenjahren setzte zwischen 1820 und 1830 die Industrialisierung ein mit der Gründung einer Spinnerei, der späteren Textil AG (bis 1989 existierend), der Textildruckerei Blumer (bis 1980) sowie einer Rotfärberei und Druckerei der Unternehmerfamilie Tschudi in der "Herren". Hinzu kam die heute noch bestehende Brauerei Adler. Schliesslich stand im 19. Jahrhundert am nördlichen Rand der Gemeinde ein Kalkofen. Vom Reichtum der Textilindustriellen zeugen zum Beispiel das Gemeindehaus und eine ehemalige Fabrikantenvilla. Bis zum Jahr 1850 war die Einwohnerzahl Schwandens auf fast 2300 gestiegen; 50 Jahre später betrug sie sogar knapp 2400. In den 1830er Jahren entstanden verschiedene kommunale Einrichtungen, so 1830 die Sekundarschule, ab 1838 mit eigenem Schulhaus, und 1834 eine Gemeindesparkasse. Ein zweites Schulhaus wurde 1896 erbaut. Ende 1839 zeichneten 200 Einwohner Aktien einer Bäckerei. 1853 wurde für die Arbeiter und Angestellten der Textildruckerei eine betriebliche Fürsorgestiftung geschaffen. Um die Einführung des kantonalen Fabrikgesetzes (1864) zu beschleunigen, rief man 1863 in Schwanden den ersten Fabrikarbeiterverein des Kantons ins Leben. 1864 gründete der Textilfabrikant Jean Jenny-Riffel in Schwanden die erste Konsumgenossenschaft der Schweiz.1879 erhielt die Gemeinde Anschluss an die Nordostbahn. Zu den bedeutendsten Schwandern gehörte Eduard Blumer (1848-1925); er war 38 Jahre lang Glarner Landammann, ausserdem Nationalratspräsident und Ständerat. In seiner Regierungszeit im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts stimmten die Schwander Bürger drei grossen öffentlichen Vorhaben zu: der Guppenrunsverbauung (1891-1904), der Einrichtung einer Wasserversorgung (1893) und dem Bau des Elektrizitätswerks am Niederenbach (1897). Dieses arbeitet seit 1929 eng mit der damals gegründeten Kraftwerke Sernf-Niederenbach AG zusammen, welche in den 1930er Jahren den Damm des Stausees Garichte auf Mettmen baute. Zudem nahm 1905 die elektrische Sernftalbahn zwischen Schwanden und Elm ihren Betrieb auf. (Im Jahr 1969 wurde sie durch einen Autobusbetrieb ersetzt.) Seit 1907 besteht die Therma AG, eine Fabrik für elektrische Apparate. In jüngster Zeit sind im Industriequartier Tschachen Produktionsstätten für Kunststoff, Metallwaren und Stahlbau entstanden. Dazu kommen an anderen Standorten eine Druckerei und eine Webblätterfabrik. Zu Beginn der 1960er Jahre wohnten über 3000 Menschen im Dorf.Bauten von regionaler Bedeutung wie das Alters- und Pflegeheim, das Oberstufenschulhaus, das an der Linth gelegene Schwimmbad und weitere Sportanlagen setzen neue Schwerpunkte. Aufgaben erwachsen der Gemeinde überdies durch die Pflege der ausgedehnten Bergwälder (grosse Sturmschäden im Jahr 1990).



Sool

670m.ü.M.
303 Einwohner
Homepage: www.sool.ch

Das kleine Dorf Sool im Glarner Hinterland liegt über Linth und Sernft auf der aufgetürmten Abbruchmasse eines prähistorischen Bergsturzes. Bedeutsam ist zudem ein anderes geologisches Phänomen, die "Glarner Überschiebung" in der Lochsite am Eingang des Sernftals. Sie soll sogar zum Unesco-Weltnaturerbe erklärt werden. Die Gemeinde besteht aus Ober- und Untersool sowie dem Weiler Warth im Sernftal. Ein Handelsweg ins Kleintal führte schon im Mittelalter über Sool, Warth und "Soolsteg". Im habsburgischen Urbar (um 1300) wird ein soler tagwan genannt. Der Näfelser Fahrtsbrief im Jahrzeitbuch Linthal (aus dem 16. Jahrhundert stammend) nennt bei den Gefallenen aus der Kilchhöri Schwanden Ruedi Russer und Wälti ab Sool. Der Name des Ortes kommt vom althochdeutschen sol, welches Suhle, Tümpel, sumpfige Stelle bedeutet. In Untersool befanden sich im 19. Jahrhundert noch flache Tümpel. Auf der ganzen Sooler Terrasse gibt es weder eine Quelle noch einen Bach. Ums Jahr 1800 standen der Bevölkerung zwei Dorfbrunnen zur Verfügung, die aber nur spärlich Wasser lieferten. Zuerst war die Ortschaft nach Glarus, seit 1349 nach Schwanden kirchgenössig. Seit 1528 war sie mehrheitlich reformiert. Sool bildet mit Mitlödi und Schwändi zusammen einen Wahltagwen. Überdies hatten bis 1769 die Sooler mit den Schwändnern und Mitlödnern gemeinsamen Waldbesitz. Die Burg "Sola" befindet sich zwar in Mitlödner Huben. In Sooler Hausmauern sind aber noch Steine der Burg nachweisbar: Sie dienten für den Wiederaufbau nach dem grossen Brand von 1713 im damals Obersool genannten Dorfzentrum. In den 1770er Jahren zählte man 143 männliche Glarner Bürger. Im Jahre 1848 beschlossen die Sooler Tagwensbürger, dem Wassermangel abzuhelfen. Im Hellbachgebiet, unterhalb der Alp Fessis, fasste man zwei Quellen und leitete diese zu den beiden Dorfbrunnen. Für die neue Wasserleitung wurden 600 Tüchel (der Länge nach durchbohrte Rottannenstämme) verlegt, was die Gemeinde 1506 Franken kostete. Schon im Jahre 1875 ersetzte man die Holzleitungen durch Zement- und Eisen-Rohre. Der erste Schulhausbau stammte aus dem Jahr 1832, das heutige Primarschulhaus wurde 1902 eingeweiht. 1845 48 gab es eine starke Auswanderungsbewegung. Mitte dieses Jahrhunderts lebten knapp 550 Personen im Dorf. 1876 öffnete die Baumwolldruckerei Trümpy im Steg bei Mitlödi ihre Tore, heute befindet sich dort ein Kunststoffspritzwerk. Im "Gheist" konnten 1955 vier Quellen gefasst werden. Mitte der 1980er Jahre bewilligte die Gemeindeversammlung einen Kredit von 950 000 Franken für die Verbesserung der Wasserversorgung. In der „Weid“ entstand dann ein Wasserreservoir. Die sonnige Lage und die Verkehrsverbindungen machen Sool als Wohngemeinde attraktiv. Dennoch verringerte sich die Einwohnerzahl von der Mitte des 20. Jahrhunderts bis Ende der 1980er Jahre von 429 auf 259. Neuerdings hat Sool offizielle Stassennamen und Hausnummern. Grundlagen hierfür lieferten die ursprünglichen Bezeichnungen, sogar sehr alte wie im Falle des Landesfussweges, der dort früher "Lochgässli" geheissen hatte. Der "Adler" im Dorfzentrum ist das einzige Wirtshaus in Sool. Über den Ort "Föhnen" stösst seit Menschengedenken der "Kleintalföhn" hinweg.



Querschnitt und Geschichte



Der Mensch im Glarnerland
hat Tag für Tag einen Widerstand vor der Haustür: Hartes Gestein. Es wogen im Garten keine Palmen, Wärme ist gefragt. Die Karibik ist weit weg, Steelbands treten hier selten auf. An hartem Stein geschult, an hochgelegenen Alpen und an Geröll - Lateiner wissen: Glareosus = kiesig -, erkennt der junge Mensch auf dem schmalen Talboden des Glarnerlandes rasch, dass er für die Traumberufe des Weichlings und Playboys schlecht geeignet ist. Er muss auf dem Boden bleiben, sonst landet er auf ihm.

Die Glaner sind wie Moos, sie sind Erstbesiedler. Wo sich Moos festsetzt, das wissen sie instinktiv, kann Humus entstehen. Fruchtbarkeit ist gewährleistet. Heute seltener, früher jedoch sehr konsequent gehandhabt: Jedes Hälmchen auf dem Kantonsgebiet muss herhalten, muss Futter werden, muss Überleben garantieren. Das Vieh wurde in "unmögliche" Höhen getrieben. Die sense schnitt Gras zu Heu noch dort, wo sich Flachländler - gewohnt zu übertreiben - im überhängenden Gebirge wähnen... Sparen, haushalten, nichts verkommen lassen, aus allem das Beste machen! Dass die Kalberwurst (die sich die Glarner heute schweizweit per Express aus ihrer ersten Heimat zuschicken lassen) Brotmasse enthält - das ist kein Pakt der Bäcker gegen die Metzger. Das muss und darf so sein - abgesegnet von der nationalen Lebensmittelverordnung (wehe, wenn uns da einmal die EG dreinpfuscht...) Geniessen Sie einmal den Anblick, wie ein EX- oder Noch-Immer-Glarner eine Kalberwurst geniesst... Bestimmt aber war dies einmal eine Sparmassnahme gewesen. Aus einer Not wurden Tugenden: Sie macht erfinderisch, kreiert Spezialitäten. So wird auch aus einem relativ faden mageren Sauermilchkäse, wird ihm nur das richtige Kräutlein beigemengt, eine Leckerei, nach dem über vierzig Länder die Hand ausstrecken: Ziger, Schabziger.

So genau weiss niemand, ob diese Eigenwilligkeit tausend oder nur sechshundert Jahre alt ist. Sicher ist, dass Sie keinem kurzlebigen Modeprodukt aufsitzen, wenn Sie essen. Sie nehmen Bewährtes zu sich. Abertausende von Glarnerinnen und Glarnern waren und sind den angeblich freudigen und unerschöpflichen neuen Milchprodukten weit voraus.

 

 

Geografie
Die Stadt Glarus liegt eingebettet in eine imposante Bergwelt. Der auf etwa 470 m.ü.M. liegende Hauptort des Linthtales liegt zu Füssen des pyramidenförmigen rund 2300m hohen Vorderglärnischs. Dieser wurde 1655 als erster Berg naturgetreu auf Papier gebannt; der Atlantenmaler Jan Hackaert hat ihn in einer grossartigen Panoramaansicht wiedergegeben. Zudem diente er im 19. Jahrhundert für Studien zur "Felsenarchitektur". An ihm, dem zerklüfteten und doch gleichmässigen Bergriesen, wurden Unterschiede und Analogien der natürlichen und der Kunstarchitektur erforscht. - Höchster Punkt des Gemeindegebietes ist nicht etwa das mit seinem schrägen Gletscherfeld bis weit ins Mittelland sichtbare Vrenelisgärtli, sondern der 2914 m hohe, ebenfalls zum Glärnischmassiv gehörende Bächistock.
Verschiedene Bergsturzhügel prägen das Stadtbild mit, das sich an den Talfluss, die Linth, anlehnt. - Auf dem Burghügel thront die St.-Michaels-Kapelle, auf dem Bergli lädt ein Ausflugsrestaurant zum Verbleiben, auf dem Iselirain flattern an festlichen Tagen Fahnen, und der Sonnenhügel, auf dem einst der Galgen als Zeichen dafür stand, dass die Talleute selbst über Leben und Tod entscheiden konnten, gewährt modernen Wohnbauten erhöhte Lage. Die beiden einst für die Ver- und Entsorgung sowie die Industrialisierung wichtigen Bäche sind kaum sichtbar. Der Giessen - ein Seitenarm der Linth - und der vom Glärnisch her kommende Oberdorfbach sind eingedohlt und beeinflussen das Siedlungsbild nicht mehr.

Der Name "Glarus" wurzelt vermutlich im romanischen "Clarona", was hell, lichte Stelle im Gelände bedeutet und auf die romanische Besiedlung verweist. Die Bezeichnung Glärnisch mag den gleichen Ursprung haben: von "mons Claroniscus" abgeleitet. Die Gemeindefläche beträgt 6921 ha: 180 ha (2,6%) überbaut, 1750 ha (25,3%) Wald, 2347 ha (33,9%) land- und alpwirtschaftlich nutzbar, 2644 ha (38,2%) Gestein und Wasser. - Sie wird von den Territorien der glarnerischen Gemeinden Näfels, Riedern, Netstal, Ennenda, Mitlödi, Schwändi, Schwanden und Luchsingen sowie vom schwyzerischen Muotathal (das weit über die Pragelpasshöhe ins Klöntal reicht) begrenzt. Die mittlere Wohnbevölkerung betrug 1998 rund 5500 Personen (die in etwa 2600 Haushaltungen leben). An der Volkszählung 1990 bekannten sich 51 Prozent zur evangelisch-reformierten und 42,4 Prozent zur römisch-katholischen Konfession. Rund 2 Prozent bezeichneten sich als mohammedanisch.

Geschichte
Ortsbezeichnungen belegen eine Besiedelung des Linthtales etwa ab dem 5. Jahrhundert vor Christus;
sie lassen die Anwesenheit von Ligurern, Räten, Kelten und Romanen erkennen.Laut durch Ausgrabungen gewonnener Erkenntnis stand die erste Talkirche im 6. Jahrhundert an der Stelle des heutigen Gerichtshauses in Glarus. Die Siedlung ist demnach viel älter als die meisten Schweizer Städte ohne römische Wurzeln.Erste urkundliche Erwähnung findet "Clarona" in einer aus dem 9. Jahrhundert stammenden Lebensgeschichte der Heiligen Felix und Regula. Diese seien auf ihrer Flucht nach dem Gemetzel der thebäischen Legion in St-Maurice durch "wüste Orte der Einöde, die Clarona heisst," gezogen: nach Zürich, wo sie als Märtyrer den Tod fanden. Der Meierhof, als Sitz der Verwalter des Frauenklosters Säckingen befand sich in Glarus, das lange Zeit aus zwei getrennten Siedlungen bestand. Grosse Teile des Glarnerlandes gehörten bis Ende des 14. Jahrhunderts dieser Grundherrschaft, von der sich die Talleute loskauften, ihr aber noch bis 1790 einen "ewigen Jahreszins" entrichteten.Auch die ersten Landsgemeinden mögen hier abgehalten worden sein; die älteste urkundlich belegte Landsgemeinde, an der sich die Glarner Landessatzungen gaben, fand 1387 statt. - Der Wert dieser Institution wird auch heutzutage kaum angezweifelt. Sie findet am 1. Sonntag im Mai auf dem Zaunplatz in Glarus statt; bei sehr schlechtem Wetter wird sie um eine Woche verschoben.Der frühe Kirchenbau - die Glarner Kirche war bis ins 13. Jahrhundert die einzige Pfarrkirche des Tales - und die zentrale Lage bestimmten die Entwicklung der Siedlung mit, die 1419 von der Landsgemeinde zum Hauptort bestimmt worden ist. Hier befanden sich die Ratshäuser des Landes, wurde Recht gesprochen, wurden Leute gefangen gehalten, an den Pranger gestellt oder gar zur Richtstätte geführt; hier gründete Huldrych Zwingli - von 1506 bis 1516 Pfarrer von Glarus, das sich nicht zuletzt wegen dieser Beziehung seiner Reformation anschloss - eine Lateinschule, und hier wurde 1560 das erste "Spital" als Unterkunft für arme und "pesthafte" Leute gebaut.Während der Helvetik war Glarus Hauptort des Kantons Linth (1798-1803).Da nach der Reformation die Gemeinde konfessionell gemischt blieb, ergab sich eine äusserst komplizierte Gemeindeorganisation. Dem Tagwen (inzwischen in der Ortsgemeinde aufgegangene Bürgergemeinde) gehörten alle Stimmberechtigten, gleich welcher Konfession, an. Das traf auch auf die gemeine Kirchgemeinde zu, welcher die mit der Einwohnerschaft von Riedern gemeinsam genutzte Kirche sowie einiges Vermögen unterstand. Deshalb trennten sich die Kirchgenossen von Mitlödi, Netstal und Ennenda auch nicht von ihr, als sie eigene Kirchen gebaut und eigene Kirchgemeinden gegründet hatten: Es setzte sich die gemeine Kirchgemeinde nicht nur aus Angehörigen verschiedener Konfessionen, sondern auch aus Aktiv- und Passivkirchgenossen zusammen, die zudem verschiedenen Gebietskörperschaften angehörten. - Auch war das Schul- und Fürsorgewesen konfessionell organisiert. Die verschiedenen Gruppierungen waren gezwungen, zusammenzuarbeiten, Verträge auszuhandeln, gemeinsame Gremien zu bilden. Der Stand Glarus nahm manche Entwicklung in der Beziehung der Konfessionen zueinander vorab - und dies glücklicher- und bezeichnenderweise -, ohne dass es zu offenem Krieg gekommen wäre.Nachdem Schule und Fürsorge zu Aufgaben der staatlichen Politik geworden sind und das Simultanverhältnis an der Stadtkirche 1964 mit der Weihe der St.-Fridolins-Kirche untergegangen ist, gibt es noch folgende selbstständigen Körperschaften: Ortsgemeinde Glarus, Schulgemeinde Glarus-Riedern, Fürsorgegemeinde Glarus-Riedern, Evang.-Ref. Kirchgemeinde Glarus-Riedern, Röm.-kath. Kirchgemeinde Glarus-Riedern-Ennenda.Die Gemeinden Glarus und Riedern bilden einen Landratswahlkreis, der 13 der 80 Glarner Landräte (Legislative) zu wählen hat. Zudem haben sie in einer Vereinbarung die Zusammenarbeit in Zivilschutz, Feuerwehr, Vormundschaft, Altersbetreuung, Spitex, Friedhofwesen geregelt.Im 20. Jahrhundert wurde Glarus vom Industriestandort zum Dienstleistungszentrum. Die Bevölkerungsentwicklung verläuft vergleichbar mit "echten" Städten: wies die Volkszählung 1970 noch 6189 Personen aus, betrug die mittlere Wohnbevölkerung 1998 noch rund 5500 Personen. Wohnraum wird zum Arbeitsraum; in den Sektoren 2 und 3 bieten 512 Arbeitsstätten annähernd 4000 Arbeitsplätze an, davon 3300 im Dienstleistungsbereich. Die einst wichtigen Textilfabriken sind aus dem Ortsbild weitgehend verschwunden. Grösster Arbeitgeber ist das Kantonsspital, das über 400 Stellen anbietet.Glarus baute seine Infrastruktur stets aus. Es verfügt über unerschöpfliche Quellwasserreserven, ein Grundwasserpumpwerk, drei kleinere Stromproduktionsanlagen, eine Erdgasversorgung, und die Kommunikationsdaten werden von einer Grossgemeinschaftsantennenanlage bezogen und teils bereits durch Glaskabel (www.wbg-glarus.ch) verteilt.Das Schulangebot ist hervorragend: Sitz von Kantonsschule, Diplommittelschule, kaufmännischer Berufsschule, Pflegeschule. In der Grundstufe wird die Möglichkeit der Einführungsklasse angeboten sowie ein freiwilliges 10. Schuljahr, ein Werkjahr und eine Integrationsklasse. Die Schulen von Glarus besuchen rund 1700 Kinder und Jugendliche. Die Schulgemeinde betreibt einen Kinderhort und je ein privater Verein eine Kinderkrippe / die Musikschule. Das Freizeit- und Sportangebot ist ebenfalls vielfältig.

Industriegeschichte
Die eindrückliche Industriegeschichte des Glarnerlandes ist mit derjenigen seines Hauptortes eng verbunden. Die Industrie hielt mit dem Bau der ersten Zeugdruckerei am Oberdorfbach in Glarus 1740 Einzug ins Tal. Die Druckereien Schuler und Heer, Egidius Trümpy (in welcher der erste - erfolglose - Streik wegen einer Fabrikglocke ausbrach), Brunner (heute Sitz der Möbelfabrik und von Gewerbebetrieben) sowie weitere kleinere Etablissemente und Bleichereien standen an den beiden Bachläufen und beschäftigten in der Hochblüte in den 1860er-Jahren gegen 2000 Arbeitskräfte. Glarus wuchs explosionsartig. Von 1800 bis zum Brand 1861 verdoppelte sich seine Einwohnerzahl, sodass die Glarner Behörden ans Bauen gewohnt waren, als ein Grossteil des alten Fleckens in Schutt und Asche lag.1859 erreichte die Eisenbahn Glarus, das hierauf in der Nähe dieser wichtigen Verbindung sogleich ein repräsentatives Hotel, den Glarnerhof, erbaute und in den 1870er-Jahren den Volksgarten erstellte. Selbstbewusst nutzte es nach dem verheerenden Brand die Chance, etwas gänzlich Neues zu schaffen: Das neue Glarus zeigte sich nach dem Wiederaufbau deutlicher denn je als Kantonshauptort, als Industrie- und Verwaltungszentrum. - Aus den Ruinen des einstigen ländlichen Fleckens war eine Stadt hervorgegangen!Und auf dem Zaunplatz, Standort des Brandherdes, wurde Sozialgeschichte geschrieben. Seit je an das Mitbestimmen im Staatswesen gewohnt, setzte die Glarner Arbeiterschaft mit Hilfe sozial gesinnter Ärzte und Pfarrer 1864 ein fortschrittliches Fabrikgesetz und 1916 die Schaffung der kantonalen Alters- und Invalidenversicherung durch. Auch das 1925 erlassene Arbeitslosengesetz war das erste seiner Art.Demgegenüber verdankt der Schweizerische Handels- und Industrieverein, der "Vorort", der Initiative der Glarner Handelskommission sein Entstehen.Heute ist Glarus ein Dienstleistungszentrum mit einem Angebot, das kaum Wünsche offen lässt.

Der grosse Brand von Glarus
Glarus wurde verschiedentlich von Bränden heimgesucht. Doch am schlimmsten wütete das Feuer in der Nacht vom Freitag auf den Samstag, 10./11. Mai 1861, als der Föhn einen in einem schindelgedeckten Stallgebäude ausgebrochenen Brand zur Katastrophe werden liess und die Glarner und Glarnerinnen eine "Nacht des Jammers und des Schreckens, des Elends und der Hülflosigkeit" erdulden mussten.Eine halbe Stunde nach Brandausbruch stehen mindestens 150 Häuser in Flammen. Das Feuer kann nicht eingedämmt werden. Von den Schindeldächern geht ein sprühendes Funkenmeer über die Siedlung hinweg. Überall bricht Feuer aus. Unaufhaltsam wälzt sich der Feuerball talauswärts, überrollt die Kirche, entzündet die Grabkreuze auf dem Friedhof. Erst am Ende der Siedlung kommt er zum Stillstand. Um Mitternacht - etwa zweieinhalb Stunden nach Brandausbruch - brennen über 600 Gebäude: ein Feuermeer, dessen Wogen sich mit fürchterlichem Geprassel hoch aufbäumen. Der Talkessel ist taghell erleuchtet, die Berge scheinen, blutrot, ebenfalls zu brennen.

Der Widerschein wird in Ravensburg, Basel, Neuenburg wahrgenommen.Feuerwehren (www.ffgl.ch) aus dem ganzen Kanton eilen zu Fuss in aller Eile herbei. Der Telegraphist sendet, solange dies möglich ist, Hilferufe aus. Feuerwehren werden in Rekordfahrten mit der Bahn nach Glarus geführt. Am Morgen sind über 30 Spritzen und 2000 Mann im Einsatz. Es gelingt ihnen, die sie bis zur Erschöpfung kämpfen, die den Flecken umspannenden Fabriken sowie die südlichen und westlichen Wohnquartiere zu halten.Am Morgen sind zwei Drittel der Stadt, rund 600 Gebäude, eingeäschert, eine Geisterstadt, um die herum die Obdachlosen (2257 Personen, 47% der Bevölkerung) lagern. Ein Bild des Jammers. Fünf Personen kamen ums Leben, weitere drei sterben bald an den Folgen des Brandes.Die Brandstätte misst etwa 570 auf 450 Meter. Der Schaden wird auf die damals immense Summe von über 10 Millionen Franken geschätzt.Das Unglück zieht Neugierige an. Am Sonntag strömen über 10 000 von ihnen herbei, um sich von der Grösse der Brandstätte ein Bild machen zu können. Manche, "und nicht nur Frauen", brechen ob dem erschütternden Blick in Tränen aus.Die Brandursache konnte nie ermittelt werden.

Städtebauliches Ereignis
Der Wiederaufbau erfolgt nach dem grossen Brand von 1861 unglaublich schnell.
- 14. Mai (drei Tage nach dem Brand). Zustimmung der im Angesicht der rauchenden Trümmer auf dem Zaunplatz tagenden Gemeindeversammlung zum Gesetz über den Wiederaufbau von Glarus; es sieht den Wiederaufbau auf dem untergegangenen Teil in planmässiger und geordneter Weise nach rationellem Bauplan vor, ersucht die Landesbehörden um ein Expropriationsgesetz, erteilt unbedingte Vollmacht und unbedingten Kredit an den erweiterten Gemeinderat und hält Bauvorschriften fest.
- 15. Mai. Auftrag an Johann Caspar Wolff und Bernhard Simon für das Ausarbeiten des Bauplanes; Ernennen einer Baukommission
- 16. Mai. Der Landrat berät das Enteignungsgesetz.
- 18. Mai. Die Bahnverlängerung zum Baumateriallagerplatz ist im Bau.
- 20. Mai. Die Landsgemeinde (unter dem Beisein tausender von Zuschauern) genehmigt das Expropriationsgesetz im Grundsatz und bewilligt Kredite für den Wiederaufbau der Landesgebäude (Rats-, Gerichts-, Salzhaus).
- 23. Mai. Beginn trigonometrische Vermessung, Errichten Katasterplan des alten Eigentums.
- 12. Juni. Der Landrat erlässt das Enteignungsgesetz; eine fünfköpfige Kommission entscheidet endgültig über Streitigkeiten wegen der Neuzuteilung des Eigentums.
- Ende Juni. Der Katasterplan liegt vor; 600 Parzellen sind abgesteckt.
- 18. Juli. Der Entwurf des Wiederaufbauplans ist ausgearbeitet. Er gibt die städtisch anmutende Karreebauweise vor, weist den Bächen neue, eingedohlte Betten zu, fordert das Abtragen eines Bergsturzhügels, sieht für Kirche und Friedhof einen neuen Standort vor. Obschon hart bestritten, wird er nach fünftägigem Auflegen akzeptiert.
- Ende August. Die Detailpläne der Karrees sind erstellt.
- 11. September. Das Reglement über die Räumung der Brandstätte tritt in Kraft.
- 17. September. 261 Bauplätze sind zugeteilt. Es mussten - die Rekursfrist betrug drei Tage - 84 Rekurse untergeordneter Art behandelt werden. In 132 Fällen kam das Expropriationsgesetz zur Anwendung.
Die Fünferkommission fällte 103 Urteile.
- 18. Oktober. Das detaillreiche Baureglement ist erlassen.
- Ende 1861. Drei Häuser sind unter Dach.
- 1863. 288 Häuser mit 518 Wohnungen, 62 Ökonomiegebäude, 8 öffentliche Gebäude sowie verschiedene Gewerbe- und Industriebauten sind bezogen, weitere 100 Bauplätze noch zur Verfügung, das Gaswerk Glarus gegründet (öffentliche Gasbeleuchtung), die Grundbücher neu erstellt.
- 1864. Es wird ein Finanzplan zur Tilgung der grossen Schuldenlast aufgestellt: neue und höhere Gebühren, Holzverkauf, Sitzgeld für Niedergelassene, Auflage für Tagwensgenossen, Liegenschafts-, Alp- und Waldverkäufe. Der Kanton hebt den Salzpreis und die Versicherungsprämien an und zieht eine ausserordentliche Vermögens- und Kopfsteuer ein. - Auf den am 12. Mai 1861 erfolgten Hilfsaufruf gingen Gaben aus der ganzen Welt ein: Nahrungsmittel, Kleider, Werkzeuge, Betten, Bettwäsche, über 2,5 Millionen Franken; Aufräumtrupps arbeiteten gratis. Das Hülfskomitee schreibt im Rechenschaftsbericht: "Die über uns hereingebrochene Not war gross, die teilnehmende Liebe aber grenzenlos."

Leben
Fridolin wacht über Land und LeuteDas Glarnerwappen zeigt als einziges Kantonswappen einen Menschen: Den heiligen Fridolin mit dem Wanderstab und der Bibel. Die Legende besagt, wie Fridolin - der Gründer des Klosters Säckingen - zu Grundbesitz im Glarnerland kam. Zwei Brüder, Urso und Landolf, besassen zahlreiche Güter. Urso schenkte sein Land Fridolin. Doch nach dem Tode seines Bruders riss Landolf alle Güter an sich. Um sein Recht zu beweisen, rief Fridolin den toten Urso als Zeugen vor Gericht. Der beim Anblick des bekannten Zeugen zutiefst erschrockene Landolf überliess die Güter des Urso und seine eigenen dazu. Deshalb wacht Fridolin als Schutzheiliger im Wappen über das Glarnerland und seine Leute.Näfelser FahrtAn jedem ersten Donnerstag im April gedenken die Glarner des 1388 errungenen Sieges über die Habsburger in der Schlacht bei Näfels. Der kantonale Feiertag wird mit einer Prozession, einer staatsmännischen Ansprache und einem Gottesdienst begangen.

Glarner Textilindustrie
Im Jahr 1740 erbaute Landmajor Fridolin Streiff die erste sogenannte Zeugdruckerei (Baumwolldruck). Dieser Industriezweig erlebte 120 Jahre später seine Blütezeit. Ueber 23 Druckfabriken beschäftigten 6000 Mitarbeiter. Die Produkte wurden weltweit exportiert, besonders in den Balkan, nach Kleinasien, Hinterindien und Afrika.

Glarner Stoffdruck
Der wirtschaftliche Aufschwung durch die Textilindustrie und den Handel verhalf den Glarnern zu steigendem Wohlstand. Die buntbedruckten Stoffe und die Glarner Tüechli stammen aus dieser Zeit. Auch sie haben den guten Ruf der Glarner besiegelt. Nach mehr als zweihundert Jahren sind die Tüechli als typisch glarnerische Spezialität noch heute gefragt.Aus- und WeiterbildungDie Kantonsschule Glarus führt ein Kurz- und Langzeitgymnasium mit eidgenössischer Matura und eine Diplommittelschule. Im ganzen Kanton können über 100 verschiedene Berufe erlernt werden. Die dazugehörenden Ausbildungsplätze sind an der Kaufmännischen Berufsschule in Glarus und an der Gewerblichen Berufsschule in Ziegelbrücke vorhanden. Ein umfassendes

Kulturangebot
Das kulturelle Geschehen ist vielfältig. Es gibt regelmässig Jazz-, Pop-, klassische und volkstümliche Konzerte, Kunstausstellungen in mehreren Galerien, Gastspiele von Theatergruppen und feste Einrichtungen wie zum Beispiel die Glarner Konzert- und Theatergesellschaft oder die zahlreichen Vereine. Das Glarner Kunsthaus, das Museum des Landes Glarus und lokale Museen sorgen für ein umfassendes kulturelles Angebot. Daneben gibt es auch zwei Kinos und in Glarus das Kultur- und Vereinszentrum Glarus, wo regelmässig Veranstaltungen stattfinden. Aktuelle Veranstaltungen finden Sie in der Glarneragenda.Das Glarner Kammerorchester, ein vorwiegend aus Laienmusikern bestehendes Streichorchester, prägt mit seinen Sinfoniekonzerten, seinen Oratorienaufführungen und sonstigen diversen musikalischen Veranstaltungen seit Jahrzehnten das Glarner Musikleben aktiv mit.Ein zentrales kulturelles Ereignis ist die Musikwoche in Braunwald, die einmal im Jahr musikalische Darbietungen präsentiert.Zahlreiche Glarner Kulturschaffende sind über die Kantonsgrenzen hinaus bekannt: Die Schriftsteller Emil Zopfi, Perikles Monioudis, Tim Krohn (Präsident des Schweizerischen SchriftstellerInnenverbandes), Jan Krohn, Walter Hauser, Fridolin Jakober, Eveline Hasler und viele mehr.Bekannt sind auch verschiedene Glarner Musiker: Betty Legler, Louis Menar, Hermann Bühler, Markus Mägä Hauser, Jürg Wickihalder, Daniel Zbinden, Peter Brandenberger oder die Pop-Bands Starfish und Contrast Family.Im Bereich der Malerei und Fotographie sind unter anderen Hanspeter Hofmann, Lill Tschudi, Syl Bamert, Erika Sidler, Christina Gallati, Andrea Iten und Fridolin Walcher zu erwähnen.Tradition und BrauchtumSo offen die Glarner für Neues sind, so wenig verzichten sie auf die alten Bräuche und Traditionen. Sie feiern das Schybäfleugä in Matt, den alten Brauch zur Fasnachtszeit, oder die St. Niklaus-Umzüge, die in den ersten Dezembertagen im ganzen Glarnerland stattfinden. Kulinarische SpezialitätenKennzeichen glarnerischer Gastfreundschaft sind verschiedene kulinarische Spezialitäten.

Glarner Pastete
Hundertmal wird der Blätterteig eingeschlagen und gerollt. Die eine Hälfte der Füllung ist feinstes Zwetschgenmus, die andere süss und aus geriebenen Mandeln - ein Geheimrezept.Glarner ChalberwurstZum richtigen Landsgemeinde-Schmaus gehören gekochte Dörrzwetschgen, Kartoffelstock und die Chalberwurst an einer goldigweissen Buttersauce mit Zwiebeln. Nur im Glarnerland wird die traditionelle Chalberwurst hergestellt .

Glarner Schabziger
Seit Jahrhunderten gehört der Schabziger zu den traditionellen Glarner Spezialitäten. Noch heute wird der mit Zigerkleepulver gewürzte magere Sauermilchkäse nach überliefertem Rezept hergestellt. Mit Ziger verpflegte man schon im 15. Jahrhundert die Soldaten. Die begehrte Spezialität wurde im Jahre 1310 zum ersten Mal im Säckinger Rodel erwähnt. Zinsen an das Kloster mussten damals nämlich in Form von Ziger bezahlt werden.Zu den schmackhaften Gerichten mit Schabziger zählen die Ziger Höreli, das Glarner Fondue, Forellen nach Glarner Art oder die Rotweinbirne an Zigerrahmsauce.

Übersichtliches Glarnerland

 

Glarnerland Tourismus
Stand 2002

 

Mit freundlicher Genehmigung: Glarnerland Tourismus, Glarus

 

 

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